Zukunftsweisend: Ökohühnerzucht mit Zweinutzung

Von Stephanie Lehmann | Gepostet am 23.08.2023

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Ende Mai organisierte der Biokreis eine Online-Veranstaltung zum aktuellen Stand der Zucht von Zweinutzungs-hühnern. Die ÖTZ berichtete über Zuchterfolge, Fütterung und Perspektiven für das Zweinutzungshuhn.

Zum Beginn der zweistündigen Online-Veranstaltung stellte Günter Schlotter, Biokreis-Berater und Geschäftsführer des Biokreis Erzeugerring Mitteldeutschland, klar: Es ist das Ziel des Biokreis und aller Bio-Verbände, das Zweinutzungshuhn in der Bio-Tierhaltung zu fördern. Das sei nötig, weil der Bruderhahn der Legerassen auf Dauer keine vertretbaren Ergebnisse beim Verhältnis von Futter-Input und Zuwachs liefere. Daran anschließend betonte auch Carsten Scheper, Geschäftsführer der Ökologischen Tierzucht gGmbH (ÖTZ) und Leiter für den Bereich Rinderzucht, wie wichtig die Ausrichtung auf Zweinutzungstiere sei. Er informierte des Weiteren über die Organisation der ÖTZ, deren Herangehensweise an die Zucht und erläuterte, dass zusätzlich zum Geflügel auch die ökologische Milchrinderzucht mit dem Schwerpunkt Zweinutzung stärker in die Arbeit der ÖTZ integriert werden soll.

Zu den Zuchtergebnissen der ÖTZ-Hühnerrassen Coffee, Cream und Caramel sprach Pauline Seyler, bei der ÖTZ zuständig für die Geflügelberatung. Sie erklärte zunächst, vor welchem Hintergrund die ÖTZ ihre Arbeit aufgenommen hatte: In der konventionellen Tierzucht gibt es für Geflügel nur vier global agierende Unternehmen. Da weltweit ein Großteil der Legehennen in Käfigen gehalten wird, richten diese Unternehmen ihre Züchtungsziele an der Käfighaltung aus. Die Bio-Branche dagegen braucht Tiere, die sich im Auslauf gut zurechtfinden, robust sind und sich an schwankende Futterqualitäten anpassen können. Sie sollen frei von hochleistungsbedingten Krankheiten und auf Lebensleistung ausgelegt sein. Dafür stehe die Arbeit der ÖTZ mit ihrem Motto „Bio von Anfang an“. Auch die Basiszuchttiere werden unter zertifiziert ökologischen Bedingungen in Deutschland gehalten. Die Zucht erfolgt ohne künstliche Besamung oder Biotechnologien; regelmäßige Leistungsprüfungen bilden die Basis der Zuchtwahl. Für die Aufzucht der Tiere arbeitet die ÖTZ mit kleinen und mittleren Brütereien und Aufzuchtbetrieben in der Region zusammen. Verkauft werden Gebrauchskreuzungen; beim Kauf muss zu jeder Henne auch ein Hahn abgenommen werden.

Bei den Nachfragen aus der Zuhörerschaft wurde schnell klar: Hier sitzen größtenteils Profis mit im virtuellen Raum, die bereits Zweinutzungsrassen halten und sich vor allem vertiefende Informationen wünschen. Zur Sprache kamen denn auch die Herausforderungen, die beim Umgang mit Zweinutzungshühnern auftreten. Zwar konnte Pauline Seyler Bedenken zur Eiergrößenverteilung ausräumen, beim Thema Brütigkeit gab sie aber unumwunden zu: Die Frage sei „nicht ob, sondern wann“ sie auftrete. Daher müssen Betriebe wissen oder lernen, wie man mit brütigen Hennen umgeht. Außerdem ging es darum, wie viele Mauserperioden sinnvoll sind (aktuell noch unklar, aber langfristig soll es von der ÖTZ einen Leitfaden dazu geben) und wie hoch der Eier-Preis bei der Vermarktung sein sollte. Zur Preisgestaltung empfahl Pauline Seyler eindringlich, den Verkaufspreis von den individuellen betrieblichen Produktionskosten abzuleiten. Als Hilfsmittel empfahl sie den Vollkostenrechner für Öko-Legehennen, der auf der Website der Landesanstalt Landwirtschaft Schwäbisch Gmünd zum kostenlosen Download zu Verfügung steht.

Günter Schlotter kam abschließend noch darauf zu sprechen, dass der Biokreis eine Kooperation mit der ÖTZ anstrebt. Die genauen Bedingungen würden aktuell geklärt.

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Stephanie Lehmann

Mitarbeiterin beim Biokreis e.V. in den Bereichen Öffentlichkeits- und Projektarbeit.