Luxusleben für Bioschweine

Von Gastautor:in | Gepostet am 10.12.2025

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Gerade in der Schweinehaltung unterscheiden sich bio und konventionell enorm. Das fängt beim Platz an: Im Stall hat der Eber mindestens sechs Quadratmeter für sich, für die tragende Sau sind es 2,5 Quadratmeter, das dicke Mastschwein bringt es auf 1,5 Meter. Und weil das Mastschwein eben nicht alleine im Stall ist (sonst wäre es ja doch arg eng), kommt bei einer Gruppe Tiere auch ein schön großer Stall heraus. Ein Stall mit Frischluft – und immer mit Zugang zum Außenbereich, mindestens fein eingestreut zum Wühlen. Das Bio-Schwein muss raus, muss wählen können, ob es im Stall Sonne oder Regen ausweicht. Oder ob es das wilde Klima draußen genießen will und dort nebenbei auch noch im Stroh wühlt. Dabei ist der Auslauf etwa so groß wie die Stallf läche – das also ist ganz schön geräumig – und bei vielen Betrieben wird den Tieren noch großzügiger Platz gegeben. Das ist ja schließlich auch gut für die Gesundheit. Und wer im Stroh wühlt, lebt weniger im Stress, knabbert die Ringelschwänze der Kolleg:innen auch nicht an. So soll es ja sein.

Freilandhaltung

Das ist die Herausforderung. Freilandhaltung bedeutet bei Bio-Schweinen eben auch eine sichere Zäunung. Sicher, das heißt: doppelter Zaun. Damit das Wildschwein nicht herankommt an das Bio-Schwein. Da achtet das lokale Veterinäramt sehr genau drauf. Oft ist es so, dass als erster Zaun noch im Bio-Gehege ein – möglichst dreilitziger – Elektrozaun zu spannen ist. Dahinter kommt dann in zwei Meter Abstand ein mindestens 1,50 Meter hoher engmaschiger Drahtzaun. Der ist dann auch gegen das Unterwühlen durch die Wildschweine zu sichern – sei es durch Bodenanker oder auch durch eine äußere Stromlitze. Das alles bedeutet viel Arbeit und Kontrolle. Denn die Schweine wühlen gerne – also muss immer dafür gesorgt werden, dass kein Dreck und kein hochgewachsenes Gras die Stromführung beeinträchtigt. Tierwohl macht Arbeit.

Nachholbedarf

Die Verbraucherinnen und Verbraucher hätten gern mehr. Doch es ist – leider – schon fast ein Glückfall, ein Bio-Schweineschnitzel serviert zu bekommen oder kaufen zu können. Denn der Bio-Anteil am gesamten Schweinemarkt liegt bei einem Prozent. Seit Jahren schon. Es könnte mehr sein …

Du Sau, Du!

Schwein sein, das ist kein Schimpfwort für die, die man als dreckig beleidigen will. Mit Dreckschwein würde man eher die Sau beleidigen. Denn Schweine sind durchweg reinliche Tiere, wenn man ihnen wie im Biolandbau den Raum dafür gibt. Sie richten sich ihren eigenen Toilettenbereich ein, eben nicht neben dem Fressbereich. Es wird geka…, wo es keinen stört, auch nicht im schweinischen Wohnzimmer. Schweine an sich stinken nicht, da sie keine Schweißdrüsen haben – und um sich abzukühlen, freuen sie sich über eine Suhle im Schlamm. Das wäre dann echter Schweineluxus. Ein echtes Schweinchen also steht für Sauberkeit.

Der Autor Peter Schmidt ist Ökolandwirt und Vorstand des
Biokreis Erzeugerring NRW und Niedersachsen e.V.

Gastautor:in