Gesuchte Bio-Schweine – immer lohnend: Mit dem Biokreis in die Schweinevermarktung einsteigen

Von Gastautor:in | Gepostet am 10.12.2025

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Man könnte sich die letzten Haare raufen – da gibt es mal einen Markt, wo alle sagen: Wir brauchen mehr. Nämlich mehr Bio-Schweine. Aber es finden sich zu wenig neue Betriebe, die Bio-Schweine liefern wollen. Klar, dafür gibt es auch Gründe – aber bei so guten Perspektiven, da könnte es sich lohnen, sich einen Ruck zu geben. Von Peter Schmidt

Überbordende Bio-Euphorie findet man bei der AMI, der Bonner Agrarmarkt Informationsgesellschaft mbH, nicht. Informationen, Zahlen sind ihr Geschäft – und eine möglichst neutrale Marktbeobachtung. Ende Oktober beschreibt Diana Schnack, Bereichsleiterin Öko-Landbau bei der AMI, die Situation nüchtern: „Bio-Schweine sind knapp …“ und „teilweise stiegen die Preise so deutlich, dass für viele Verarbeiter:innen eine Grenze erreicht wurde.“ Übersetzt heißt dies: Gute Nachrichten für
Ferkelerzeuger:innen und Mäster:innen – die Preise sind gut.

An der Grenze des Machbaren. Und die Biokreis-Verarbeiter:innen, die sind eben nicht ausgestiegen, die bieten zum Teil Konditionen, die über dem Marktschnitt liegen. Der Markt hat Potenzial. Seit Jahren schon dümpelt der Anteil vom Bio-Schweinefleisch gerade mal bei rund einem Prozent. Er könnte höher sein, um einiges höher. Doch es gibt eben nicht genug Schweinderl im Öko-Segment. Nun besteht also die Gefahr, dass Importware hier im Handel landet, je höher die Nachfrage, je größer ist die Konkurrenz. Also: Es kann sich der Umstieg lohnen, gerade jetzt.

Dabei gilt: Verbandsware ist besonders gefragt. Und da bietet der Biokreis echte Vorteile. Während bei anderen Verbänden Vermarktungsorganisationen den Schweinehandel für die Bauern organisieren, verzichtet der Biokreis auf eine solche Gesellschaft. Das soll auch so bleiben, betont Thorsten Block, Vorsitzender des Biokreis-Bundesverbandes: „Wir wollen keine Vermarktungsgesellschaft – bei uns fließt der verbesserte Erlös komplett in die Kassen der landwirtschaftlichen Betriebe.“ Was gerade etabliert wird, das ist eine Koordinationsstelle, die für den besseren Warenfluss sorgen soll. Denn Biokreis-Verarbeiter:innen, die wirklich gute Tarife bieten, sind über ganz Deutschland gestreut – von Niedersachsen bis Bayern, von Nordrhein-Westfalen bis in den Osten Deutschlands – zum Beispiel nach Mecklenburg-Vorpommern. Die einen sind Bio-Metzger:innen oder beliefern diese, andere beliefern den klassischen Bioladen, den Lebensmittel-Einzelhandel – oder eben auch Discounter. Dazu kommt die Außehr-Haus-Verpflegung, die sich immer öfter dem Verlangen nach Bio-Produkten stellen muss. Die Bandbreite ist groß, die Chancen sind es ebenfalls.

Also zusammengefasst: Biokreis sucht Bio-Schweine – große und kleine Betriebe können sich melden. Und um später die Vermarktung wirtschaftlich zu organisieren, entsteht die Koordinierungsstelle, die sich unter anderem um den Warenfluss, die Beratung und die guten Kontakte kümmert.

muss umbauen. Dies gehört mit zu den wesentlichen Herausforderungen. Stallbau ist teuer – einige Betriebe haben in den vergangenen Monaten noch Umbauzuschüsse beantragt. Doch wie die in Zukunft verteilt werden, das ist letztlich eine politische Entscheidung. Die kann der Biokreis kaum beeinflussen, auch wenn gemeinsam mit dem BÖLW (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V.) in Berlin dafür gestritten wird, entsprechende Förderungen zu erhalten. Mindestens genauso wichtig aber ist, „dass wir über unsere verbandsangehörigen Verarbeitungsbetriebe gute und auch langfristige Konditionen und Vereinbarungen bieten können“, so Bundesvorsitzender Thorsten Block.

Die Anforderungen der Verarbeiter:innen sind durchaus unterschiedlich, wer sich für den Biokreis entscheidet, sollte auf jeden Fall zuvor gemeinsam mit dem Verband andere wichtige Dinge klären:
Futter-Versorgung – Biofutter ist teurer als konventionelles, das ist klar. Die Kosten müssen durch guten Preis und gute Verträge abgesichert sein. Da unterstützt der Biokreis – auch durch seine Kontakte zu den Biokreis-Futtermühlen und zu den Verarbeitungsbetrieben.

Vermarktung – Bio-Schweinefleisch lässt sich einerseits in größeren Mengen an die entsprechend größeren Verarbeiter- betriebe vermarkten, da braucht es unter Umständen die Unterstützung des Verbandes. Die ist verfügbar. Oder der Betrieb vermarktet direkt – dann braucht es vor Ort eventuell eine:n Metzger:in, der die Schweine biokonform verarbeitet. Das kann eine Genossenschaft sein wie Biofleisch NRW, das kann auch der/die regionale Metzger:in sein. Ist er konventionell, vereinbart man per Sub-Unternehmervertrag die Bio-Lohn-Verarbeitung. Wie das geht, auch dabei kann der Biokreis unterstützen.

Personal – das gilt für bio und konventionell: Die Mindestlöhne steigen, damit auch, die Personalkosten entsprechend. Auch dies lässt sich nur durch gute Tarife auffangen. Also ist das Thema Personalkosten mittlerweile ein Argument PRO Bio(kreis)-Schweinehaltung.

Rassewahl – auch das bespricht mensch besser nicht nur mit sich selbst und der Beratung durch den Verband. Dies ist ebenfalls wichtig bei der Wahl des Absatzweges. Direktvermarkter zum Beispiel mögen gut mit dem Bunten Bentheimer Schwein bedient sein. Wer sich mit der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall zusammen tut, landet eher in der Familie der Sattelschweine. Andernorts können es auch gute Gebrauchskreuzungen zum Beispiel zwischen Duroc und Deutschem Edelschwein sein – Hauptsache ist, die Tiere sind robust, stressresistent und für den „normalen“ Handel mit nicht so üppigen Speckschichten versehen.

Fazit also: Der Markt für Bio-Schweine ist interessant. Und aufnahmefähig. Die Preise sind gut. Um- und Einsteiger:innen sind willkommen, sie werden auch gerne vom Biokreis unterstützt. Spezialisierte Beratung steht bereit. Richtig ist: Bio muss gewollt sein, mal eben nebenher läuft die Umstellung nicht. Doch die Marktperspektiven sind nach allen Analysen richtig gut. Der Biokreis bietet als einen wesentlichen Vorteil, dass die guten Erlöse beim Betrieb bleiben und nicht noch teilweise mit einer Vermarktungsgesellschaft geteilt werden müssen. Bei der Etablierung einer Vermarktung wie auch bei Umstellung und Futterversorgung kann dank der starken Mitgliedsbetriebe gut unterstützt werden.

Kontakt für Interessent:innen:

Verena Becker
Verarbeitungsberatung West
verena.becker@biokreis.de

Thorsten Block
Vorstandsvorsitzender des Biokreis e.V.
block@biokreis.de

Der Autor Peter Schmidt ist Ökolandwirt und Vorstand des
Biokreis Erzeugerring NRW und Niedersachsen e.V.

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