Bauernhof-Erlebnisse: Wenig Kosten, ordentlicher Umsatz – und gesellschaftlich wertvoll

An den Bildern können wir uns doch alle erfreuen – Kinder graben Kartoffeln aus, streicheln unsere Bauernhoftiere, säen Möhren aus. Oder sie schwingen sogar die Mistgabel und misten mit voller Begeisterung den Kuh- oder Kälberstall aus. Das ist dann echte Mithilfe mit pädagogischem Mehrwert.
Von Peter Schmidt
Bauernhof-Pädagogik, das kann sich rechnen. Mit solchen Angeboten lässt sich der Hof gut diversifizieren, also auf verschiedene wirtschaftliche Beine stellen. Und die pädagogischen Angebote haben einen ganz schlichten Vorteil: Der vorhandene Hof bietet den Rahmen, ohne ihn geht es nicht. Doch während die landwirtschaftliche Produktion teuer ist und oft nicht genügend einbringt, sind die Basiskosten bei den Erlebnisangeboten gering. Mensch muss arbeiten, ja. Aber Kosten fallen einerseits immer nur dann an, wenn auch Angebote durchgeführt werden. Da ist der Umsatz garantiert. Nicht wie bei den Kartoffeln, wo es sich bei einem Überangebot traurigerweise eventuell mehr rechnet, die Knollen wieder in den Boden einzuarbeiten. Da ist der Verlust gemacht – bei den Events ist das zunächst mal aus-geschlossen. Gearbeitet wird dann, wenn Kinder, Jugendliche, Erwachsene sich angemeldet haben und im besten Fall bereits per Vorkasse gezahlt haben.
Soweit, so verlockend. Aber dann doch nicht ganz so einfach, wie es sich liest. Erstens: Die Bedingungen auf dem Hof müssen schon passen. Aber da legt ja auch der Biokreis wert drauf – sauber, ordentlich, gute Haltungsbedingungen bei den Tieren – typisch bio(kreis) eben. Dazu noch ein Raum, in dem Veranstaltungen stattfinden können, sei es ein Besprechungsraum, ein Stall oder auch die Stallgasse … Halt ein Platz, wo auch Kinder toben können, wo Sitz- und Bastelecken eingerichtet werden können. Aber ehrlich gesagt – daran dürfte es auch bei den meisten Betrieben nicht scheitern.
Zweitens sind da die „formal-bürokratischen“ Voraussetzungen, die Pflicht sind. Da wären einerseits die Versicherungsfragen – denn immer mal wieder kann es ja geschehen, dass ein Gast gleich welchen Alterns sich die Schüppe vor den Kopf haut. Meist aber lässt sich dies über die Betriebshaftpflicht mit versichern. Wenn dann gleichzeitig Tiere in die pädagogische Arbeit eingebunden werden, dann kann das zuständige Veterinäramt einen Sachkundenachweis verlangen. Zum Schutz der Tiere. Wer da eine landwirtschaftliche Ausbildung hat, ist schon auf der sicheren Seite. Doch wenn die fehlt, dann braucht es einen entsprechenden Sachkundenachweis, den das Veterinäramt akzeptiert. Dieser Nachweis wird zumeist von den Personen verlangt, die auch die pädagogischen Arbeiten durchführen, also nicht von der Landwirtschaftsmeisterin, die auf dem Felde gerade ackert. Wer da Nachholbedarf hat – besser vorher absolvieren als später vom Amt angesprochen werden und nichts vorweisen können.
Gerne werden drei Standard-Angebote zuerst etabliert – neben den Kindergeburtstagen sind es der sogenannte Jahreskurs und die Angebote in den Ferien. Bei Kathy Rocholl auf dem Biokreis-Hof Rocholl in Solingen sind die Kindergeburtstage besonders beliebt und „schon bis 2027 bei uns gebucht.“ Dazu kommen dann auch die eher unverbindlichen thematischen Tagesangebote, Spieltage und auch die Eltern-Kind-Angebote. Zudem ist gerade in den Sommerferien der Druck bei den Eltern groß, den Kindern auch etwas bieten zu können. Und da sind „Ferien auf dem Bauernhof“ einfach eine gute Alternative. Das kann mensch dann auf die verschiedensten Weisen angehen – entweder werden nur einzelne Aktionstage angeboten oder gleich ganze Ferienwochen-Angebote. Wer Wochenangebote organisieren will, sollte dann aber auch ein wenig für Abwechslung sorgen können, wenn „auch die Zeit für freies Spiel nicht zu unterschätzen ist“, so Biokreis-Bauernhof-Pädagogin Susanne Schulte bei uns vom Klosterhof Bünghausen. Jahreskurse wiederum werden meist einmal monatlich angeboten (außerhalb der Ferien) und sind ein stabiles Zusatzeinkommen über das ganze Jahr. Wie in der Schule aber sollte auch dieses Angebot einen Jahres-Spannungsbogen haben, jeden Monat ein Thema. So lernen die Kinder und Jugendlichen echte Landwirtschaft, besser noch als im Ferienprogramm. Letztlich ist der Jahreslauf auf einem Hof immer spannend und interessant – von der Saat bis zur Ernte und zur Lagerung, vom Kalb bis zum „Almabtrieb“ bis in die Stallzeit. So spannend, dass bei Kathy Rocholl mittlerweile zwei Termine pro Monat angeboten werden.

Ein eher spezielles Angebot sind die sehr gerne gebuchten Kindergeburtstage. Sie können eine echte Herausforderung sein. Viele Eltern sind froh, dass die eigene Wohnung sauber bleibt. Das Geburtstagskind mag Bauernhof, aber all die anderen? Nicht unbedingt. Außerdem ist bei Kindergeburtstagen oft die Anspruchshaltung von Eltern und Kindern von Mal zu Mal sehr unterschiedlich. Da braucht es Feingefühl – und pädagogisches Geschick. Zudem blockieren die Geburtstage oft die Wochenenden, denn in der Woche, da wollen die Eltern oft nicht, haben die eingeladenen Kinder dann unterschiedlichstes eigenes Freizeitprogramm, also keine Zeit. Oft wünschen sich die Eltern eine Bewirtung – doch hier gilt: Vorsicht. Getränke, gerne flaschenweise, das geht. Doch der selbstgebackene Kuchen, der selbst zubereitete Salat – das kann zum Problem werden. Denn dazu braucht es eine vom Gesundheitsamt zugelassene Küche, auch ein Gesundheitszeugnis. Bewirtung gehorcht höheren Ansprüchen – gegen mitgebrachtes Essen dagegen ist üblicherweise nichts einzuwenden. Auch wenn es uns Bauersleut oft im Herzen wehtut, wenn Aldis Wurst bei uns auf den Tischen liegt … Aber besser so, als Unannehmlichkeiten mit dem Amt.
Bei allem aber gilt: Bitte nicht zu günstig. Recherchiert mensch im Internet, dann gibt es Jahreskurse glatt ab 80 Euro. Die Frage sei erlaubt: Mit welchem Stundenlohn rechnen solche Bäuerinnen und Bauern. Und: Ein Angebot dauert länger als die Zeit, in der die Kinder da sind, da sollte man auch die Vor- und Nachbereitung mit einkalkulieren. Dann wird aus einem drei-Stunden Angebot gleich mal ein sechsstündiger Arbeitstag. Erzieher verdienen je Stunde grob je nach Qualifikation und Region zwischen knapp 20 und 25 €, dazu kommen für uns Selbstständige noch die Arbeitgeberkosten wie auch die Mehrwertsteuer und eventuell Materialkosten, die Wolle zum Filzen ist ja nun auch etwas wert. Grob kalkuliert also bei einem 3-Stunden-Angebot könnte sich der notwendige Umsatz auf 200 Euro belaufen. Bei 10 Kindern wären dies also pro Kind 20 Euro, bei einer Gruppengröße von 15 Kindern 13 Euro pro Kind – ohne Material. Und wer kauft die Kinderschubkarren? Wer deckt das Minus ab, wenn die Gruppen mal nicht ausgebucht sind? Fazit: Eine saubere Kalkulation braucht es, ein dreistündiges Angebot unter 200 Euro plus X für den bäuerlichen Betrieb, das geht dann schon in Richtung Selbstausbeutung. Und die Erlebnispädagogik soll ja den Betrieb stärken, nicht schwächen.
Übrigens: Qualifikation schadet nicht – im Gegenteil, sie bringt auch was. Klar kann mensch auch einen Kindergeburtstag einfach mal so abspulen. Doch wer erfolgreicher sein will, vielleicht auch mal die Ferienangebote für Unternehmen aus der Region übernehmen will, für den oder die lohnt sich eine zertifizierte Weiterbildung. Bauernhof-Erlebnis-Pädagogik-Kurse, die gibt es von den Landwirtschaftskammern oder auch bei anderen Trägern in Kooperation mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof e.V. (BAGLoB). In Bayern beispielsweise gibt es kein entsprechend spezialisiertes Angebot, dafür aber andere Möglichkeiten. Außerdem: Ein paar Tage darf mensch sich auch außerhalb des eigenen Bundeslandes weiterbildend aufhalten.
Der Autor Peter Schmidt ist Ökolandwirt und Vorstand des
Biokreis Erzeugerring NRW und Niedersachsen e.V.