Mein Weg in den Ökolandbau – und warum es nicht den einen Richtigen gibt

Von Gastautor:in | Gepostet am 19.02.2026

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Wenn man mich heute fragt, ob mein Weg in den Ökolandbau von Anfang an so geplant war, muss ich schmunzeln. Spoiler: war er nicht. Aber genau das macht ihn vielleicht ganz passend für diesen Artikel.

Ich bin 23 Jahre alt, komme aus Bayern, bin gelernte Landwirtin und stehe kurz vor dem Abschluss meines Landwirtschaftsstudiums mit ökologischem Schwerpunkt in Weihenstephan. Seit März 2025 engagiere ich mich außerdem als Verbrauchervorstand beim Biokreis e.V.. Mein Einstieg in die Landwirtschaft war dabei alles andere als geradlinig.

Nach meinem Realschulabschluss zog es mich erst einmal in die Ferne: Ein Auslandsjahr in den USA, High School, Gastfamilie – neue Perspektiven inklusive. Zurück in Deutschland folgte das Fachabitur an einer Fachoberschule für Sozialwesen. Landwirtschaft? War damals noch kein fester Plan. Erst während der Corona-Zeit, als ich viel auf einem Milchviehbetrieb mitarbeitete, änderte sich das. Plötzlich wollte ich nicht nur mithelfen, sondern verstehen:

Karla Schweisfurth. Bild: privat

Bei meiner Suche nach Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten stieß ich auf das duale Studium der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Ein echtes Kombipaket: In 4,5 Jahren sowohl die Ausbildung zur Landwirtin als auch den Bachelorabschluss. Das Studium startet mit einem kompletten Praxisjahr, bevor nach 15 Monaten die Theorie dazukommt. Berufsschule und Praxisphasen sind über die gesamte
Ausbildungszeit verteilt – Lernen mit Stallgeruch, im besten Sinne.

Mein erstes Jahr und die folgenden Semesterferien verbrachte ich auf einem Bio-Milchviehbetrieb bei Landsberg am Lech, getragen von der Regens-Wagner-Stiftung. Dort arbeiten Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen selbstverständlich in der Landwirtschaft mit – eine Erfahrung, die fachlich wie menschlich geprägt hat.

Nach dem zweiten Semester ging es für mich ins Ausland: Sechs Wochen Mitarbeit auf einer Organic Farm in Kanada, dazu zwei Wochen Reisen. Rinder, Schweine, Schafe, 100 % Direktvermarktung – verkauft wurde tiefgefroren direkt aus dem Autoanhänger. Eine intensive Zeit, die mir bis heute zeigt, wie vielfältig Ökolandbau weltweit gelebt wird.

Das Praxissemester führte mich anschließend auf einen Bio-Schweine- und Ackerbaubetrieb im Raum Kelheim. Nach viel Milchvieh wollte ich bewusst neue Schwerpunkte setzen – und landete bei einem echten Pionierbetrieb im ökologischen Ackerbau. Lernen durch Mitmachen, jeden Tag.

Nach dem Praxissemester schließt man die Ausbildung mit der staatlichen Prüfung zur Landwirtin ab. Im Studium wählte ich anschließend den ökologischen Schwerpunkt – für mich die logische Entscheidung. Kreislaufwirtschaft, Tierhaltung, Ackerbau, Ökonomie: Im Ökolandbau gehört alles zusammen. Besonders wertvoll war die Analyse eines realen Betriebs inklusive Zukunftskonzept – beste Vorbereitung für Beratung, Verbandsarbeit oder betriebliche Weiterentwicklung. Im März 2026 werde ich mein
Studium abschließen.

In Bayern kann man zum Beispiel auch nach der Realschule direkt mit einer landwirtschaftlichen Ausbildung starten. Über die BOS Agrar, etwa in Landshut, lässt sich anschließend das Fachabitur nachholen, um später zu studieren. Wer studieren möchte, findet neben Weihenstephan auch an anderen Standorten gute Angebote: Für den ökologischen Landbau sind vor allem Witzenhausen und Eberswalde bekannt, aber auch weitere Hochschulen bieten spannende Schwerpunkte.

Nicht weniger wertvoll sind jedoch die Wege ohne klassisches Studium. Nach der Berufsausbildung
eröffnen Fach- und Meisterschulen vielfältige Perspektiven. Die Öko-Meisterschule in Landshut genießt einen sehr guten Ruf, ebenso die Freie Landbauschule Bodensee oder die Landbauschule Dottenfelderhof in Hessen. Auch die Fachschule für ökologischen Landbau in Kleve ist eine hervorragende Adresse, um sich praxisnah weiterzubilden und fachlich zu vertiefen.

Bilder: privat

Ein weiterer spannender Weg ist die Technikerschule. Staatlich geprüfte Agrartechniker:innen sind gefragt – besonders im Ökobereich, wo Fachwissen, Praxisnähe und Organisationsgeschick zusammenkommen müssen. Ob Betriebsleitung, Versuchswesen, Beratung oder Projektarbeit: Der Technikerabschluss eröffnet viele Türen und ist eine starke Alternative zum Studium.

Und was kommt danach? Mit einer Ausbildung oder Weiterbildung im ökologischen Landbau ist man heute erstaunlich flexibel. Neben der klassischen Tätigkeit als Ökolandwirtin oder Tierwirtin gibt es Berufe, die man vielleicht nicht sofort mit Landwirtschaft verbindet: Agrarberaterin für Öko-Betriebe, Mitarbeiterin in Bio-Verbänden, Qualitätsmanagement in der Lebensmittelverarbeitung, Saatgutvermehrung, Projektarbeit im Umwelt- und Gewässerschutz oder Tätigkeiten in Forschung und Versuchswesen.

Auch Themen wie Direktvermarktung, regionale Wertschöpfung, Agrarjournalismus, Bildungsarbeit, Klimaanpassung oder Digitalisierung in der Landwirtschaft bieten zukunftssichere Arbeitsfelder. Viele dieser Berufe lassen sich flexibel gestalten, kombinieren Büro und Praxis oder ermöglichen später auch Teilzeit- oder Projektarbeit.

Es gibt nicht den einen richtigen Einstieg – aber viele gute Möglichkeiten. Wichtig ist, neugierig zu bleiben, Chancen zu nutzen und sich nicht davor zu scheuen, auch mal einen Umweg zu gehen.

Die Autorin Karla Schweisfurth ist Vorstandsmitglied
in Vertretung für die Verbraucherschaft im Biokreis e.V.

Gastautor:in