Imkerei auf Social Media – Zwischen Honigglas und Hashtag

Landwirtschaft und Social Media – das klingt auf den ersten Blick nach zwei Welten, die wenig miteinander zu tun haben. Doch immer mehr Landwirt:innen nutzen digitale Plattformen, um ihre Arbeit sichtbar zu machen, Menschen mitzunehmen und neue Wege der Vermarktung zu gehen. Einer von ihnen ist Marcel Willared von der Bio-Imkerei Willared aus Hardheim im Odenwald. Der 25-jährige Berufsimker und Mitglied im Biokreis e. V. nutzt Social Media gezielt, um seine Imkerei und ihre Produkte bekannt zu machen und direkt mit Kund:innen in Kontakt zu treten.
Die Bio-Imkerei Willared besteht seit über zehn Jahren und hat sich von einer Nebenerwerbsimkerei zu einer professionellen Bio-Berufsimkerei entwickelt. Neben klassischen Sortenhonigen entstehen Honigspezialitäten, Bienenwachskerzen und weitere Produkte, die vor allem über Direktvermarktung und den eigenen Online-Shop vertrieben werden. Gearbeitet wird mit Fokus auf eine ökologische, regionale und artgerechte Betriebsweise nach Biokreis-Richtlinien.
Warum Social Media?
Für Marcel ist Social Media kein Hobby, sondern ein wichtiges Werkzeug für den Betrieb. Ausschlaggebend war der Aufbau des Online-Shops. „Ich kann nicht zeitlich unbegrenzt auf Märkten präsent sein, um unseren Honig persönlich zu verkaufen. Social Media hilft mir, dort sichtbar zu sein, wo Kund:innen leben und einkaufen“, erklärt er. Ein positiver Nebeneffekt: Über Instagram wurden Zeitungen und Magazine auf die Imkerei aufmerksam, was sich direkt in höheren Verkaufszahlen zeigte.
Welche Plattformen funktionieren?
Instagram hat sich als wichtigste Plattform erwiesen. Hier lasse sich die Arbeit authentisch zeigen und die Zielgruppe gut erreichen. Zusätzlich wurde mit TikTok begonnen. Die Reichweiten seien vielversprechend, erforderten jedoch eine hohe Veröffentlichungsfrequenz – etwas, das im Arbeitsalltag einer Imkerei nicht immer möglich ist.
Was bringt Social Media konkret?
Die Ergebnisse sind deutlich: 2025 stieg der Umsatz im Online-Shop im Vergleich zum Vorjahr um rund 20 Prozent. Auf Instagram hat sich die Followerzahl
nahezu verdoppelt, auf TikTok konnten über 1.000 Follower:innen gewonnen werden. Trotz des zeitlichen Aufwands überrascht Marcel vor allem, wie viel Freude ihm die Arbeit mit Social Media bereitet.
Ein Blick über den Betrieb hinaus
Der Einstieg war nicht einfach – von Technikfragen bis hin zu rechtlichen Vorgaben. Seine wichtigste Erkenntnis: „Social Media ist ein Marathon und kein Sprint.“ Reichweite entstehe selten über Nacht.
Gerade darin zeigt sich das Potenzial sozialer Netzwerke für die Landwirtschaft. Sie machen Arbeitsalltag sichtbar, erklären Zusammenhänge und schaffen Nähe zu Menschen, die sonst kaum Berührungspunkte mit der Landwirtschaft haben. Authentische Einblicke bauen Vertrauen auf – und machen ökologische Landwirtschaft greifbar.
