Mit der Zeitungsanzeige zur Hofübernahme

Zwischen zwei Terminen reden Thorsten und ich über die Arbeit. Irgendwann auch über diese eine Zeitungsanzeige, die sein Leben ziemlich gründlich umsortiert hat.
Mein Interesse an Landwirtschaft war schon als Kind da. Ich war bei den Betrieben im Dorf unterwegs und habe überall geholfen.
Trotzdem bist du gelernter Metzger, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.
Genau. Wir hatten einen Betrieb zu Hause, ich hab die Lehre im Sauerland gemacht und später den Meister daheim. Aber den elterlichen Betrieb habe ich nicht übernommen – das war ein klassischer Generationskonflikt. Ich wollte mit knapp 30 Jahren mehr Verantwortung und meine Eltern wollten noch nicht abgeben. Also bin ich auf landwirtschaftliche Betriebe gegangen und hab gejobbt, einfach weil mir Landwirtschaft Spaß gemacht hat.
Und da kam der Wunsch nach einem eigenen Hof auf?
Nicht sofort. Zufällig erfuhr ich von einem Quereinstieg in die landwirtschaftliche Ausbildung – kurz, intensiv, Abschluss. Danach hab ich überlegt: weiter jobben oder selbstständig machen? Ich habe eine Anzeige in der Top Agrar geschaltet: „Gelernter Landwirt und Fleischermeister sucht Hof zur Übernahme.“
Offenbar mit Erfolg – wie waren die ersten Reaktionen?
Nach drei Wochen hatte ich einen Umzugskarton voller Post. Und darin einen karierten Zettel von Helga Block. Ich rief direkt an, am nächsten Morgen sprach ich mit ihrem Mann Fritz. Anderthalb Stunden – nicht über Hektar oder Tiere, sondern über Menschen, Motive, Vertrauen. Als wir auflegten, dachte ich: Das ist der Hof. Und Fritz sagte zu Helga: „Ich habe gerade mit unserem Hofnachfolger gesprochen.“ Ich kam für drei Wochen, lebte mit am Tisch, arbeitete mit – und fuhr nur noch einmal heim, um Sachen zu packen.
Aus den drei Wochen wurde also ein für immer. Aber wie funktionierte die Übergabe ohne Verwandtschaftsgrad?
Genau. Also haben wir über eine Erwachsenenadoption gesprochen. Zwei Jahre lang haben wir gemeinsam am Hof gearbeitet. Der Vertrag lag fertig da, wir hätten nur noch zum Notar gemusst. Aber keiner hatte Druck. Dann hatte Fritz Geburtstag. Einen Tag vorher lernte ich Meike kennen, die zweite Tochter. Sie kam eigentlich nur zu Besuch, da sie damals auf Mallorca wohnte. Sie fragte mich, ob ich Thorsten bin. Ich wusste nicht mal, wer sie ist. Dann war erst mal Schweigen. Aus ihrem Besuch „kurz zum Geburtstag“ wurden zwei Wochen. Aus zwei Wochen mehrere Monate. Als Fritz irgendwann sagte, wir müssten jetzt endlich unterschreiben, sagte ich flapsig zu ihm: „Du, Fritz, das machen wir anders.“ Danach war erst mal betretenes Schweigen.
Alle dachten du springst doch noch ab.
Ja mein Foppen kam an der Stelle nicht so gut an. Am nächsten Tag musste ich natürlich Rede und Antwort stehen und hab ihnen gesagt, dass aus der Adoption nichts wird. Meike und ich hatten uns verliebt, wollten heiraten und den Hof auf eine andere Art und Weise übernehmen. Gesagt-getan. Wir haben geheiratet, ich hab den Namen an- und wir den Hof gemeinsam übernommen.
Und jetzt wächst schon die nächste Generation rein.
Ja, wir haben vier Kinder, aber da gibt es noch keine Weichenstellungen. Wer und wie am Hof einsteigt oder was macht, wir sind da völlig, völlig entspannt. Der Hof ist mittlerweile mit Tierzucht, Direktvermarktung, Ackerbau und Biogas breit genug aufgestellt, um allen die Möglichkeit des Einstiegs zu geben.
