Hofnachfolge andersherum: Von der Qual, die Richtigen zu finden

Peter Schmidt vom Biokreis-Betrieb Klosterhof Bünghausen auf der Weide
Zur jeder Hofnachfolge gehören zwei – die Übernehmenden und die Übergebenden. Dass man als Übergebende Humor mitbringen muss und auch ein ordentlich Maß an Geduld, das erleben wir gerade. Wir, das sind Susanne und Peter – und wir haben uns entschlossen: Der Betrieb wird weiter gehen, aber es gibt eine externe Hofnachfolge. Schließlich kann man keinen aus der Familie auf den Hof zwingen, soll man auch nicht, denn das ginge eh schief.
Die Entscheidung zu Gunsten der externen Hofnachfolge, die fiel eigentlich schon vor Jahren. Doch jetzt wird es konkret, denn mit der Suche haben wir vor rund 1,5 Jahren angefangen. Nach gründlicher Vorbereitung, denn auch die eigene Seele muss da mitgehen. Die hat es nun auch verstanden – nur durch eine externe Hofnachfolge wird es den Klosterhof Bünghausen weiter geben. Anders wahrscheinlich als jetzt, aber es wird weitergehen.
Nach einiger gedanklicher Vorarbeit entschieden wir uns dann, ganz schlicht in einer Hofbörse einen hoffentlich verlockenden Text zu veröffentlichen. Wohl wissend, dass wir Zeit haben und keinen Stress. Denn irgendwie ist ja klar: So einen Hof, den gibt mensch nicht mal eben weiter. Auch wir wollen ja, dass es weiter ein Bio-Hof bleibt, kein reiner Pferdebetrieb wird …
Interesse gibt es, das sei deutlich gesagt. Seriöse Interessent:innen sind genauso dabei wie Menschen mit durchaus abenteuerlichen Vorstellungen. Oder einfach Menschen, die sich überlegen, ihren Traum zu leben.
Zum Beispiel: Da war dann die junge Familie, völlig begeistert vom Urlaub auf dem Bauernhof. Ja, so ein Leben, das wäre toll. Doch schon ein Besuch auf unserem Hoffest und ein paar Gespräche zeigten ihnen, dass der Beruf des Bauern nicht nur aus dem schönen Kühefüttern besteht, sondern dass da weit mehr dran hängt. Nun ja, diese Familie zählt sich mittlerweile zu unserer Kundschaft. Auch ein positiver Effekt.
Da war dann aber auch das Pärchen, so in den 30igern, das uns mit einem wundervollen Vorschlag versuchte zu überzeugen. Viel Geld habe man zwar nicht, aber wenn wir mal pflegebedürftig wären, dann würde uns geholfen. Susanne und ich lächelten uns an: Wenn wir in 30 Jahren dann mal wirklich pflegebedürftig würden, dann wären die zwei Pachtenden schon weg und hätten uns den dann möglicherweise verranzten Hof wieder überlassen.
Solche Beispiele gibt es einige. Da könnten wir mittlerweile Bücher drüber schreiben – und wenn alles
geschafft ist, dann werden wir das sicherlich auch tun. Bis dahin sammeln wir noch.
Solche Interessent:innen sind gemeint, wenn es heißt, dass es Toleranz und Humor braucht. Doch immer mal wieder melden sich auch richtig gute und interessante Menschen. Gleich am Anfang waren da studierte Agrarier vom Öko-Studiengang in Witzenhausen (Universität Kassel). Wir hatten gute Gespräche, waren uns auch sympathisch. Trotzdem ist daraus nichts geworden – denn die zwei hatten Vorstellungen, die sich bei uns – leider – nicht realisieren ließen. Fläche beispielsweise ließ sich nicht mal eben vermehren … 25 Hektar sind es aktuell, Potenzial für mehr ist vorhanden, aber eben nicht kurzfristig. So kamen wir dann nicht zusammen. Was aber auch völlig in Ordnung ist, denn die zwei können weiter in Ruhe nach ihrem Traumhof schauen – und wir haben ein Feedback erhalten, das uns letztlich bestärkt hat, genau diesen Weg weiter zu gehen.
Dann kam – nennen wir ihn – Karl. Karl hatte gute Ideen, brachte neue Möglichkeiten der Vermarktung ins Spiel. Ein Hobbykoch, der schon daheim mit Schafen und Schweinen gearbeitet hat. Und der endlich den eigenen Hof bewirtschaften wollte. Kein gelernter Landwirt, aber einer, der wusste, worum es geht. Das hatte Perspektive, da waren Susanne und ich uns einig. Er auch. Er hatte sich sogar schon um den Bau eines Hauses für sich gekümmert, es wurde richtig konkret. So saßen wir tatsächlich schon beim ersten Bank-Gespräch, um die Finanzierung zu besprechen. Denn verschenken können und wollen wir den sorgfältig aufgebauten Klosterhof ja nun nicht. Kern seiner Finanzierung aber war der finanzielle familiäre Grundstock, der durch den Verkauf des elterlichen Hauses erbracht werden sollte. Da aber musste die Mutter mit einverstanden sein – und die hat dann die bereits erbrachte Zusage wieder zurückgenommen. Für Karl brach damit so einiges zusammen, er hatte die ersten Kontakte daheim abgebrochen, Flächen gekündigt, konnte aber zum Glück weiter bei seiner Firma arbeiten – obwohl er seinen Ausstieg schon verkündet hatte.
Als Abgebender lernt man so bei jedem Versuch mehr – zum Beispiel, dass man solch eine Hofübergabe wahrscheinlich nicht mit jeder Bank durchziehen kann. Es ist halt etwas anderes als der Verkauf einer gewerblichen Immobilie.
Das übrigens bestätigt auch die Beraterin der Landwirtschaftskammer, die uns seit Gründung unseres Betriebes begleitet. Unser Betrieb sei doch sehr geprägt von uns, von Susanne und Peter. Und von dem Herzblut, das drin steckt. Das birgt Chancen für Nachfolgende, denn laut unserer Steuerberatung steht der Hof gut da, schuldenfrei, immer weiter nach vorn
investiert … Das könne sich sehen lassen.
Was es aber zu einer Übergabe eben auch braucht, das ist eine gute Kommunikation. So hatten wir hier auch ein Pärchen auf dem Hof, mit dem wir die ersten Schritte zur Hofübergabe gingen – doch dann zweigte die studierte Agraringenieurin vom gemeinsamen Weg ab, ließ sich – irgendwo – extern beraten. Und dann passierte, was passieren musste – zum Glück, wie wir heute sagen. Denn die Beiden zogen sich zurück, die Externen hätten gesagt, der Betrieb sei nicht zukunftsfähig, und außerdem sehe man nicht das Potenzial, anderen „Marktanteile abzunehmen“. So aber funktioniert Landwirtschaft tatsächlich nicht bei uns im Bergischen – denn wir direktvermarktenden Betriebe jagen uns hier keine Marktanteile ab, sondern kooperieren, soweit es irgend geht.
Naja, und dann kamen zwischendurch noch die, die kein Geld hatten, aber gleich für 1,5 Millionen (grob kalkuliert) eine tolle Pferdeanlage bauen wollten (wollen wir nicht, es soll schon eine echte Bio-Landwirtschaft bleiben). Und die, die hier am liebsten ein Bauernhof-Café errichtet hätten (was leider das Baurecht nicht hergibt, die Idee hatten wir auch schon). Bald jede Woche meldet sich wer, wir gehen damit immer freundlich um und informieren. So kam denn auch die junge Familie aus NRW zu uns. Wir haben uns gleich richtig gut verstanden. Ja, die Chemie muss halt doch irgendwie stimmen. Auch wir waren schon gemeinsam (!) bei der Bank, packen die Herausforderungen gemeinsam an und haben alle gemeinsam ein gutes Gefühl. Klar, noch kann alles scheitern. Aber es kann auch klappen. Aber genau darum haben wir ja – hoffentlich – früh genug angefangen. Wir müssen nicht sofort abgeben, aber wir können. Und ja, der Hof wird sich verändern. Aber – welche Freude – das Rote Höhenvieh darf bleiben, unsere Pferde wären dann „Einsteller“ … Wenn es klappt. Und das gilt eben auch: Neben Toleranz und Geduld gehört auch Optimismus dazu und Kampfeswille … Denn die Übergabe, das ist die letzte große Aufgabe für Landwirt:innen. Damit der Hof weitergeht …
Nachsatz: Klar, auch das kann noch schiefgehen – aber auch dann würde es weitergehen. Denn das Interesse auch gut ausgebildeter junger Menschen ist da. Aber jetzt setzen wir voll auf die junge Familie, mit der wir die Schritte gemeinsam gehen.
Der Autor Peter Schmidt ist Ökolandwirt und Vorstand des
Biokreis Erzeugerring NRW und Niedersachsen e.V.