Wo Inklusion auf Bienen trifft

Bild: Noris Inklusion
Bei einem Inklusionsbetrieb der Stadt Nürnberg spielt die Imkerei eine wichtige Rolle
Mitten in Nürnberg summt es nicht nur für die Natur, sondern auch für die Inklusion. Beim Biokreis-Betrieb Noris Inklusion, einer Tochtergesellschaft der Stadt Nürnberg, gehört die Imkerei zu den ganz besonderen Arbeitsbereichen, in denen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung sinnstiftende und verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen. Was dabei entsteht, ist weit mehr als Honig: Es geht um Teilhabe, Verantwortung und die unmittelbare Begegnung mit Natur und Mensch.
Die Imkerei ist nur ein Teil eines vielfältigen Arbeitsangebotes. In der Natur-Erlebnis-Gärtnerei kümmern sich die Beschäftigten um städtische Grünanlagen und bauen in den eigenen Gewächshäusern Bio-Kräuter an. Beim Projekt Rent-A-Huhn betreuen sie Hühner und in Kooperation mit dem Tiergarten Nürnberg wird eine Herde der vom Aussterben bedrohten Rotkopfschafe gehalten.
Dazu gibt es einen integrativen Kindergarten, ein Wohnheim und den Marktplatz am Marienberg, auf dem eigene Töpfereiwaren und Produkte anderer Werkstätten und Sozialeinrichtungen angeboten werden. Das Café »Tante Noris am See« ist inzwischen ein beliebter Treffpunkt, um ein wenig die Seele baumeln zu lassen.
Die Natur-Erlebnis-Gärtnerei versteht sich als Ort Ökologischer Bildung und Nachhaltigkeit, in der auch Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung, in alltäglichen Abläufen mittendrin und dabei sind. Die Gärtnerei steht dabei in engem Austausch mit der Stadtgesellschaft. So bietet das gemeinnützige Berliner Unternehmen Stadtbienen auf dem Gelände Kurse für angehende Imkerinnen und Imker an.
In dieses bunte Miteinander und Füreinander fügt sich die Imkerei ganz von selbst ein und bringt eine besondere Herausforderung mit: Bienen sind lebendige, sensible Tiere, die Aufmerksamkeit, Ruhe und Erfahrung verlangen.
In der Imkerei übernehmen die Beschäftigten unterschiedliche Aufgaben und bringen dabei ihre individuellen Fähigkeiten mit ein: Bienenvölker werden beobachtet und gepflegt, Beuten kontrolliert und Honigwaben bearbeitet. Dazu gehören praktische Tätigkeiten wie Zuckerwasser ansetzen, Waben entdeckeln und Honig schleudern. Die Mitarbeitenden erleben unmittelbar den Rhythmus eines Bienenjahres und übernehmen Verantwortung für diese wichtigen Tiere. Dabei entwickeln sie Fachwissen und Routine in einem Bereich, dem viele Menschen mit gehörigem Respekt gegenüberstehen.
Diese besondere Kompetenz kommt auch bei der Dienstleistung »Flotte Biene« zum Tragen. Andere Imkereien können ihre Honigwaben zum Schleudern und Abfüllen anliefern oder weitere Arbeiten rund um die Honigverarbeitung in Auftrag geben.
Vielleicht liegt genau darin die besondere Stärke dieser Imkerei: Bienen fragen nicht, wer ihnen gegenübersteht. Sie brauchen Aufmerksamkeit, Erfahrung, Ruhe und ein gutes Zusammenspiel. Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten können dabei gemeinsam etwas Wertvolles schaffen.
Am Ende steht ein Produkt, das diese Geschichte in sich trägt: Nürnberger Bio-Honig aus einer Imkerei, in der ökologische Verantwortung und gelebte Inklusion zusammengehören.
Weitere Informationen: www.noris-inklusion.de
von Marc Schüller, Biokreis-Imkereiberater Süd