Wo die wilden Bienen wohnen

Die Glockenblumen-Sandbiene
(Andrena pandellei) sammelt Pollen
ausschließlich an Glockenblumen.
IhreNester gräbt sie, wie die meisten
heimischen Wildbienenarten, selbst
inden Boden. Bild: Volker Fockenberg
Wie die Honigbiene erfüllt auch die Wildbiene wichtige Aufgaben in Ökosystemen. Rund die Hälfte der wilden Bienenarten stehen auf der Roten Liste und gelten als bedroht. Nisthilfen tragen dazu bei, Wildbienen zu schützen – wenn man es richtig macht, auch im heimischen Garten. Der Wildbienen-Experte Volker Fockenberg gibt Tipps
Wer Wildbienen im Garten helfen möchte, denkt häufig zuerst an ein »Insektenhotel« mit Bambusröhrchen, Bohrungen in Hartholz oder Niststeinen aus gebranntem Ton. Solche Nisthilfen sind durchaus sinnvoll und werden meist schnell besiedelt.
Die meisten der über 600 in Deutschland vorkommenden Wildbienenarten nutzen aber keine fertigen Hohlräume. Sie graben ihre Nester selbst im Boden oder in Steilwänden, nagen Gänge in morsches Holz oder nutzen das Mark von Pflanzenstängeln. Wer im Garten unterschiedliche Nistmöglichkeiten schafft, kann deshalb wesentlich mehr Arten fördern.
Kleine Steilwände für grabende Arten
Natürliche Abbruchkanten, Steilufer und lehmige Böschungen sind in unserer heutigen Landschaft selten geworden. Dabei gibt es eine ganze Reihe von Wildbienen und solitären Wespen, die ihre Nester selbst in solche senkrechten Flächen graben.

Im Garten lassen sich entsprechende Strukturen mit überschaubarem Aufwand nachbilden. Eine kleine Steilwand kann beispielsweise in einen stabilen Holzkasten gebaut werden. Entscheidend ist ein grabfähiges Sand-Lehm-Gemisch, das ausreichend fest ist, damit die angelegten Niströhren nicht zusammenbrechen.
Der größte Teil der Wildbienen nistet im Boden
Besonders wichtig für Boden-Nister sind offene Bodenstellen. In vielen Gärten findet sich kaum noch ungestörter offener Boden: Flächen sind dicht bepflanzt, gemulcht, mit Rasen bedeckt oder versiegelt. Schon sonnige, nur schütter bewachsene Bodenstellen zwischen Stauden, entlang von Wegen oder an Böschungen, können wertvolle Nistplätze bieten. Entscheidend ist, solche Bereiche über längere Zeit in Ruhe zu lassen. Regelmäßiges Hacken oder Umgraben würde vorhandene Nester zerstören. Auch unbefestigte Wege und sogar gepflasterte Flächen auf sandigem Untergrund sind oft ein wertvoller Nistplatz für Wildbienen, wenn unterhalb des Pflasters kein Schotter oder Splitt eingebracht wurde und die Fugen nicht zu eng sind.
Wo ausreichend Platz vorhanden ist, kann auch ein sogenanntes Sandarium angelegt werden, eine etwa 50 cm tiefe Sandfläche.

Markhaltige Stängel – eine oft vergessene Nisthilfe
Eine besonders einfache Nistmöglichkeit lässt sich mit abgestorbenen markhaltigen Pflanzenstängeln schaffen. Einige Wildbienenarten nagen ihre Niströhren selbst in das weiche Pflanzenmark. Geeignet sind beispielsweise Brombeeren, Himbeeren, Rosen, Königskerzen, Holunder oder Beifuß. Besonders gut werden Brombeerstängel angenommen.
Markhaltige Stängel sollten nicht gebündelt angeboten werden. Dies entspricht nicht dem Suchverhalten der darauf spezialisierten Arten. Besser ist es, etwa 60 Zentimeter lange Stücke einzeln und senkrecht oder leicht geneigt an einem sonnigen Platz zu befestigen – beispielsweise an einem Zaun oder angebunden an Stäben.
Nistplatz und Nahrung gehören zusammen
Ein geeigneter Nistplatz allein reicht allerdings nicht aus. Wildbienen benötigen während ihrer Flugzeit ein ausreichendes Angebot geeigneter Blütenpflanzen. Besonders wertvoll sind heimische Wildpflanzen, denn einige Wildbienen sind beim Pollensammeln hoch spezialisiert und auf bestimmte Pflanzenarten angewiesen. Ein wildbienenfreundlicher Garten sollte natürliche Strukturen zulassen oder gezielt nachbilden und dazu ein vielfältiges Blütenangebot bieten. Dann lassen sich Wildbienen schon bald unmittelbar im eigenen Garten beobachten. So sind im Garten des Verfassers bislang 76 Wildbienenarten nachgewiesen.

Weitere Informationen: www.wildbiene.com/nisthilfen
von Volker Fockenberg, Wildbienen-Experte