Wer Dinge anders als der Mainstream macht, braucht Zutrauen und Durchhaltevermögen

Von Gastautor:in | Gepostet am 23.07.2026

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Drei Fragen an Dr. Franz Ehrnsperger

Franz, was hat Dich angetrieben, mit Bio einen eigenen Weg zu gehen?

Die Liebe zu guten Lebensmitteln. Ursprünglich ging es mir darum, die besten Rohstoffe für unser Bier zu finden. Die fand ich im damals von vielen noch sehr belächelten ökologischen Landbau. Der Austausch mit den ersten Bio-Bäuerinnen und -Bauern hat mich dann so sehr begeistert, dass ich die im Ökolandbau gelebten Prinzipien konsequent auf unsere heute fast 400 Jahre alte Familienbrauerei übertragen habe. Der Rest ist Geschichte: Wir haben Mitte der 1980er Jahre das ökologische Reinheitsgebot für Bier ausgerufen, Erzeugergemeinschaften für Braurohstoffe gegründet, Lammsbräu anschließend zum 100 Prozent Bio-Unternehmen gemacht und immer mehr Menschen auf unserem ungewöhnlichen Weg abseits der üblichen Trampelpfade mitgenommen.

Was heißt für Dich nachhaltiges Unternehmertum?

Abseits von akademischen Definitionen kann man das schon an ganz Grundsätzlichem festmachen: Jede Unternehmerin und jeder Unternehmer sollte sich regelmäßig die Frage stellen, ob sein unternehmerisches Handeln wirklich notwendig ist. Und zwar im eigentlichen Wortsinn: Hilft mein Unternehmen dabei, Not zu wenden? Anders ausgedrückt: Hat mein Handeln eine positive Wirkung auf die Welt in der wir alle gemeinsam leben? Trägt es dazu bei, dass auch unsere Enkelinnen und Enkel noch eine gute Zukunft haben? Wenn die ehrliche Antwort darauf »ja« lautet, ist man in die richtige Richtung unterwegs und sollte weitermachen – wenn nicht, dann nicht. Dieselben Fragen kann man sich übrigens auch dann stellen, wenn man gar kein Unternehmen hat. Auch als Konsumentin oder Konsument am Ladenregal. Man muss sich nur trauen und die Antworten ernst nehmen. Man kann so viel Positives erreichen.

Was möchtest Du der nächsten Generation von Bio-Akteur:innen mit auf den Weg geben?

Wer Dinge anders als der Mainstream macht, braucht Zutrauen und Durchhaltevermögen. Zuerst wird man in der Regel nämlich belächelt und kritisiert. Wenn man dann erfolgreich ist, kommen die Neider und Nachmacher. Davon sollte man sich nicht beirren lassen, egal ob on- oder offline und unabhängig davon, wie hart sich das im Moment auch anfühlen mag. Gleichzeitig sollte man sich von solchen Dynamiken dennoch nicht davon abhalten lassen, offene Worte, Rat und Vernetzung mit anderen zu suchen. Wer komplett »auf Durchzug« schaltet, kann sich nämlich nicht weiterentwickeln. Wir Bio-Aktivistinnen und -Aktivisten ziehen unsere Stärke schon immer aus der Zusammenarbeit abseits der reinen Marktlogik der konventionellen Akteure. Dieses besondere Miteinander hat uns und unsere Anliegen stark gemacht. Und das sollten wir bewahren, denn die besten Ideen entstehen immer noch im Austausch, und den Weg zu einer enkeltauglichen Zukunft kann man nur gemeinsam gehen.

Dr. Franz Ehrnsperger ist Gründer der Qualitätsgemeinschaft
Bio-Mineralwasser e.V. und Seniorchef der Neumarkter Lammsbräu.

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