Vom Acker bis ins Glas: Nachhaltigkeit gelingt nur gemeinsam

Landwirt Richard Götz (li.) auf dem Feld mit Johannes Ehrnsperger von der Neumarkter Lammsbräu
Gastbeitrag von Johannes Ehrnsperger, Inhaber und Geschäftsführer der Neumarkter Lammsbräu
Wenn ich heute durch unsere Brauerei in Neumarkt in der Oberpfalz gehe, sehe ich weit mehr als einen Sudkessel oder Gärtanks. Ich sehe die Arbeit von mittlerweile sieben Generationen einer Familie, die sich leidenschaftlich ehrlichem Handwerk und bester Qualität verschrieben hat. Und ich sehe den großen Einsatz von rund 140 engagierten Mitarbeiter:innen und über 160 heimischen Bio-Landwirt:innen, ohne die in unseren Flaschen gähnende Leere herrschen würde. Als mein Vater, Dr. Franz Ehrnsperger, in den 1980er Jahren damit begann, unsere fast 400 Jahre alte Familienbrauerei Neumarkter Lammsbräu konsequent auf eine 100 Prozent ökologische Wirtschaftsweise umzustellen, wurde er von vielen in der Bier-Branche noch belächelt. Lebensmittel aus ökologischem Anbau galten damals als spleenig, dass jemand gar Bio-Bier brauen wollte, war in der konservativen Braubranche fast unvorstellbar. Heute wissen wir: Es war der einzig richtige Weg, um traditionelle Braukunst ganzheitlich zukunftsfähig zu machen und gleichzeitig unsere Lebensgrundlagen für die kommenden Generationen zu bewahren. Diese Historie verpflichtet. Sie ist das Fundament, auf dem wir heute stehen, und der Kompass für alles, was wir tun.
Nachhaltigkeit ist für uns bei Neumarkter Lammsbräu kein Marketingbegriff, den man nach Bedarf auf ein Etikett druckt. Sie ist das Ergebnis gelebter Beziehungen. Bier ist ein Naturprodukt. Seine Qualität entscheidet sich nicht nur im Gärkeller, sondern auch Monate vorher auf dem Feld. Aus dieser tiefen Überzeugung heraus haben wir seit Jahrzehnten eine Nähe zur heimischen Landwirtschaft kultiviert, die in unserer Branche heute leider selten geworden ist. Wir kaufen unsere Rohstoffe nicht anonym auf dem Weltmarkt oder über Zwischenhändler:innen ein. Wir kennen die Menschen, die unsere Bio-Braugerste und unseren Bio-Hopfen anbauen, beim Namen. Organisiert in unserer eigenen Erzeugergemeinschaft für ökologische Braurohstoffe (EZÖB) arbeiten wir auf Augenhöhe mit den regionalen Bio-Bäuerinnen und -Bauern zusammen. Das bedeutet für uns auch, Verantwortung zu übernehmen, wenn die Ernte witterungsbedingt einmal schwieriger ausfällt. Wir garantieren langjährige Abnahmen und gemeinsam mit den Landwirt:innen kalkulierte, faire Preise, die den Höfen eine verlässliche wirtschaftliche Existenz sichern.
Um diesen partnerschaftlichen Ansatz auf ein neues Level zu heben, haben wir vor zwei Jahren zudem die Lammsbräu-Gemeinwohlprämie ins Leben gerufen. Wir wollen damit gezielt diejenigen Bio-Bäuerinnnen und -Bauern unterstützen, die auf ihren Höfen aktiv noch mehr für den Erhalt unserer Umwelt tun. Über ein Punktesystem belohnen wir zum Beispiel erbrachte Leistungen für den Wasser- und Bodenschutz oder die Biodiversität. Diese Prämie fließt direkt und unbürokratisch an die Bio-Landwirt:innen zurück. Für die Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das: Mit jedem Schluck Lammsbräu unterstützen sie ganz direkt den Einsatz für unsere heimische Umwelt. Es entsteht ein geschlossener Wertschöpfungskreislauf, von dem alle profitieren – die Natur, die Bio-Landwirtschaft, die Brauerei und die Konsument:innen.
Der volle Einsatz für Qualität und Umwelt endet bei uns aber nicht auf dem Acker. Vielmehr setzen wir in der Brauerei ganz bewusst auf achtsame, handwerkliche Verarbeitung. Und Handwerk bedeutet bei uns nicht zuletzt Zeit. Zeit für eine lange, kalte Gärung und eine ausgiebige Reifung, damit sich die Aromen der Natur voll entfalten können. Wir künsteln nichts hinzu. Wir nutzen die Kraft der traditionellen Braukunst, um das Beste aus den Bio-Braurohstoffen unserer EZÖB-Bäuerinnen und -Bauern herauszuholen. Gleichzeitig ist diese tiefe Verwurzelung im Handwerk und die Nähe zur Natur auch der Motor, der uns zu Innovationen antreibt und die Quelle für neue Ideen.
»Als Bio-Erzeuger:innen, Bio-Landwirt:innen, Ökoaktivist:innen und Konsument:innen teilen wir dieselbe Vision: Wir wollen Lebensmittel, die Mittel zum Leben sind. Wir wollen eine Wirtschaft, die dem Gemeinwohl dient und nicht dem kurzfristigen Profit.«
Ein Beispiel dafür ist unsere Pionierarbeit im Bereich alkoholfreier Biere. Lange Zeit fristeten Alkoholfreie ein Schattendasein – von vielen abgeschrieben als Notlösung, geschmacklich flach und langweilig. Wir wussten, dass da mehr gehen kann und haben uns frühzeitig an die Arbeit gemacht. Durch ein von uns selbst mitentwickeltes, besonders schonendes Brauverfahren gelingt es uns, den Alkohol gar nicht erst entstehen zu lassen. So bleiben die vollen, typischen Bieraromen und eine feine Malzsüße komplett erhalten, die wir durch die Zugabe von hauseigenem Sauergut fein abrunden. Unsere Alkoholfreien sind damit keine Kompromisse mehr. Sie sind echte Genussprodukte und haben sich zu einem absoluten Trendthema entwickelt. Genau richtig für Menschen, die vollen Genuss ohne Alkohol suchen.
In unserem einzigartig breiten Sortiment mit 12 Sorten – vom klassischen Lammsbräu Bio Alkoholfrei über unser neues Bio Hell alkoholfrei bis hin zu erfrischenden Bio-Mischgetränken wie dem Lammsbräu Bio Naturradler alkoholfrei – ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Besonders stolz sind wir auch auf unsere Glutenfreien, die Menschen mit Zöliakie oder Glutenunverträglichkeiten endlich wieder den unbeschwerten, echten Genuss ermöglichen. Auch hier fängt alles beim Rohstoff an: Statt wie sonst bei Glutenfreien üblich, setzen wir nicht auf Reis oder Hirse, sondern auf ganz traditionelle Brauzutaten wie Gerstenmalz. Durch ein handwerklich anspruchsvolles, natürliches Verfahren entziehen wir Gluten während des Brauprozesses, ganz ohne den Geschmack zu beeinträchtigen.
Klar ist: Ein solcher Weg, der auf enge Zusammenarbeit, kompromisslose Qualität und stetige Innovation setzt, verlangt Mut und Durchhaltevermögen. Gerade in Zeiten, in denen der wirtschaftliche Druck auf die grüne Branche wächst und geopolitische Krisen viele Verbraucherinnen und Verbraucher verunsichern. Doch genau jetzt dürfen wir nicht nachlassen. Jede Investition in den Ökolandbau, jede fair bezahlte Tonne Bio-Braugerste und jede bewusste Kaufentscheidung für ein gutes Bio-Produkt ist eine direkte Investition in die Resilienz unserer Heimat und eine lebenswerte Zukunft. Es geht darum, Kreisläufe krisenfest und enkeltauglich zu machen. Wenn wir gemeinsam zeigen können, dass sich wirtschaftlicher Erfolg, handwerkliche Spitzenqualität und ökologische Verantwortung nicht ausschließen, sondern einander bedingen, dann setzen wir ein unübersehbares Zeichen für die gesamte Lebensmittelwirtschaft.
Als Bio-Erzeuger:innen, Bio-Landwirt:innen, Ökoaktivist:innen und Konsument:innen teilen wir dieselbe Vision: Wir wollen Lebensmittel, die Mittel zum Leben sind. Wir wollen eine Wirtschaft, die dem Gemeinwohl dient und nicht dem kurzfristigen Profit. Dafür braucht es den Mut der Landwirt:innen, neue Wege zu gehen, die Leidenschaft der Verarbeiter:innen, die handwerkliche Qualität zu sichern, und die bewusste Entscheidung der Verbraucher:innen, diesen Weg auch am Ladenregal mitzugehen. Lassen Sie uns diesen Weg weiterhin gemeinsam beschreiten – mit Haltung, Pioniergeist und der Freude an echtem, unverfälschtem Genuss.
Johannes Ehrnsperger, Inhaber und
Geschäftsführer der Neumarkter Lammsbräu