Wenn aus Träumen Wirklichkeit wird

Hof Ravensmühle, Uckermark. Bild: Tobias Köhler
In unserer Serie »Frauen in der Landwirtschaft« berichtet dieses Mal Christina Peltzer vom Gut Ravensmühle, einem Biokreis Mitgliedsbetrieb im östlichen Mecklenburg-Vorpommern, von ihrem persönlichen Weg in der Landwirtschaft, ihren Zweifeln und Träumen – und davon, was für sie den Beruf so besonders macht.
Ich bin Christina, 31 Jahre, Mutter einer einjährigen Tochter und Landwirtin. Aufgewachsen bin ich gemeinsam mit meinen drei Geschwistern auf einem Bauernhof in Nordrhein-Westfalen. Meine Kindheit dort war wild, lebendig und einfach schön. Wir waren von klein auf mittendrin im Hofalltag – durften dabei sein, mithelfen, Verantwortung übernehmen und natürlich auch eigene Tiere halten.

Nach einigen Jahren sind wir als Familie nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen und haben dort einen Hof ganz neu aufgebaut. Dieser Neuanfang war in vielerlei Hinsicht eine herausfordernde Zeit. Nach meinem Abitur zog es mich dann erst einmal in die Ferne. Ich ging für ein Jahr nach Norwegen und arbeitete dort ebenfalls auf einem Hof. Zwischen Stallarbeit, Melken und den warmen Kuhbäuchen merkte ich schnell, wie viel mir die Landwirtschaft bedeutet. Dieses vertraute Gefühl war wieder da – und damit auch die Verbundenheit und Begeisterung für die Landwirtschaft.
Diese Leidenschaft führte mich schließlich an die Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Nach meinem Studium im Bereich Ökolandbau und Vermarktung zog es mich auf den Alten Pfarrhof Elmenhorst, ein Frauenbetrieb an der Ostsee. Da war ich wieder von Milchkühen umgeben und durfte in die Welt der Milchverarbeitung eintauchen. Ich stellte Joghurt, Quark und Käse her und übernahm auch den Verkauf der Produkte im Hofladen.
Mit der Zeit wuchs in mir der Wunsch nach etwas Neuem, und ich erfüllte mir einen großen persönlichen Traum: Mal einen ganzen Sommer lang auf einer Alm arbeiten. Dort durfte ich die Verantwortung für einen Stall mit 30 Kühen übernehmen und die Versorgung und Betreuung der Schweine und des Jungviehs. Neben zwei weiteren Ställen gab es auf der Alm einen Käser, dem ich bei der Herstellung und der Pflege des Käses zur Hand ging. Eine unvergessliche Zeit, an die ich mich noch gerne erinnere!
Aber nach diesem Jahr auf der Alm stellte sich für mich erneut die Frage: Wie geht es jetzt weiter? Mein Bruder Johannes Bexten hatte inzwischen den Betrieb zu Hause in Mecklenburg-Vorpommern übernommen. Ich konnte mir gut vorstellen, dort meinen Platz zu finden, zugleich waren da aber auch Zweifel und Bedenken, ob dieser Weg wirklich der richtige für mich ist.
Mittlerweile bin ich seit sechs Jahren auf dem Gut Ravensmühle in der mecklenburgischen Uckermark und habe mir meinen ganz eigenen Platz im Betrieb geschaffen, auch wenn das ein wenig gedauert hat und vielleicht auch so nicht gedacht war. Unser Hof ist vielseitig aufgestellt: Die Legehennen bilden unser Hauptstandbein, dazu kommen die eigene Packstelle, Mutterkühe, unser Weihnachtsgeflügel – also Enten und Gänse –, Ackerbau und der Hofladen. Mein Herz hängt ganz besonders an unserem Hofladen, den ich mit viel Freude und Herzblut führe. Hier verbringe ich den größten Teil meiner Arbeitszeit und kann meine eigenen Ideen einbringen und vieles selbst gestalten. Mein Bruder ist zwar nach wie vor mein Chef, aber er schenkt mir viel Vertrauen und den nötigen Freiraum.
Natürlich gehört auch die Büroarbeit zum Alltag – und inzwischen sind noch die Enten und Gänse dazugekommen, für die ich ebenfalls die Verantwortung übernommen habe.
Seit der Geburt meiner Tochter – eigentlich schon während der Schwangerschaft – bin ich immer weniger als »Springerin« in den anderen Bereichen des Betriebs unterwegs. Damit bin ich ein Stück weit raus aus der klassischen Landwirtschaft. Und trotzdem ist immer eine Sehnsucht geblieben: Ich habe die Milchkühe vermisst. Also fing ich an zu überlegen und zu träumen: Wie wäre es mit einer kleinen eigenen Herde? Überschaubar, ohne dafür große Summen investieren zu müssen. Natürlich stellte sich schnell die Frage, wohin mit der Milch? Für ein paar Kühe würde keine Molkerei extra zu uns auf den Betrieb kommen – also müsste ich die Milch selbst verarbeiten. Und genau darauf hatte ich eigentlich so richtig Lust. Ich stellte mir vor, eigene Milchprodukte herzustellen und sie direkt über unseren Hof zu vermarkten. Unsere Kund:innen würden sich bestimmt freuen, wenn es auch frische Milch und Milchprodukte von unseren eigenen Kühen gäbe.
Leckeres Eis von der »Hofmanufaktur Gut Ravensmühle«
Und dann kam mir plötzlich ein Gedanke: Warum nicht auch eigenes Eis herstellen? Die Idee ließ mich nicht mehr los und in meinem Kopf begann es zu arbeiten. Ich wollte mehr darüber lernen und besuchte einen Eis-Kurs beim Verband für hand- werkliche Milchverarbeitung (VHM). Kurz darauf konnte ich eine gebrauchte Eismaschine kaufen. Meine Ideen nahmen Gestalt an, wurden greifbar. Wenig später fand ich einen umgebauten Container, der sich ideal für eine kleine Milchverarbeitung eignete. Schließlich gründete ich mit Stolz mein eigenes Unternehmen: die »Hofmanufaktur Gut Ravensmühle«. Der Container kam schließlich auf unseren Hof und wurde im Frühjahr abgenommen. Seitdem produziere ich hier mein eigenes Eis! Mein Traum: Nach und nach möglichst viele Zutaten selbst herzustellen. Das Obst stammt größenteils bereits von uns – und irgendwann soll auch die Milch von den eigenen Kühen kommen. Ein Stück Hof, das in jedem Eis steckt.
Aber gerade muss ich auch realistisch bleiben. Auf dem Gut gibt es schon jetzt genug zu tun: der Hofladen, die Büroarbeit, das Geflügel und natürlich alles, was im täglichen Hofleben so anfällt. Und wenn ich nach vorne schaue, wird es sicher nicht weniger. Gerade bauen wir ein kleines Café auf – ein neues Herzensprojekt, das wieder ganz eigene Aufgaben und Herausforderungen mit sich bringt. Meine Eisproduktion möchte ich Schritt für Schritt weiter ausbauen.
Als Nächstes steht die Bio- Zertifizierung an, die mir wieder neue Möglichkeiten in der Vermarktung eröffnet. Es bleibt also spannend – und langweilig wird es ganz bestimmt nicht. Ich freue mich auf all das, was vor mir liegt: Kreativ beim Backen und Eismachen sein zu können, unsere Kundinnen und Kunden zu betreuen, den Hofladen weiterzuentwickeln und immer wieder neue Ideen umzusetzen. Und bei allem, was auf dem Gut passiert, ist mir eines besonders wichtig: dass auch genug Zeit für meine Familie bleibt. Und wer weiß – vielleicht kommt ja irgendwann wieder der Zeitpunkt, wo ich mehr in der »Drau- ßenlandwirtschaft« tätig bin und meine eigenen Milchkühe habe. Der Gedanke daran gefällt mir jedenfalls sehr. Ich freue mich schon darauf!
Gut Ravensmühle 17335 Strasburg (Uckermark)
www.gut-ravensmuehle.com
von Christina Peltzer, Biokreis-Betrieb Gut Ravensmühle