Wasserwende statt Wasserkrise: »Wir brauchen echte Bio-Wasserbauern«

Gastbeitrag von Frank Stieldorf, Geschäftsführer der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser e.V.
Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel – doch es steht unter massivem, menschengemachtem Druck. Unsere aktuelle Übersichtsstudie »Schwarzbuch Wasser« zeigt ein alarmierendes Bild: Über 72 Prozent der deutschen Grundwasservorkommen sind bereits mit Pestizidrückständen belastet. In mehr als 76 Prozent der Proben lässt sich die Ewigkeitschemikalie TFA nachweisen. Das Umweltbundesamt stuft folgerichtig bereits über ein Drittel unserer Grundwasserkörper als »chemisch bedenklich« ein. Es ist völlig klar: Wegsehen ist keine Option mehr. Jetzt geht es ums Tun.

Klimawandel und Trockenheit: Die toxische Dynamik im Boden
Eile ist geboten. Denn zur lange verharmlosten chemischen Belastung des deutschen Wassers kommt eine zweite, immer akutere Bedrohung: der Klimawandel. Die zunehmende Trockenheit verändert die Dynamik in unseren Böden drastisch. Wenn es seltener regnet, sinkt die Grundwasserneubildung massiv. Die Folge ist eine dramatische Aufkonzentration: Schadstoffe, die insbesondere durch die konventionelle Landwirtschaft eingetragen werden, treffen auf immer weniger Wasser. Sie verdünnen sich nicht mehr, sondern reichern sich in den oberen Bodenschichten an.
Folgen dann extreme Starkregenereignisse, wie sie für den Klimawandel typisch sind, werden diese Pestizid- und Nitratdepots schlagartig und ungefiltert in tiefere Schichten gespült. Trockenheit mindert zudem das biologische Reinigungsvermögen des Bodens. Ein so strukturgeschädigter Boden verliert seine wertvolle Filterfunktion. Der Klimawandel sorgt also nicht nur für weniger Niederschläge, sondern wirkt zudem wie ein Brandbeschleuniger für die Wasserverschmutzung. Er macht den Schutz der Einzugsgebiete von Quellen zu einer Überlebensfrage für unser wichtigstes Lebensmittel.
Warum wir die Qualitätsgemeinschaft gegründet haben
Genau diese fortschreitende Wasserverschmutzung und die Missachtung ökologischer Grenzen waren der Grund, warum Bio-Pionier:innen und Getränkeexpert:innen 2008 gemeinsam die Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser e.V. ins Leben gerufen haben. Uns war schon damals klar: Wenn wir jetzt nicht handeln, hinterlassen wir kommenden Generationen zerstörte und unbrauchbare Wasserspeicher. Klar war auch: Das beste Wasserschutzprogramm ist der agrochemiefreie Ökolandbau. Gleichzeitig gab es für unser wichtigstes Lebensmittel aber kein staatliches Bio-Siegel, weil Wasser rechtlich nicht unter die EU-Öko-Verordnung fällt.
Deshalb sind wir vorangegangen. Wir haben diese Lücke geschlossen und die bewährten Bio-Prinzipien eins zu eins auf das Wasser übertragen. Unterstützt von allen großen deutschen Bio-Anbauverbänden wie dem Biokreis setzen wir der Bedrohungslage mit dem blauen Bio-Mineralwassersiegel ein klares, zeitgemäßes Reinheitsgebot entgegen. Es schützt das Wasser vom Einsickern in den Boden bis ins Glas nachhaltig.
Das Ende der Illusion vom »reinen Leitungswasser«
Ganz offen: Auch uns wurde oft erzählt, Leitungswasser sei das am besten kontrollierte Lebensmittel. Auch wenn diese pauschale Behauptung werberechtlich mittlerweile verboten ist, wiegen sich viele Menschen nach wie vor in Sicherheit, wenn sie den Hahn aufdrehen. Leider ist das eine Illusion. Die gesetzlichen Mindeststandards der Trinkwasserverordnung hinken der harten chemischen Realität weit hinterher.
Wir müssen uns klarmachen, dass Leitungswasser nur zum kleinsten Teil für den menschlichen Konsum gedacht ist und oftmals aus oberflächennahem Grundwasser oder gar Flusswasser gewonnen wird. Es ist Belastungen und durch Trockenheit verstärkten Schadstoffkonzentrationen direkt ausgesetzt. Die Konsequenz? Wasserwerke müssen Leitungswasser schon heute mit erheblichem technischem und chemischem Aufwand – etwa durch den Einsatz von Chlor oder Ozon – künstlich aufbereiten, um es überhaupt trinkbar zu machen. Wenn gar nichts mehr hilft, wird belastetes Wasser mit weniger belastetem »verschnitten« – ein Vorgang, der bei allen anderen Lebensmitteln streng verboten ist. Für uns hat das nichts mehr mit einem reinen, natürlichen Lebensmittel zu tun.
Das Bio-Mineralwassersiegel ist die Alternative: Unsere Richtlinien basieren auf 48 strengen Einzelkriterien. Wir garantieren nicht nur signifikant niedrigere Grenzwerte für Nitrat, Pestizide und andere Schadstoffe, sondern verbieten jede chemische Aufbereitung. Ein Mineralwasser erhält das blaue Bio-Mineralwassersiegel nur, wenn es nachweislich von Natur aus rein ist. Unser Versprechen: maximale Sicherheit und lückenlose Transparenz durch die unabhängige Überwachung von staatlich zugelassenen Öko-Kontrollstellen.
Mineralbrunnen werden zu »Bio-Wasserbauern«
Wasser- und Bodenschutz sind untrennbar miteinander verbunden. Was oben auf den Feldern ausgebracht wird, sickert über die Zeit unweigerlich nach unten in die tiefen Schichten. Dagegen muss man aktiv etwas tun und die Quellen schützen, Warten auf den Gesetzgeber reicht nicht. Genau deshalb sind die mittlerweile 13 familiengeführten Mineralbrunnenbetriebe der Qualitätsgemeinschaft nicht bloß Wasserabfüller, sondern »Bio-Wasserbauern«. Sie übernehmen stellvertretend Verantwortung, die am Brunnenrand beginnt und weit in die Region hineinreicht. Sie kümmern sich darum, dass das Regenwasser sauber in die Böden einsickern kann, auf seinem Weg durch die Gesteinsschichten vor Verschmutzungen geschützt ist und zu bestem Bio-Mineralwasser werden kann. Ganz so, wie sich Bio-Landwirt:innen bis zur Ernte darum kümmern, dass nichts an ihr Gemüse gelangt, was die Natur nicht vorgesehen hat.
Die Bio-Landwirt:innen selbst sind dabei die wichtigsten Partner. Zum Schutz der Wasservorkommen fördern wir gezielt die Umstellung konventioneller Flächen in den Quellregionen. Wo kein chemisch-synthetischer Dünger und keine Pestizide eingesetzt werden, bleibt das Grundwasser auch für die Zukunft sauber. Jede Flasche zertifiziertes Bio-Mineralwasser ist damit nicht nur ein Beitrag zum Schutz der regionalen Wasserkreisläufe, sondern auch eine direkte Unterstützung der heimischen Bio-Höfe. Ein Miteinander auf Augenhöhe, von dem Natur, Bio-Landwirtin:innen und Verbraucher:innen gleichermaßen profitieren.
Gemeinsam zur Wasserwende
Fakt ist: Je mehr Bio-Bäuerinnen und -Bauern und Getränkeherstellende bei diesem privat organisierten Wasserschutzprogramm mitmachen, desto mehr können wir erreichen. Wasserwende statt Wasserkrise muss die Devise heißen. Läden, die mit dem Bio-Mineralwassersiegel ausgezeichnete Getränke führen, sind dafür ein wichtiger Multiplikator. Sie signalisieren den Menschen damit außerdem, dass sie Bio auch beim wichtigsten Lebensmittel konsequent leben. Ein wichtiges Abgrenzungskriterium, das mehr und mehr relevant wird, ist Bio-Mineralwasser mit einem Plus von zuletzt über 16 Prozent doch eine rasant wachsende Bio-Warengruppe.
Als Kund:innen am Verkaufsregal wiederum haben wir alle die größte Macht: unsere Kaufentscheidung. Mit dem Griff zu einem zertifizierten Bio-Mineralwasser stimmen Sie direkt an der Kasse für den systematischen Schutz unserer Quellen und der Wasserkreisläufe ab. Sie gestalten damit den Umbau der Landwirtschaft in den Quellregionen aktiv mit. Machen Sie das Thema in Ihrem Umfeld sichtbar. Fragen Sie im inhabergeführten Bio-Markt gezielt nach zertifizierten Marken und fordern Sie diese Transparenz ein.
Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass auch noch zukünftige Generationen genug reines Wasser haben. Unterstützen Sie die Bio-Wasserbauern, denn Bodenschutz ist Wasserschutz und Wasserschutz ist Zukunftsschutz!
Weitere Informationen:
www.bio-mineralwasser.de