Vom Baum aufs Kuchenblech

Von Anna Schinkinger | Gepostet am 23.07.2026

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Pure Leidenschaft: Toni Berghof, Biokreis-Landwirt und 1. Vorstand des Erzeugerring Mitteldeutschland über den Bio-Obstanbau

Toni Berghof in seinen Obstfeldern

Die Arbeit der Obstbauern erfordert viel Geduld. Bäume und Sträucher benötigen Jahre, bis sie Früchte abwerfen. Sie müssen bis dahin vor Schädlingen bewahrt und gestutzt werden.
Von der Blüte an wird regelmäßig kontrolliert und reguliert. Dabei sind die Obstbauern und
-Bäuerinnen auch auf natürliche Helfer angewiesen, denn ohne Vögel, Insekten und anderen Bestäubern wird keine Ernte eine gute Ernte. Toni Berghof ist Obstbauer in Riethgen,
einem Ortsteil der Landgemeinde Kindelbrück im Landkreis Sömmerda, Thüringen.

Lieber Toni, wie kamst Du zum Obstanbau?

Obst spielt in unserer Familie seit Generationen eine bedeutende Rolle. Meine Eltern, mein Bruder und auch ich sind gelernte Obstbauern. Gleichzeitig wurde mir die Leidenschaft für den Ackerbau in die Wiege gelegt. Mein Großvater war Landwirt aus Überzeugung. Seinen Fußstapfen bin ich gefolgt und betreibe unsere Landwirtschaft mit großer Begeisterung.

Doch bei einer Betriebsgröße von rund zehn Hektar lässt sich mit reinem Ackerbau heute kaum noch wirtschaftlich arbeiten. Im Obstbau sieht das ein wenig anders aus, deshalb haben wir den Fokus auf den Anbau von verschiedenen Obstsorten gelegt. Zu unseren Kulturen gehören heute Süß- und Sauerkirschen, Mirabellen, Pflaumen, Äpfel, Birnen und Quitten. Außerdem versuchen wir uns gerade mit dem Anbau von Stachelbeeren. 

Hier hilft die ganze Familie mit.
Toni Berghof bei der Arbeit.

Was sind die ausschlaggebenden Kriterien für den Geschmack der Früchte?

Nach der Ernte ist vor der Ernte. Unerlässlich ist sicher die ganzjährige Pflege der Bäume. Eine ausgewogene Versorgung mit Mikro- und Nährstoffen, ein fachgerechter Baumschnitt sowie ein gezielter Pflanzenschutz schaffen die Grundlage für gesunde Pflanzen und aromatische Früchte.

Entscheidend ist auch der richtige Erntezeitpunkt. Nur wenn die Früchte den optimalen Reifegrad erreicht haben, können sie ihr volles Aroma und ihre natürliche Süße entwickeln.

Und auch das Wetter hat einen großen Einfluss auf die Qualität der Früchte. Temperatur, Sonneneinstrahlung und Niederschlag bestimmen maßgeblich die Qualität der Früchte.

Du baust verschiedene Früchte an. Welche Frucht benötigt das meiste Fingerspitzengefühl?

Aufgrund der Klimaveränderungen würde ich sagen, sind Süß- und Sauerkirschen nicht mehr ganz so einfach, wie noch vor Jahren.

Woran erkennst Du, dass die Frucht den perfekten Reifegrad hat?

Das ist jahrelange Erfahrung. Bei den Pflaumen ist es jedes Jahr aufs Neue spannend. Entscheidend sind hier Süße und Steinlöslichkeit.

Viele Verbraucher:innen sehen das geerntete Obst. Die Arbeit, die dahintersteckt, bleibt aber meist unsichtbar. Wie siehst Du das?

Ja das stimmt. Die Verbraucher:innen sehen nur selten, wie viel Arbeit hinter dem Obst steckt, bevor es im Regal landet. Wir ernten noch alles von Hand – und genau diese Sorgfalt macht den Unterschied und zeigt: Die Mühe und der Aufwand lohnen sich.

Ein Teil Deines Obstes lieferst Du an eine Bäckerei. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Die Bäckerei Bergmann in Frömmstedt kannten wir natürlich schon lange – schließlich liegt sie nur wenige Kilometer von unserem Biohof entfernt. Wie so oft war es dann ein glücklicher Zufall, der uns ins Gespräch brachte. Daraus entwickelte sich eine schöne Zusammenarbeit. Seitdem gelangen unsere geernteten Früchte direkt vom Baum in die Backstube. Dank des kurzen Transportweges können die Früchte vollreif und besonders saftig geerntet werden. So kommen sie ganz frisch auf die Bleche und sorgen im Kuchen für besten Geschmack. Ich muss zugeben: Inzwischen bin ich wohl einer der treuesten Kunden der Bäckerei.

Inwieweit profitieren Du und auch die Bäckerei von eurer Zusammenarbeit?

Vor allem profitieren wir beide von einer vertrauensvollen, regionalen Partnerschaft. Für uns ist es schön zu wissen, dass unsere Früchte einen verlässlichen Abnehmer haben. Die Bäckerei wiederum kann sich auf frisches, hochwertiges Obst aus der Region verlassen. Wenn dort einmal besonders viel zu tun ist, unterstützen wir gerne – zum Beispiel entsteinen wir Kirschen und Pflaumen bereits direkt bei uns auf dem Hof. Kurze Lieferwege, Transparenz und ein ehrliches, partnerschaftliches Miteinander sind Werte, die uns verbinden und von denen beide Seiten profitieren.

Gibt es eine Ernte, die Dir in besonderer Erinnerung geblieben ist?

Ja, auf jeden Fall. 2025 war für uns ein absolutes Pflaumenjahr. Die Bäume auf unserem Hof trugen so viele Früchte, dass sich die Äste unter der Last bogen. Eine so reiche Ernte hatten wir schon lange nicht mehr. Unser Bioladen, den wir beliefern, konnte die große Menge an Pflaumen allein nicht mehr vermarkten. Da kam die Zusammenarbeit mit der Biobäckerei genau zum richtigen Zeitpunkt. Innerhalb von etwa fünf Wochen wurden rund zehn Tonnen unserer Pflaumen zu Kuchen verarbeitet. Diese Ernte bleibt uns sicher noch lange in Erinnerung. 

Was wünscht Du Dir von Deiner Verbraucherschaft?

Wertschätzung! Wertschätzung für alle landwirtschaftlichen Produkte! Denn was wir Landwirt:innen erzeugen, ist nicht einfach nur Nahrung, sondern es sind Lebensmittel! Also, Mittel zum Leben. Da stecken jede Menge Leidenschaft und Idealismus drin!

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