Zwischen Hühnern, Kreislauf und Tradition

Familie Klauser vom Biohof Klauser, Tacherting. Bild: Biokreis
Besuch auf dem Biohof Klauser im Chiemgauer Voralpenland. Von Elena Georgieva
Mit meiner Kollegin Anna fahre ich von Passau aus rund 120 Kilometer südlich nach Tacherting ins Chiemgauer Voralpenland. Eine Landschaft aus Wiesen, Wäldern und naturnahen Flussauen begleitet uns, bis wir schließlich den Biohof Klauser erreichen.
Es ist Mittag, als wir ankommen. Die Sonne steht hoch, ein leichter Wind zieht über den Hof. Weiße Hühner picken ruhig über den Platz. Alles wirkt ruhig und gelassen – als würde hier ein anderer Rhythmus gelten.
Stefan Klauser begrüßt uns mit einem offenen Lächeln. Während er uns über den Hof führt, erzählt er von der Geschichte des Betriebs, von aktuellen Projekten und seinen Ideen für die Zukunft. Der Hof wird seit 1985 biologisch bewirtschaftet und zählt damit zu den frühen Bio-Betrieben der Region. Bereits sein Vater Sepp prägte wichtige Grundlagen der Bio-Geflügelhaltung.
Ein Kreislauf, der sichtbar wird
Heute werden hier Eier, Kartoffeln, Nudeln, Brot und Eierlikör produziert. Besonders auffällig ist das geschlossene Kreislaufsystem: Das Futter wie Triticale, Weizen, Hafer, Ackerbohnen, Erbsen, Mais und Kleegrascobs für die Hühner wächst direkt auf den eigenen Feldern. Tierhaltung und Ackerbau greifen eng ineinander.
Die Hennen legen im Schnitt etwa 270 Eier pro Jahr. Gefüttert werden sie mit eigenem Bio-Getreide, Kartoffeln und frischem Grünfutter. Durch regelmäßiges Körnerstreuen bleibt die Einstreu lebendig – die Tiere scharren, -picken und zeigen ihr natürliches Verhalten.
Platz für die Tiere
Der Hof arbeitet mit vier Hühnerställen in einem mehrstufigen Haltungssystem. In der Voliere leben die Tiere nicht nur am Boden, sondern nutzen auch mehrere Ebenen im Stall. Über Rampen und Sitzstangen erschließen sie sich den Raum nach oben und haben getrennte Bereiche zum Fressen, Ruhen und Eierlegen. Dadurch wird der Platz effizient genutzt und das natürliche Verhalten der Hühner gefördert.
Der vierte Stall ist der sogenannte ›Austragler-Stall‹. Hier leben ältere oder nicht mehr produktive Tiere in ruhiger Umgebung, ohne Leistungsdruck.

Direkt in die Region
Verkauft werden die Produkte im hofeigenen ›Eiomaten‹, in regionalen Geschäften sowie im Hofladen, der seit 1990 besteht und derzeit modernisiert wird. Außerdem plant die Familie neue Produkte wie Kartoffelsuppe und Hühnersuppe im Glas.

Anfang Juni lud die Famile zum Hoffest ein – mit Musik, Führungen und regionaler Küche. An diesem Tag wurde auch die Neueröffnung des Hofladens gefeiert, der künftig täglich geöffnet sein soll.
Wer den Hof verlässt, nimmt mehr mit als nur Eindrücke: ein Bild davon, wie Landwirtschaft heute aussehen kann – zwischen Tradition, Tierwohl und einem geschlossenen Kreislauf.
Biohof Klauser
Lohen 3, 83342 Tacherting
www.biohof-klauser.de