Lupine: Heimische Eiweißpflanze mit Verantwortung

Wer keinen landwirtschaftlichen Hintergrund hat und sich im Alltag wenig Gedanken über den Anbau seiner Lebensmittel macht, dürfte zunächst stutzen: Lupinen – kann man das essen? Während Quinoa, Chia oder Edamame längst im Supermarktregal angekommen sind, ist die Lupine für viele noch erklärungsbedürftig. Dabei handelt es sich um eine klassische Hülsenfrucht mit großem Potenzial. Dank ihres hohen Eiweißgehalts wird sie sowohl als Futtermittel als auch zunehmend in der Humanernährung eingesetzt – etwa in vegetarischen und veganen Produkten, Backwaren oder Fleischalternativen. Gerade im Zuge der Diskussion um mehr heimische Eiweißquellen rückt die Lupine in den Fokus.
In Deutschland werden zur Körnernutzung vor allem drei Süßlupinenarten angebaut: die Blaue Lupine (Schmalblättrige Lupine), die Weiße Lupine und die Gelbe Lupine. Die Blaue Lupine nimmt dabei den größten Flächenanteil ein. Agronomisch überzeugen Lupinen nicht nur durch ihren hohen Proteingehalt, sondern auch durch ihren positiven Vorfruchtwert. Als Leguminosen binden sie mithilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff und tragen damit zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und zu vielfältigeren Fruchtfolgen bei.
Doch Lupinen sind nicht unproblematisch. Sie enthalten natürlicherweise sogenannte Chinolizidinalkaloide – sekundäre Pflanzenstoffe, die für den bitteren Geschmack verantwortlich sind. In höheren Konzentrationen können sie gesundheitliche Beschwerden auslösen. Moderne Süßlupinen sind dagegen züchterisch auf niedrige Alkaloidgehalte eingestellt. In der Praxis gelten Werte unter 0,02 Prozent (200 mg/kg Trockensubstanz) als Richtgröße, vielfach werden noch geringere Gehalte angestrebt. Eine EU-weit verbindliche Höchstmenge speziell für Lupinenalkaloide existiert derzeit nicht. Die European Food Safety Authority (EFSA) hat jedoch eine akute Referenzdosis von 0,16 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht für die Summe relevanter Chinolizidinalkaloide abgeleitet. Dieser Wert dient als gesundheitliche Orientierungsgröße.
Richtig angebaut und verantwortungsvoll verarbeitet, sind Lupinen eine Kultur mit Zukunft.
Entscheidend für niedrige Gehalte ist vor allem die Sortenwahl, da der Alkaloidgehalt stark genetisch festgelegt ist. Dennoch können Umwelt- und Stressfaktoren wie Trockenheit, Hitze oder Nährstoffmangel das Niveau beeinflussen. Alkaloide dienen der Pflanze als Abwehrstoffe – Stresssituationen können ihre Bildung erhöhen. Eine standortangepasste Sortenwahl und möglichst stabile Wachstumsbedingungen sind daher wichtige Bausteine der Qualitätssicherung.
Neben den Alkaloiden ist auch das allergene Potenzial von Bedeutung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass Lupineneiweiß allergische Reaktionen auslösen kann. Die Beschwerden reichen von oralen Allergiesymptomen, Hautreaktionen und Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu schweren anaphylaktischen Reaktionen.
Besonders relevant sind mögliche Kreuzreaktionen bei Personen mit bestehender Allergie gegen andere Hülsenfrüchte, insbesondere Erdnuss oder Soja. Aus diesem Grund sind Lupinen und daraus hergestellte Erzeugnisse in der EU kennzeichnungspflichtig.
Wie bewerten wir nun den Lupinenanbau? Lupinen sind eine vielseitige, eiweißreiche Kulturpflanze mit agronomischen Stärken und wachsender Marktbedeutung. Gleichzeitig erfordern der Alkaloidgehalt und die Allergenität eine sorgfältige Sortenwahl, genaue Überprüfung und transparente Kennzeichnung.
Richtig angebaut und verantwortungsvoll verarbeitet, sind Lupinen eine Kultur mit Zukunft.
Die Autorin Marianna Grabmann arbeitet in der
Qualitätssicherung des Biokreis e.V. und ist zuständig für den
Bereich "Zertifizierung Verarbeitung tierische Produkte".
Quellen: Bayrische Landesanstalt für Landwirtschaft, Bundesinstitut für Risikobewertung, EFSA