Stichwort: Wissenstransfer

Women farmers are researching the soil.
Erfahrungen mit der Vermittlung von Wissenschaft in die Praxis. Von Günter Schlotter
Seit Beginn meiner Tätigkeit im ökologischen Landbau betrachte ich die Aus- und Weiterbildung der Landwirt:innen, Gärtner:innen und Obstbäuer:innen als eine sehr wichtige, wenn nicht die wichtigste Aufgabe neben der Beratung und Betreuung.
Dieser Aufgabe versuchte ich in den neunziger Jahren mit Ackerbau-Tagungen und thematischen Regionaltreffen gerecht zu werden. Gemeinsam mit der Wissenschaft der verschiedensten Forschungseinrichtungen werteten wir die Ergebnisse von Forschungsprojekten aus und gaben den Praktiker:innen Empfehlungen.
Besonders die thematischen Regionaltreffen, die damals im Monatsrhythmus mit den Praktiker:innen stattfanden, stellten eine echte Herausforderung dar, weil anhand von Abschlussberichten wissenschaftlicher Forschungsprojekte, eigenständige Vorträge zu erarbeiten und vorzutragen waren.
Seit es das Bundesprogramm Ökologischer Landbau gibt, werden auf dieser Grundlage Forschungsprojekte unterschiedlichster inhaltlicher Ausrichtung gefördert. Für meine Arbeit sind vor allem jene Projekte interessant, welche zum Acker- und Pflanzenbau, zur Tierhaltung, zur Verarbeitung und Aufbereitung forschen.
Die damit ebenfalls verbundene Förderung der Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis im Rahmen von Wissens-
transfer-Veranstaltungen, erlaubt es auch mir ebenso wie meinen Kolleg:innen, Online- oder Präsenz-Veranstaltungen für unsere Landwirt:innen gezielt und finanziell abgesichert – ich denke nicht zuletzt auch an die Referent:innenhonorare – zu organisieren.
Ich bevorzuge Präsenzveranstaltungen, weil sie mir erlauben, Forschungsergebnisse mit der praktischen Anschauung auf dem Feld oder im Stall zu verbinden. Feld- oder Grünlandtage ordnen sich in die Veranstaltungsreihe organisch ein.
Unbestritten gewinnen Online-Veranstaltungen an Bedeutung, denn sie überwinden große räumliche Entfernungen und führen Praktiker:innen aus allen Regionen zum Erfahrungsaustausch zusammen. Für mich sind sie, das darf ich gestehen, vor allem aus technischer Sicht nach wie vor ein Gewöhnungsprozess.
In letzter Zeit wird es jedoch immer schwieriger, Praktiker:innen für solche zwei- oder dreistündigen Veranstaltungen zu begeistern, wenn parallel die anderen ökologischen Anbauverbände mehrtägige Seminare zu vergleichbaren fachlichen Themen verbandsübergreifend anbieten. Diese Seminare bieten mehr Raum und kommen damit den Vorstellungen der Beteiligten entgegen.
Die Allianz von ökologischen Anbauverbänden, die auf den Öko-Feldtagen 2025 ins Leben gerufen worden ist, sollte aus diesem Grund auch die Koordinierung der Wissenstransfer-Veranstaltungen übernehmen. Das wäre auch insofern wichtig, weil nach neuesten Informationen eine Kürzung der Mittel für den Wissenstransfer noch in diesem Jahr erfolgen soll – ein Vorhaben der Bundesregierung, das unsere bisherige Arbeit zunichte machen und die Erreichung unserer Ziele im ökologischen Landbau beinträchtigen könnte.
Wissenstransfer in großer Gemeinsamkeit und damit verbandsübergreifend zu organisieren, wäre ein neuer, zukunftsfähiger Ansatz, um die wichtige Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis weiterhin im Interesse aller fortsetzen zu können.
Der Autor Günter Schlotter ist Geschäftsführer des Erzeugerring Mitteldeutschland e.V., landwirtschaftliche Beratung und
Ansprechpartner für Verarbeitung in Thüringen, Sachsen,
Sachsen-Anhalt und Süd-Brandenburg Schwerpunkte:
Ackerbau, Mutterkühe