Knoblauchsland: Bio zwischen Tradition und Preisdruck

Zwischen Nürnberg, Fürth und Erlangen erstreckt sich eine der traditionsreichsten Gemüsebauregionen Deutschlands: das Knoblauchsland. Der Name geht nicht auf eine Familie zurück, sondern auf das Gemüse selbst. Bereits seit dem Mittelalter – urkundlich belegt ab dem 14. Jahrhundert – wird hier intensiv Knoblauch angebaut.
Doch nicht nur Knoblauch prägte die Region. Traditionell wuchsen hier auch Zwiebeln, Spargel, Gurken, Tomaten, Salate und zahlreiche weitere Gemüsesorten. Schon ab dem 8. Jahrhundert versorgten die fruchtbaren Böden die umliegenden Städte mit frischen Lebensmitteln. Heute ist das Knoblauchsland eine der wichtigsten Gemüseregionen Deutschlands – und Heimat des Biokreis-Betriebs Dworschak & Sohn.
Bio-Leidenschaft unter Glas
Seit 25 Jahren wirtschaftet der Familienbetrieb biologisch. 1999 wurden die ersten Bio-Topfkräuter gepflanzt, später kamen wieder Tomaten und Gurken hinzu. Das Gewächshaus mit 55.000 Quadratmetern beeindruckt bereits beim Betreten – besonders an einem der ersten sonnigen Tage des Jahres.


Die Kräuter leuchten frisch und sattgrün, die Gurkenblüten stehen weit geöffnet in voller Pracht. Hier wird sichtbar, was kontrollierter Bio-Anbau bedeutet: Sorgfalt, Geduld – und hohe Verantwortung. Im Jahr 2025 wurden fünf Millionen Bio-Topfkräuter überwiegend an regionale Lebensmittelmärkte und Discounter geliefert – ein beeindruckender Beitrag für frische, nachhaltige Ernährung.
Kreislaufwirtschaft mit Weitblick
Rudolf Dworschak integrierte zusätzlich einen Milchviehbetrieb in Kleingressingen in sein Unternehmen. Heute umfasst der Betrieb 185 Hektar und rund 160 Kühe. Ziel ist eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft, in der Milchviehhaltung und Gemüsebau sinnvoll ineinandergreifen.
Unterstützt wird er von seinen Kindern Johannes und Anna-Lena Dworschak. Anna-Lena engagiert sich öffentlich für die Branche. Als Bayerische Bio-Königin (2024–2026) repräsentiert sie die bayerische Bio-Branche – von den Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern über Verarbeitung bis hin zu Gastronomie und Handel.
Rudolf Dworschak ist ein offener, freundlicher und sehr sympathischer Gesprächspartner. Er erklärt nicht nur die Abläufe auf dem Hof, sondern spricht auch ehrlich über die wirtschaftlichen Herausforderungen seines Betriebs und wie er sie meistert.

Steigende Energiepreise, höhere Löhne und wachsende Betriebsmittelkosten wirken unmittelbar auf die Kalkulation. Besonders spürbar sind günstige Importe von Topfkräutern aus Marokko und Kenia. Gleichzeitig sparen die Verbraucher:innen. »Kräuter sind für viele Menschen zum Luxus geworden«, sagt Rudolf Dworschak. Wenn gespart wird, bleibt das Basilikum im Regal stehen.
Ich passe mich jedem Wandel an.
Im vergangenen Jahr verzeichnete der Betrieb rund 30 Prozent weniger Umsatz.
Die Preise für Topfkräuter werden im Handel meist einmal jährlich verhandelt, Tomatenpreise – je nach Kunde – wöchentlich oder ebenfalls jährlich. Dworschak bevorzugt die jährliche Preisverhandlung: »Das ist weniger Stress – und erlaubt uns, langfristig zu planen.«
Rund 3,9 Cent pro Topf fehlen allein, um die gestiegenen Mindestlohnkosten auszugleichen – eine kleine Zahl mit großer Wirkung bei Hunderttausenden verkauften Pflanzen. 75 Angestellte und 35 Saisonkräfte erhalten fairen Lohn und damit verlässliche Arbeitsplätze und Perspektiven für ihre Familien.
Zwischen Idealismus und Markt
»Geld ist wichtig, damit der Betrieb gut leben kann«, sagt Dworschak ruhig. Bio sei Überzeugung – aber auch Unternehmertum. Sein Leitsatz klingt pragmatisch und motivierend: »Ich passe mich jedem Wandel an.«
Im Knoblauchsland zeigt sich, wie eng Tradition, Nachhaltigkeit und Marktentwicklung miteinander verbunden sind. Die Qualität wächst im Gewächshaus – doch entscheidend ist, dass sie bewusst gewählt und so die Zukunft nachhaltig gestaltet wird.
Im Internet: www.dworschak.bio