Im Wald und auf der Wiese

Waldlandputen von den Freiländern. Bild: Freiländer / M.Ritthaler
Die Putenhaltung hat teilweise einen schlechten Ruf. Die Waldlandputen von Zieslübbe in Mecklenburg stehen für eine innovative und artgerechte Geflügelhaltung. Von Gabi Kunz
Die Sonne geht auf über dem Biohof Zieslübbe. Der Geflügelzüchter Daniel Willnat betreibt hier ein innovatives Wald-Pilotprojekt für Puten und wurde für seine artgerechte Haltung bereits als ›Bester Geflügelhalter des Jahres 2024‹ ausgezeichnet. Der Geschäftsführer der Freiländer Bio Geflügel GmbH gibt einen kleinen Einblick in einen seiner Betriebe.
Während Daniel Willnat das Tor auf der Freilandfläche öffnet und seine Tiere mit einem »Guten Morgen« begrüßt, watscheln ihm einige Puten schon entgegen. Einige dösen noch in flachen Sandmulden unter alten Buchen und Eichen. Für Willnat ist dieser frühe Rundgang ein ganz besonderer Start in den Tag: „Draußen zu sein, die Ruhe des Morgens zu spüren und nachzusehen, ob es den Tieren gut geht“.
Leben unter Eichen und Buchen
Seit 10 Jahren hält er eine Gruppe von mehr als 2500 Puten hier am Waldrand nahe dem Städtchen Parchim. Ganz ohne Stall, mit Sondergenehmigung vom Land. Denn Nutztiere im Wald zu halten, ist aus forstrechtlichen Gründen eigentlich verboten. In Zieslübbe können die Tiere ausnahmsweise unter Bäumen ein schattiges Plätzchen suchen oder sich direkt auf der Wiese aufhalten, die an den Wald grenzt.
»Vieles von dem, was wir im Stall für das Wohl der Puten bereitstellen, übernimmt die natürliche Umgebung des Waldes ganz von selbst«, so Daniel Willnat. »Sie haben den Schutz durch die Bäume, haben Beschäftigung, Abwechslung und bei Bedarf auch Schatten. Würde man die Waldlandputen auf dem Biohof Zieslübbe fragen, würden sie vermutlich sagen: Genau so sollte ein artgerechter Lebensraum aussehen.«
In der Herde der Waldlandputen leben auch zwei Pyrenäen-Berghunde. Die Rasse eignet sich besonders gut, um die Nutztiere vor Fressfeinden zu schützen. Sie halten Fuchs, Marder oder Greifvögel fern.
Die KellyBronze® Pute
Im Rahmen des -Putenprojekts erproben mehrere Betriebe parallel in Meck-lenburg–Vorpommern für die Freiländer Bio Geflügel GmbH diese alternative Form der Putenhaltung.
Und sie zeigt, dass die KellyBronze®-Puten gut mit den Lebensbedingungen ihrer Vorfahren in den Wäldern und Steppen Nordamerikas und Mexikos zurechtkommen. Bei der Züchtung der Rasse achtete Derek Kelly vor allem auf zwei Dinge: Robuste Tiere, die sich exzellent für die Haltung im Freiland eignen und dem Fokus auf eine hervor-ragende Fleischqualität.
Die KellyBronze®-Puten stellen ihre Robustheit immer wieder unter Beweis. Sie lassen sich weder von dem typisch norddeutschen Wetter noch von kalten Temperaturen beeindrucken. Dies ist vor allem durch die Anpassung des Federkleids möglich. Die Federn dieser Tiere sind besonders dicht und von einer natürlichen Fettschicht überzogen. Das lässt die Tiere in der Sonne wie schwarze Perlen glänzen.
Was die sensiblen Puten jedoch nicht mögen, ist der raue Wind im Küstenland Mecklenburg-Vorpommern. Deshalb stehen als Windschutz große Strohballen bereit, hinter denen die Tiere Schutz suchen können.
»Das Projekt hat dennoch auch seine Tücken«, erklärt Stefan Mutter, ebenfalls Geschäftsführer von den Freiländern. »Bei hohen Temperaturen liegen die Tiere gerne im Schatten und fressen erst dann, wenn es dunkel wird. Die Gewichtszunahme verläuft somit langsamer als gewöhnlich. Zwar sind alle Tiere gesund und munter – für den Vertrieb kann es aber durchaus zum Problem werden«.
Ausgezeichnet mit dem Ceres-Award 2024
Mit dem Projekt der Waldland-puten wurde der 45-Jährige Daniel Willnat mit dem europäischen Ceres-Award 2024 für innovative Tierhaltung ausgezeichnet. »Die Putenhaltung hat leider oft einen viel zu schlechten Ruf. Teils auch gerechtfertigt. Mein Anliegen ist es, zu zeigen, dass es auch anders geht. Wir möchten die Tiere so halten, dass sie ein vernünftiges, artgerechtes Leben führen und dass wir ihnen die Schnäbel nicht kürzen müssen. Verhaltensauffälligkeiten wie Beschädigungspicken können einfach minimiert werden, wenn die Puten genug Platz und Beschäftigung haben und sie ihr natürliches Herdenverhalten ausleben dürfen«.
Was ist der Schlüssel des Erfolgs?
»Wir setzen ausschließlich auf die langsam wachsende Bronzerasse. Ausgewogene, auf das jeweilige Alter abgestimmte Futterrationen, viel Bewegung und vor allem viel Zeit, um wertvolles Muskelfleisch aufzubauen, sind der Schlüssel zu einem ausgereiften und perfekten Schlachtkörper. Dies kann man sehen und vor allem schmecken!«
Bis 2027 darf Daniel Willnat seine Puten noch im Wald halten, dann ist Schluss mit dem Projekt. Weil ihm diese Art der Tierhaltung aber so gut gefällt, hat er bereits vorgesorgt und schon vor ein paar Jahren Pappeln auf seinem Hof gepflanzt. Somit dürfen die Puten auch weiterhin unter Bäumen leben.

»Wir stehen für echtes Bio aus nächster Nähe: Unsere rund 40 zertifizierten Biohöfe in der Nähe sorgen seit 1997 für artgerechte Haltung und nachhaltige Erzeugung. Von Anfang an haben wir uns dem Tierwohl und der Qualität verpflichtet. Was einst mit Leidenschaft auf dem Land begann, ist heute ein starkes Netzwerk aus Biohöfen, Handelspartnerschaften und Gastronomie«, so Stefan Mutter. »Wer bewusst einkaufen will, kauft Bio-Geflügelprodukte von Freiländer. Unser Sortiment bietet vom umfangreichen Frischesortiment über Wurst- und Convenience-Artikel bis hin zu unserem Tiefkühlsortiment. Spezialitäten für jeden Geschmack.«
Mehr im Internet:
www.freilaender.de
