Grosserhof: Eiervermarktung mit Bruderhahn

Geflügelhalter Daniel Grosser
Die eigene Bruderhahn-Aufzucht gehört zum Konzept des Biokreis-Mitglieds Grosserhof in Niederbayern. Wie sind die Betriebsabläufe und die Herausforderungen auf dem Hof? Von Anna Schinkinger
Seit 1989 setzt der Grosserhof in Ergolding im Landkreis Landshut auf eine möglichst geschlossene Wertschöpfungskette – von der Haltung über die Verarbeitung bis zur Vermarktung. Der Familienbetrieb verbindet Legehennenhaltung, Bruderhahn-Aufzucht, Ackerbau und eigene Verarbeitung unter einem Dach und steht damit beispielhaft für viele Herausforderungen, mit denen Bio-Geflügelbetriebe aktuell konfrontiert sind.
Wie ist der Betrieb aktuell aufgebaut und welchen Anteil macht die -Eiervermarktung daran aus?
»Wir halten Legehennen in vier sowie Masthähnchen und teilweise -Bruderhähne in bis zu fünf Altersgruppen. Zum Grosserhof gehören außerdem Ackerbau, ein eigenes Mischfutterwerk, ein Getreidelager sowie verschiedene Verarbeitungsbereiche – von Eiern über die Schlachtung bis zur Fleischverarbeitung. Alle Betriebsbereiche liegen in unserer Hand. Die Eiervermarktung macht aktuell rund 70 Prozent des Umsatzes aus.«
Wie läuft der Weg der Eier konkret – vom Legen bis zum Verkauf?
»Die Eier werden möglichst direkt aus dem Legenest verpackt, um unnötige Berührungen durch Menschen oder Maschinen zu vermeiden. Jeder zusätzliche Kontakt kann kritische Kontrollpunkte ergeben. Vor der Verpackung werden die Eier maschinell mit dem Erzeugercode versehen. Anschließend liefert unser eigener Fuhrpark die Ware an Einzelhandel und Gastronomie, während Großhändler:innen die Produkte direkt am Warenausgang abholen.«
Über welche Kanäle vermarktet ihr eure Eier?
»Der Grosserhof setzt bewusst auf eine breite Vermarktung – vom Hof-laden über Gastronomie und Wiederverkäufer:innen bis hin zum Großhandel und größeren Geflügelbetrieben.«
Wie viel Arbeit steckt hinter der Eiervermarktung?
»Im Gesamtbetrieb fallen rund 21.000 Arbeitsstunden an. Ein großer Teil davon wird von der Familie selbst sowie von unseren Mitarbeitenden getragen. Externe Dienstleistende werden möglichst wenig eingesetzt, um Qualität und Kontrolle entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu gewährleisten.«
Welche Herausforderungen muss euer Betrieb aktuell meistern?
»Besonders die volatile Nachfrage und der Wettbewerbsdruck durch staatlich geförderte Stallanlagen erschweren die Preisgestaltung zunehmend. Dem begegnen wir mit geschlossenen Wertschöpfungsketten und regionalen Kreisläufen.«
Warum bevorzugen Kundinnen und Kunden die Eier eures Betriebs?
»Der Familienbetrieb sieht die Gründe vor allem in ehrlicher Kommunikation, der langen Marktteilnahme – seit 1989 – und einem authentischen Auftritt. Die Kund:innen erleben oft, dass nicht drin ist, was die Verpackung vespricht. Transparenz und unsere Eigenleistung schätzen viele Kund:innen.«
Welche Bedeutung hat für euch das Thema Bruderhahn?
»Die Bruderhahn-Aufzucht ist für uns nach wie vor ein bedeutendes Thema, an dem wir bewusst festhalten. Für uns führt aktuell noch kein Weg am Bruderhahn vorbei. Die Aufzucht männlicher Küken gehört weiterhin zu unserem Konzept.«
Welche Herausforderungen ergeben sich aus Bruderhahn- oder ähnlichen Konzepten?
»Damit Tierwohl-Konzepte langfristig funktionieren, brauche es eine solide Finanzierung und die Unterstützung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Ohne Endkundschaft, Wiederverkäufer:innen und Großhändler:innen bleibt ein Konzept schnell in der Nische. Gerade kleinere Betriebe stünden dadurch oft vor wirtschaftlichen Herausforderungen.«
Wie erlebt der Grosserhof die Nachfrage nach Bruderhahnprodukten?
»Wir beobachten eine steigende Preissensibilität bei Verbraucher:innen. Die Nachfrage nach Bruderhahnprodukten ist seit einigen Jahren rückläufig. Viele Kund:innen probierten die Produkte zwar aus, blieben ihnen jedoch selten langfristig treu.«
Welche Entwicklungen erwartet euer Betrieb für die Zukunft?
»Für die Zukunft sehen wir vor allem die Kaufkraft der Verbraucher:innen als entscheidenden Faktor. Zweinutzungshühner seien grundsätzlich realistisch, wirtschaftlich aber nur tragfähig, wenn Kund:innen bereit seien, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben.
Aktuell gehe die Entwicklung eher in Richtung Früherkennung männlicher Küken, um Kosten und Ressourcen einzusparen. Trotzdem versteht der Grosserhof den aktuellen Stand weiterhin als »einen Schritt auf dem Weg zum Zweinutzungshuhn«.
Grosserhof
Pfarrkofen 1, 84030 Ergolding
www.grosserhof.de
