Champignons: Etagenwirtschaft mit Sonderkulturen

So platzsparend kann Landwirtschaft sein! Die Pilze der Erzeugergemeinschaft Pilzland wachsen in der Halle auf bis zu sechs Etagen. Drei der Pilzland-Standorte sind mittlerweile Biokreis-zertifiziert – sofinden sich Bio-Champignons mittlerweile in vielen Lebensmittel-Geschäften.
Kommt man in die Hallen, dann ist es erst einmal feucht – die Luftfeuchtigkeit liegt bei ziemlich genau 80 Prozent. Klar, denn auch im Wald wachsen Pilze besonders gerne im Herbst, wenn die trockene Sommerhitze vorbei ist. Nichts anderes passiert in den Pilzland-Produktionen. Die Temperatur beträgt dabei gleichmäßig 18 Grad, dann wachsen die Champignons am besten. Einmal gibt es einen kleinen Kälteschock, dann wird die Temperatur etwas heruntergeregelt: »So signalisieren wir dem Pilz, dass der Herbst beginnt und damit seine Wachstumszeit«, berichtet Andre Uhlhorn, der in der Pilzland-Zentrale die Produktion und auch den Vertrieb im Blick hat.
Bevor es losgeht mit dem Pilzwachstum, startet der Produktionskreislauf in der Nachbarschaft einer der drei Bio-Hallen. Denn Pilzland stellt sein Substrat selbst her, der geimpfte Kompost wird dann in den Indoor-Beetflächen verteilt. Das Champignon-Myzel startet in der Aufzuchthalle das Wachstum, nach zwei Wochen werden die Beete in die Erntehalle umgelagert. Dann wachsen so langsam die Knöpfe, die Früchte, aus dem Boden. Eine Woche lang werden die dann geerntet. »Der Handel wünscht einen Pilz mit einer Hutgröße von drei bis fünf Zentimetern«, so Uhlhorn. Manches kann man mittlerweile maschinell erledigen, die Ernte, die bleibt echte Handarbeit – und damit auch echte Wertarbeit. Doch auch bei der Ernte hält so langsam der Fortschritt Einzug, da wird in den Pilzland-Hallen immer wieder experimentiert. Mal neigen sich die Stellagen mit den Pilzen, damit das Ernten nicht gar so mühsam ist. Mal hilft eine Maschine – nicht bei der Auswahl der zu erntenden Pilze, aber bei der Zu-Arbeit. Das geht dann ein wenig schneller.
Immerhin verlassen so pro Woche rund 50 Tonnen Biokreis-Champignons die Hallen, das sind schon zehn Prozent der gesamten Pilzland-Produktion. Die werden dann möglichst regional verteilt – die bayerische Produktion versorgt Bayern und Baden-Württemberg, die niedersächsische Produktion auch noch Teile von Nordrhein-Westfalen und die Produktion in Brandenburg ist für den Osten der Republik zuständig.
Während die Pilze vor Ort ins Schälchen gepackt, foliert und verteilt werden, wird in der Halle nach der kompletten Ernte desinfiziert. Hierbei nutzt der Bio-Betrieb statt chemischer Substanzen ganz einfach Hitze. Die Hallen werden auf rund 70 Grad Celsius aufgeheizt, das tötet Schädlinge ab.
Anders als andere Pilze, die erst nach dem Erhitzen genießbar sind, können Champignons roh verzehrt werden. Die Pilze sind reich an Ballaststoffen. Sie enthalten Zink, Selen, Magnesium und Kalzium, aber auch wichtige B-Vitamine. Mit 100 g Champignons sollen 24 % des Tagesbedarfs an Vitamin B2, 18 % Vitamin B3 und 15 % B6 gedeckt werden können. Frische Champignons erkennt man daran, dass die Haut zwischen Kopf und Stiel nicht aufgerissen ist.
Derweil findet der Champost dankbare Abnehmer:innen in der Landwirtschaft der Umgebung, die wiederum das Stroh liefert, mit dem das Pilzland-eigene Substrat erzeugt wird. So beginnt der Kreislauf wieder von vorn.
Übrigens: Auch wenn sich Pilzland auf Champignons konzentriert hat, werden in den Betrieben auch Bio-Kräuterseitlinge oder Shitake-Pilze produziert. Und weil in Etagen gearbeitet wird, ist für den Einstieg in die Bio-Pilzproduktion keine riesige Produktionshalle notwendig. Auch das ist eigentlich ein tolles Argument – wenig Platzbedarf, trotzdem guter Output!
Der Autor Peter Schmidt ist Ökolandwirt und Vorstand des
Biokreis Erzeugerring NRW und Niedersachsen e.V.