Blattgemüse: Grüne Kraftpakete

Blattspinat auf den Feldern von Biokreis-Vorstandsvorsitzendem Thorsten Block
In der modernen Landwirtschaft nimmt der Anbau von verschiedenen Sorten an Blattgemüsen als Sonderkultur eine Schlüsselrolle ein. Sonderkulturen, zu denen neben Obst, auch Wein und Erdbeeren zählen, gehört explizit auch der Salatanbau. Dieser verzeichnete zuletzt ein deutliches Wachstum, insbesondere im Biobereich.
Während der klassische Kopfsalat an Fläche verliert, gewinnen innovative Sorten wie Romana Mini, Portulak, Rucola, Spinat und bunte Salate wie Lollo-Salate, Eichblattsalat und Batavia mehr und mehr an Bedeutung.
Die Gesamtanbaufläche für Salate in Deutschland liegt bei fast 13.000 Hektar – der jährliche Pro-Kopf-Verzehr an Salat liegt bei 5,1 Kilogramm.
Durch den gesteigerten Verzehr wurden in diesen Bereichen in den letzten Jahren Rekorderträge erzielt. Allerdings stehen diesen Erträgen enorme Herausforderungen wie Betriebs- und Lohnkosten gegenüber.
Neue Anbautechniken und Standortanforderungen
Blattsalat (Lactuca sativa) stellt hohe Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit und das Wasser-Management. Ideale Bedingungen für Blattsalate sind gleichmäßig feuchte Böden in sonnigen bis halbschattigen Lagen mit humusreichen und gut durchlüfteten Böden. Hitze und unzureichende Bewässerung bringt den Salat schnell zum »Schossen« (Bildung von Blütenständen) was den Salat unbrauchbar macht. Neue Züchtungen setzen daher verstärkt auf Hitzetoleranz.
Hinter dem Anbau ohne Erde (Hydroponik) steht ebenfalls ein wachsender Trend. Bei dieser Methode wachsen Salate in Nährstofflösungen, was ein schnelleres Wachstum und eine bessere Kontrolle der Nährstoffzufuhr ermöglicht.
Der Anbau in der Deep-Water-Kultur, welche auf schwimmenden Platten erfolgt, birgt eine effizientere Flächennutzung sowie eine Vermeidung von bodenbürtigen Krankheiten.
Wachsende Herausforderungen im Anbau
Salat benötigt gleichmäßige Feuchtigkeit, sowohl Trockenheit als auch Staunässe bergen ein erhöhtes Risiko für Wurzelfäule und Pilze, was unbedingt zu vermeiden ist.
Dazu kommt ein immer weiter zunehmender Wassermangel, welcher effizientere Bewässerungssysteme erfordert. Inzwischen werden Innovative Ansätze wie die Agroforstwirtschaft (Salatanbau unter Bäumen) erprobt. Diese Methode dient der Beschattung der Produkte sowie dem Erosionsschutz.
Durch den Anstieg des Mindestlohnes werden die meist handarbeitsintensiven Betriebe weiterhin durch hohe Lohnkosten finanziell belastet. Auch das Problem des Mangels an Saisonarbeitskräften ist nicht neu.
Politisch wird die Landwirtschaft derzeit nur begrenzt unterstützt, was die Situation der Landwirt:innen und Erzeuger:innen zusätzlich belastet.
Vielfalt und breite Verfügbarkeit
Die Nutzung der Flächen im Laufe des Jahres sieht eine breite Verfügbarkeit vor. Während der Freilandanbau klassisch von Mai bis Oktober erfolgt, ermöglicht der geschützte Anbau in Gewächshäusern die Produktion in den Übergangsmonaten März/April und November/Dezember.
Als spezielle Form des Blattsalates wird der Feldsalat gerne als Zweitkultur genutzt. Die Aussaat erfolgt meist im Herbst auf kalkhaltigen und humosen Böden, die Ernte erfolgt dann bis in den Winter hinein und füllt die Holzkisten von Direktvermarktern und Bioläden.
Anbau von Blattspinat
Hof Block aus Norddeutschland betreibt den Anbau von Blattspinat als Sonderkultur bereits seit Jahren erfolgreich auf einer Fläche von 15 Hektar im Wechsel mit anderen Kulturen.
»Der Anbau von Blattspinat ist eine der arbeitsintensivsten Kulturen, die ohne Fremdhilfe kaum zu bewältigen ist«, so Thorsten Block vom Biokreis. »Dennoch kann der Anbau von Blattspinat monetär sehr attraktiv sein, da ein Ertrag bis zu 22 t/Hektar erzielt werden kann«, erklärt Block weiter.
Eine bewährte Anbaumethode im Gemüseanbau ist das sogenannte »Blinde Saatbeet«, um Beikräuter vor der Aussaat der Kulturpflanze effektiv zu dezimieren. Nachdem die Unkräuter gekeimt haben, werden sie zum exakt richtigen Zeitpunkt – möglichst einen Tag vor der Aussaat – abgeflämmt, um den Pflegeaufwand während des Wachstums zu minimieren.
»Dann wird die Saat daumentief eingebracht und bei regelmäßiger Bewässerung und optimalen Temperaturen können nach 4 bis 8 Wochen bereits die ersten Blätter geerntet werden«, so Block.
Blattspinat ist ein schnellwachsender Kaltkeimer, der sich gut als Vor- oder Nachkultur eignet.
Regulierung statt Eliminierung
Beikräuter, allgemein bekannt als Unkräuter, nehmen im Biobereich einen besonderen Platz ein. Hierbei handelt es sich z. B. um Pflanzen wie Vogelmiere, Franzosenkraut oder der Klatschmohn, welcher sich oft als klassischer Begleiter auf Getreidefeldern findet.
Da bei Bio der Einsatz chemisch-synthetischer Herbizide strikt untersagt ist, rückt die Beikraut-Regulierung (statt -Vernichtung) ins Zentrum sämtlicher Biobetriebe.
Das Ziel der Beikräuter-Regulierung ist aber nicht der »saubere« Acker, sondern ein Gleichgewicht des gesamten Ökosystems, welches gleichzeitig auch die Biodiversität fördert, indem Nahrung für Insekten und Vögel bereitgestellt wird.
Die Methoden der Beikräuter-Regulierung basieren auf einem Zusammenspiel aus vorbeugenden und direkten Maßnahmen. Bei den vorbeugenden Maßnahmen werden zum Beispiel die spezifischen Unkräuter durch wechselnde Kulturen in ihrem Wachstum und in der Verbreitung gestört.
Zu den direkten, mechanischen Maßnahmen gehören das Striegeln, das Herausreißen der Beikräuter im frühen Fädchen-Stadium oder das gezielte Bearbeiten der Zwischenräume durch Hacken. Ebenso geläufig ist das Abflammen, eine thermische Methode, um Unkrautsamen kurz vor dem Auflaufen der Kultur abzutöten.
Spezielle Robotersysteme für verschiedene Kulturen und Betriebsgrößen sind hier im Einsatz. So sind solarbetriebene Feldroboter bereits in der Lage, neben Säen und Hacken durch das sogenannte »Blindstriegeln« Beikräuter zu erkennen und zu regulieren, bevor sie für unser Auge sichtbar sind.
Mit künstlicher Intelligenz (KI) gesteuerte Roboter kennen inzwischen über 120 Pflanzenarten und können innerhalb von Millisekunden Nutzpflanzen von Beikräutern unterscheiden und diese punktgenau mit mechanischen Schwenkarmen entfernen.
Auch im ökologischem Ansatz gibt es Arten mit »Nulltoleranz«, die bei starker Ausbreitung den Ertrag massiv gefährden, wie etwa die Ackerdistel, Quecke oder der Ampfer. Hier sind tiefgreifende Bodenbearbeitungen notwendig, um diese Problemkräuter in ihrer Ausbreitung zu hemmen.
Der Ökolandbau beweist, dass Ertragssicherheit und Biodiversität Hand in Hand gehen können. Wer Beikräuter als steuerbaren Teil des Ökosystems versteht, ebnet den Weg für eine Landwirtschaft, die sowohl zukunftsfähig als auch im Einklang mit unseren natürlichen Ressourcen steht.
Die Autorin Annette Schmelzer ist Geschäftsführerin des
Biokreis Erzeugerring NRW und Niedersachsen e.V.