Bio-Umstellung: Mit einem Kreuz fängt alles an

Formaljuristisch muss es seine Ordnung haben: Wer auf seinem Landwirtschaftsantrag das Kreuz vergisst, dass der Betrieb künftig nach den Öko-Kriterien bewirtschaftet wird, der hat den Startschuss verpasst. Denn mit der Abgabe des Landwirtschaftlichen Förderantrages werden die Weichen gestellt.
Ist der Antrag bereits eingereicht, kann bis zum 15. Mai nachgebessert werden. Dann aber gilt, was eingereicht ist. Es folgt ein klarer Ablauf: Bis zum 30. Juni ist der Erstantrag auf Förderung des Ökolandbaus bei den Landwirtschaftsämtern und -kammern zu stellen. Im Laufe des restlichen Jahres muss eine Kontrollstelle gefunden und der Kontrollvertrag unterzeichnet werden. Am 1. Januar des kommenden Jahres startet dann die Umstellungszeit. Bei Bedarf auch eher, frühestens mit Unterschrift unter dem Kontrollvertrag.
Sinn macht während der gesamten Zeit eine fundierte Begleitung. Denn gerade bei Sonderkulturen ist es nicht immer ganz einfach. Während die Grünland-Bäuerinnen und -Bauern ganz genau wissen: Nach zwei Jahren ist meine Weide öko, ist dies im Bereich Sonderkulturen etwas komplexer.
Die Umstellungszeiten weichen teilweise ab – nur ein Beispiel: Beerenobst-Sträucher. Hier gilt eine Umstellungszeit von drei Jahren. Da kann es sinnvoll sein, früher als üblich »ungefördert« zu starten und bereits im Sommer mit der Umstellungszeit zu beginnen. Damit die Himbeeren wirklich in drei Jahren zur Ernte als Bio-Beere angeboten werden können. Startet man zu spät, ist die Ernte in drei Jahren als Bio-Ernte verloren und muss bestenfalls als Umstellungsware vermarktet werden.
Selten bei Sonderkulturen, traditionell eher bei tierhaltenden Betrieben, ist eine Umstellungszeit unter zwei Jahren möglich.
Da jede Umstellung auf den Ökolandbau nur dann funktioniert, wenn es auch eine wirtschaftliche Vermarktung gibt, steht der Biokreis umstellungsinteressierten Betrieben auch hierbei zur Seite. Offiziell können Betriebe zwar nur Mitglied werden, wenn der Kontrollvertrag unterschrieben ist. Aber da hierzu auch erhebliche Vorüberlegungen gehören, begleitet der jeweilige Erzeugerring die umstellungswilligen Betriebe zudem in der Planungsphase.
Und klar ist ebenso: Nicht jeder Berater, jede Beraterin kann sich mit allen Facetten – besonders der Sonderkulturen – auskennen. Denn das Wissensspektrum beginnt vom Pflanzgut bis hin zur effizienten Vermarktung. Hier helfen funktionierende Netzwerke – Biokreis kennt Spezialberater:innen. Die Vermarktung kann dank der engen Vernetzung mit den Verarbeitungsbetrieben gestärkt werden.
Also: Eine Begleitung durch den Biokreis lohnt schon vor dem Start der Umstellung.
Der Autor Peter Schmidt ist Ökolandwirt und Vorstand des
Biokreis Erzeugerring NRW und Niedersachsen e.V.