Aronia: Die genügsame Gesundheitsbeere 

Von Gastautor:in | Gepostet am 01.04.2026

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Was nur mit diesen Flächen machen?« – Vor knapp zehn Jahren pachtete Klaus Honerkamp in Melle in Niedersachsen die Fläche eines kompletten Betriebes dazu – das meiste ließ sich wunderbar ackern und machte Sinn im Betriebskonzept. Und dann waren da noch rund 13 Hektar, für einen gut aufgestellten Ackerbaubetrieb nicht wirklich geeignet. Schon die Vorpächter hatten da Dauergrünland und Blühstreifen fröhlich abgewechselt, gerade so, wie es für die Prämien-Optimierung sinnvoll schien. Rund 3,5 Hektar, unterteilt in mehrere Flächen, mal nass, mit wechselnden Bodenqualitäten, waren als Dauergrünland eingestuft.  

Das muss doch auch anders gehen, dachte sich Klaus Honerkamp – und nachdem am Anfang das Kleegras noch die Frucht der Wahl war, kam die Idee: Aronia, das könnte doch was sein! 

Aronia, die Beere der Indigenen Amerikas, gilt als nicht so problematisch im Anbau. Und ist bei der Verbraucherschaft durchaus im Trend, gilt sie doch als besonders gesund.  

Während einer Reise durch Polen besuchte er die Region Lublin, eine Aronia-Hochburg. Dort organisierte er rund 7.000 Pflanzen, fast die Hälfte von dortigen Baumschulen, den Rest aus Aronia-Plantagen, deren Nutzung mittlerweile aufgegeben war. »Dort ist der Aronia-Hype vorbei.«  

Der Weg in den Osten war durchaus logisch und historisch erklärbar. Denn der russische Botaniker Iwan Wladimirowitsch Mitschurin brachte die Aronia um 1900 aus Nordamerika nach Russland – und züchtete gleich weiter, um eine für russische Verhältnisse geeignete Gesundheitsbeere zu schaffen. Die von ihm geschaffenen frostresistenten und durchaus ertragreichen Sorten waren die Basis für die Aronia-Plantagen in Russland – über Polen kam die blaue Beere dann auch in die DDR, darum gibt es bis heute Aronia-Anbau-Schwerpunkte rund um Bautzen und Schirgiswalde in Sachsen oder auch in Brandenburg. Mittlerweile aber hat die Beere auch ihre Heimat im Westen Deutschlands gefunden – auch auf rund 3,5 Hektar bei Klaus Honerkamp in Melle. 

Gepflanzt hat Klaus Honerkamp die Beerensträucher in Reihen mit rund vier Metern Abstand. »Im Dezember haben wir das Kleegras gefräst und da die neuen Sträucher gesetzt«. Da die Beere ja an sich robust und widerstandsfähig ist, mussten nicht besonders viele Zusatzarbeiten geleistet werden. Aber 7.000 Pflanzen im niedersächsischen Regenwinter in die Erde zu bringen, das war weder für ihn noch für seine Mitarbeitenden eine Freude. Im ersten Jahr musste dann die Pflanzstrecke unkrautfrei gehalten werden, was letztlich nur mit viel Handarbeit zu bewältigen war. 

Aronia sind reich an sekundären Pflanzenstoffen, antioxidativ (z.B. entzündungshemmend) wirken Inhaltsstoffe wie Anthocyane und Proanthocyane. Die Beeren enthalten viele Vitamine und unterstützen darum das Immunsystem (Vitamin C), Kalium ist gut die Herzgesundheit, Eisen braucht es für den Sauerstofftransport im Körper. Die Folsäure ist an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt und Zink stärkt unter anderem die Abwehrkräfte. Mit in der Beere aber auch die Vitamine A, E und K, verschiedene B Vitamine. Wichtig: Roh verzehrt sollte mensch nur kleinere Mengen zu sich nehmen, da die Beeren in geringen Mengen Blausäure enthalten. Bei verarbeiteten Aronia-Produkten ist dies nicht gesundheitsschädlich, bei rohen Beeren möglicherweise schon.

Doch heute ist die Handarbeit nur noch Erinnerung. Die Sträucher wachsen dicht, unerwünschte Kräuter haben da kaum Chancen. Die Pflege der Flächen ist nicht so schwierig – das Grün wird regelmäßig gemulcht, da Honerkamp für den Aufwuchs eigentlich keine wirtschaftliche Verwendung hat. Direkt an den Sträuchern wächst vielleicht mal eine Brennnessel – aber die bleibt, dafür muss keiner vom Schlepper absteigen. Wenn die Sträucher einmal geschnitten werden müssen, fährt Honerkamp mit der Heckenschere entlang der Sträucher. So entstand eine extensive Aronia-Plantage, die robuste Beere soll mit wenig Aufwand ihren Ertrag bringen. 

Und was im Anbau recht einfach ist – wenn die Pflanzen einmal stehen –, das ist in der Vermarktung schon eher eine Herausforderung. Denn Aronia als Beere in der Schachtel zu verkaufen ist nicht die Lösung. Ein süßer Genuss sind die Beeren leider nicht. Sie sind herb und laufen eher unter Arznei. Und der Aronia-Markt ist klar strukturiert – Abnehmer:innen gibt es nur wenige. Im Westen der Republik ist es der Safthersteller aus Unkel in Rheinland-Pfalz. Viele Erzeuger:innen schließen mit dem Safthersteller einen Abnahmevertrag ab – damit sind viele Aronia-Beeren im Westen bereits verkauft. 

Den Weg hat auch Klaus Honerkamp versucht – doch das hat nicht geklappt, aus heutiger Sicht zum Glück. Im ersten Erntejahr nämlich hat er Lehrgeld gezahlt. Eine Maschine zum Abkämmen wurde geliehen und die geernteten Beeren nicht schnell genug auf vier Grad heruntergekühlt. Pech: Bei der Anlieferung in Unkel gärte die Masse wegen der zu langsamen Kühlung ein wenig vor sich hin und die Annahme wurde verweigert. Da bekam dann die Biogasanlage die Beerenfracht. 

Doch aus dem Missgeschick hat Honerkamp gelernt – seit dem vergangenen Jahr wird stärker gekühlt. Damit ist die Fracht superfrisch. Jetzt fährt Honerkamp die Beeren zu der Mosterei von Joachim Barteldrees in Halle/Westfalen. Als ausgelagerte Produktionsstätte lässt er dort Aronia-Saft in Bio-Qualität pressen. Im vergangenen Jahr wurde dort seine komplette Ernte verpresst, rund 3.500 Flaschen bester Biokreis-Saft, safttypisch in 0,7-Liter-Flaschen abgefüllt. 

Die gab es im weihnachtlichten Biokreis-Gewinnspiel und werden jetzt auch Schritt für Schritt im regionalen Einzelhandel angeboten. Dafür nutzt Honerkamp die Kontakte, die er dank seiner engagierten Eier-Vermarktung hat. Wo es also Honerkamps Landeier gibt, da stehen jetzt auch die Bio-Aroniasaft-Flaschen im Regal. Weil der Saft eben kein zuckersüßer Drink ist, schult Honerkamp die Auszubildenden der regionalen Edeka-Geschäfte: »Aronia schmeckt immer dann, wenn man es auch ein wenig als Medizin akzeptiert.« Ein etwas bittersüßes Superfood also, das bei Klaus Honerkamp morgens oft im Müsli landet.  

Aronia ist ein beratungsintensives Produkt – wer aber Vermarktungsideen hat und die Wertschöpfungskette unabhängig organisieren kann, für den kann die Beere eine interessante Perspektive sein – Möglichkeiten gibt es mehr als nur den reinen Saft: Mischsäfte, Brotaufstriche, getrocknete Beeren, Tees und anderes mehr. 

Der Autor Peter Schmidt ist Ökolandwirt und Vorstand des
Biokreis Erzeugerring NRW und Niedersachsen e.V.

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