Und täglich grüßt das Murmeltier

Biofach 2026
Ähnlich wie der Tag den Bill Murray 1993 immer und immer wieder durchstehen musste, könnte man die Biofach in Nürnberg, mit all ihren Talks und Foren, auch als eine Art wiederkehrende Herausforderung bezeichnen. Produkttrends werden ausgerufen, Projekte vorgestellt, Rahmenbedingungen geschaffen – und Partys gefeiert. Nun ja.
Alois Rainer sagte
… weitgehend nichts
Luisa Neubauer heizte bei der Eröffnung ordentlich ein. Sie erinnerte daran, dass es oft kleine Momente sind, die große Bewegungen hervorrufen. Die richtigen Menschen, zum richtigen Ort, im richtigen Moment. Hoffnungslosigkeit sei ein Privileg. Eines welches wir uns nicht leisten dürfen und sollten. Alois Rainer gelang es nicht die Vibrationen im Raum aufzunehmen und mitzuschwingen oder gar auf ihnen zu surfen. Vielmehr sagte er … weitgehend nichts.
Es folgten vier Tage intensiver Austausch mit Bios aus allen Himmelsrichtungen. Vieles davon interessant – einiges davon sehr. Der Biokreis lud zum ersten Mal gemeinsam mit dem BNN und Bioland zum gesellschaftlichen Highlight der Woche ein: dem BNN Come-Together. 600 geladene Gäste, das Who is Who der Bio-Branche, samt Würdenträger:innen aus Politik und Wirtschaft. In der 25-jährigen Geschichte des Traditionsabends eine Premiere. Elisabeth Werner, Generaldirektorin der DG Agri in Brüssel und in dieser, ihrer, Funktion unser politischer Top-Gast an dem Abend, hörte sich unsere Plädoyers gegen die NGT-Deregulierung sowie für eine ehrliche, resiliente und real nachhaltige ökologische Landwirtschaft an. Nicht nur Werner, sondern auch wir vom Biokreis erinnerten an die Kraft und die Erfolgsgeschichte des deutschen Bio-Logos (welches dieses Jahr 25. Jubiläum feiert). Dies illustriert, wie wichtig es ist an einer klar regulierten und strengen EU-Öko-Verordnung sowie an den darüberstehenden Verbandsrichtlinien festzuhalten. Diese Instrumente differenzieren uns – auch im Markt – ganz klar im Vergleich zu anderen rahmenlosen und offenen Begrifflichkeiten wie beispielsweise ›regenerativ‹ oder ›fair‹. Wir werden uns, als Biokreis und als Branche, diesem Machtspiel stellen – denn es ist ein Spiel, ein Spiel um Platz im Regal, um Argumente die höhere Herstellkosten rechtfertigen und vor allem aber ein Ringen um gesunden Umgang mit Boden, Tier und Natur im Allgemeinen. Nur Bio ist Bio!
Während Biofach knapp 30.000 und IGW etwa 240.000 Besuchende jährlich begrüßen, freut sich der Salon de l’Agriculture in Paris Jahr für Jahr über 650.000 Besuchende. Thorsten Block und ich gehörten dieses
Jahr ebenfalls dazu. Dem Bio-Markt im Land des Rotweins geht es prächtig. Der Fachhandel erlebt eine Renaissance und auch im dortigen LEH greifen Kund:innen immer häufiger zu Bio. Politisch sieht es allerdings anders aus: Rückenwind gibt es keinen aus Paris – nur Gegenwind. Subventionen gibt es immer weniger, Kommunikationsmaßnahmen werden deutlich runtergefahren und generell scheint der zentralisierte Apparat kein großes politisches Interesse an ökologischen Themen zu haben. Eine gefährliche Parallele zu uns. Lösungen werden europäischer Natur sein.
