Rückstände – Sauberes Wachs, reiner Honig, gesunde Bienen

Honig gilt seit jeher als Sinnbild für Naturreinheit. Doch was im Glas so selbstverständlich und unverfälscht erscheint, ist das Ergebnis eines komplexen Ökosystems. Bienen sammeln Nektar und Pollen in einer Landschaft, die zunehmend von unterschiedlichsten chemischen Stoffen geprägt ist. Pflanzenschutzmittel, auch sogenannte ubiquitäre Umweltchemikalien und Rückstände wie Tier-Arzneimittel können durch die Imkerei selbst in den Bienenstock gelangen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Bienenwachs zu.
Die Wabe: Kinderstube, Vorratskammer und Gedächtnis
Bienenwachs ist ein organisches Fettgemisch und damit ein hervorragender Speicher für fettlösliche, sogenannte lipophile Stoffe. Einmal eingetragene Rückstände können sich im Wachs über lange Zeit halten. Besonders problematisch ist dabei der geschlossene Wachskreislauf, eine durchaus übliche Praxis: Waben werden eingeschmolzen, das Wachs wird zu neuen Mittelwänden verarbeitet und gelangt anschließend so wieder ins Bienenvolk.
So können sich Rückstände aus früheren Anwendungen über Jahre im Wachskreislauf erhalten und anreichern. Da dies weder sichtbar noch am Geruch festzustellen ist, fällt dies kaum auf, kann sich aber langfristig zu einem Problem für Bienen, Brut und die Qualität der Bienenprodukte entwickeln.
Sauberes Wachs beginnt deshalb nicht erst bei der Analyse. Es beginnt mit der Frage, woher das Wachs stammt, wie es gewonnen und verarbeitet wird und welche Stoffe im Bienenvolk überhaupt eingesetzt werden. Und selbstverständlich mit der Trennung in altes und frisches Wachs.
Für die Öko-Imkerei bedeutet das: Rückstandsvermeidung am Ursprung ist eine zentrale Vorsorgemaßnahme.
Biokreis: aus Erkenntnis wird Veränderung
Der Biokreis hat als Pionier auf diesem Gebiet bereits vor zehn Jahren die Rückstandsproblematik intensiv aufgegriffen. Eigene tiefere und breitere Untersuchungen, Imkertage und der fachliche Austausch, unter anderem mit dem Bienenforscher Prof. Menzel, schärften den Blick für die Ursachen. Sie führten unter anderem zum Forschungsprojekt »Verunreinigungen und Rückstände in Bienenwachs« der Universität Regensburg.
Die intensive Beschäftigung und dem Abbild in den Richtlinien hat bei den Biokreis-Imkereien viel bewegt. Bei Honig bilden Rückstandsfunde inzwischen die absolute Ausnahme – das ist ein großer Erfolg.

Die intensive Beschäftigung und dem Abbild in den Richtlinien hat bei den Biokreis-Imkereien viel bewegt. Während bei früheren Untersuchungen teilweise noch eine Vielzahl unterschiedlichster Rückstände im Wachs, teils auch im Honig nachgewiesen wurden, zeigen aktuelle Analysen vielfach deutlich weniger Befunde. Bei Honig bilden Rückstandsfunde inzwischen die absolute Ausnahme – das ist ein großer Erfolg.
Entscheidend ist ein konsequentes Wachsmanagement: ein nachvollziehbarer, möglichst unbelasteter offener Wachskreislauf, die sorgfältige Auswahl des Ausgangswachses und die Sensibilität für mögliche Eintragsquellen. Dazu gehört insbesondere auch der kritische Blick auf die eigene imkerliche Praxis und Analyse.

Sauberes Wachs ist damit weit mehr als ein Qualitätsmerkmal. Es schützt die Bienen und ihre Brut und trägt dazu bei, dass Honig das bleibt, was Verbraucherinnen und Verbraucher von einem Bio-Produkt erwarten: ein möglichst unverfälschtes Naturprodukt.
von Marc Schüller, Biokreis-Imkerberater Süd