Liebe Biokreis-Mitglieder, liebe Leserinnen und Leser,

ich freue mich sehr, als Vorsitzender von Ecovin und Winzer im Weinbaugebiet Nahe einige Gedanken zum ökologischen Weinbau beisteuern zu dürfen.
Der Bundesverband ökologischer Weinbau mit seinem Warenzeichen Ecovin vertritt ausschließlich ökologisch zertifizierte Weinbaubetriebe in Deutschland. Im Verband sind rund 200 Mitgliedsbetriebe mit etwa 1.700 Hektar Rebfläche organisiert. Damit ist Ecovin ein anerkannter Fachverband, der von Politik und Behörden als kompetenter Ansprechpartner wahrgenommen wird.

Ein kluger Mann, Graf Bothmer, ließ über dem Eingang von Schloss Bothmer in Mecklenburg sein Lebensmotto in lateinischer Sprache verewigen: »Bei allem, was du tust, bedenke das Ende.« Für mich trifft dieser Satz genau den Kern dessen, was uns alle verbinden sollte.
Es ist hilfreich, von Zeit zu Zeit innezuhalten und sich einige grundlegende Fragen zu stellen: Wo kommen wir her? Wo stehen wir heute? Und wo wollen wir hin?
Was waren die Ursprünge des ökologischen Gedankens? Oder müssen wir die Frage vielleicht umdrehen? Haben wir im Zuge von Technisierung und Industrialisierung den Blick für die Zusammenhänge der Natur verloren?
Gerne führe ich dazu das Beispiel der über 3.000 Jahre dauernden Hochkultur Ägyptens an, die vom Ackerbau geprägt war. Vergleicht man dies mit den Schäden, die in den vergangenen 150 Jahren weltweit an Böden und Natur durch moderne Formen der Landwirtschaft entstanden sind, ist das für mich durchaus erschreckend.
Zum Glück gibt es bei allem Unheil auch Gegenbewegungen. So wurden bereits vor mehr als 100 Jahren die ersten Bioverbände gegründet. Dennoch hat man oft den Eindruck, dass sich die ökologische Wirtschaftsweise in der Praxis noch immer schwertut.
Im Weinbau zeigt sich dabei ein differenziertes Bild: Für selbstvermarktende Weingüter wird die ökologische Bewirtschaftung zunehmend selbstverständlich. Betriebe hingegen, die für Kellereien oder den Lebensmitteleinzelhandel produzieren, stehen häufig vor dem Problem, dass die erzielten Erlöse unter den Produktionskosten liegen. Die Situation ähnelt damit in vielerlei Hinsicht den Herausforderungen der Landwirtschaft insgesamt.
Unser Boden ist unsere wichtigste Lebensgrundlage. Uns Biobäuerinnen und Biobauern ist das bewusst. Auch im Weinbau beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, wie die Qualität unserer Lebensmittel und unserer Weine durch vitale, bioaktive Böden verbessert werden kann.
Aus diesem Grund haben wir 2024 das Praxisnetzwerk Regenerativer Weinbau gegründet. Dort kommen Winzerinnen und Winzer regelmäßig zusammen, um sich über Themen wie Begrünungsvielfalt, Bodenfruchtbarkeit und die Gesundheit der Reben auszutauschen. Dabei spielt unter anderem die Pyramide der Pflanzengesundheit eine wichtige Rolle.
Wenn ich an Qualität denke, meine ich vor allem Genussqualität. Und genau das verbindet uns Biobäuerinnen und Biobauern. Unser Antrieb ist es doch, genussreiche und hochwertige Lebensmittel wachsen zu lassen. Unser Wohlbefinden, unser Denken und unser Miteinander werden von dem beeinflusst, was wir täglich zu uns nehmen.
Deshalb tragen wir aus meiner Sicht eine hohe gesellschaftliche Verantwortung. Vielleicht müssen wir diesen Beitrag noch deutlicher kommunizieren und stärker sichtbar machen.
Angesichts vieler Entwicklungen auf der Welt könnte man manchmal verzweifeln. Ein guter Freund hat mir dazu einmal gesagt: »Wenn jeder bemüht ist, in seinem Umfeld die Welt ein Stück besser zu hinterlassen, wird es gut werden.«
Dieser Gedanke gibt mir Zuversicht. Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie die Herausforderungen des Alltags annehmen können, den Geist bewahren, der uns trägt und das Vertrauen darauf, dass es gut werden kann. Und natürlich immer ein gutes Glas Biowein.
Herzlichst
Ihr Georg Forster
Vorsitzender ECOVIN Bundesverband Ökologischer Weinbau