Lavendelhonig oder der Duft nach Urlaub

Der oberbayerische Biokreis-Betrieb Adelstraß von Matthias Tafelmeier ist einer der wenigen in Deutschland,
wo Lavendel großflächig blüht. Bild: Tobias Köhler
Wenn der Lavendel blüht, liegt ein unverwechselbarer Duft und ein unvergleichliches Licht über der Landschaft: würzig, floral und angenehm warm. Daneben eine summende Stille von eifrigen, friedlichen Bestäubern.
Diese Pflanze begeistert mich seit jeher, denn ihre leuchtende Farbe und ihre ätherischen Öle berühren fast alle Sinne. Doch die wohl edelste Art, den Lavendel zu genießen, steckt in einem Glas echtem Lavendelhonig – am besten aus den Hochlagen der Provence, etwa rund um den Mont Ventoux, und noch besser: von einer der wenigen dortigen Bio-Imkereien.
Aber diesen Sortenhonig zu ernten, ist gar nicht so einfach. Bekannt ist er vor allem aus Südfrankreich, doch auch bei uns in Deutschland wachsen mittlerweile eindrucksvolle Lavendelfelder. Damit die Bienen tatsächlich reinen Lavendelhonig herstellen, benötigen sie große, zusammenhängende Blütenteppiche. Nur wenn der Nektar der violetten Blüten ihre Hauptquelle ist, entsteht der typische Geschmack. Das macht reinen Lavendelhonig zu einer echten Besonderheit.
Geschmacklich unterscheidet er sich deutlich von anderen Blütenhonigen. Er hat ein feines, zart blumiges Aroma, das direkt an den Duft der Felder erinnert – ganz ohne aufdringlich zu wirken. Je nach Wetter und Boden kommen leicht würzige oder fruchtige Noten hinzu. Seine Farbe reicht von hellem Gold bis zu einem warmen Bernsteinton, und oft bekommt er mit der Zeit und der Kristallisation eine angenehm samtige Cremigkeit. Durch die natürlichen Inhaltsstoffe des Nektars wird ihm traditionell auch eine leicht beruhigende Wirkung nachgesagt. Er schmeckt hervorragend im Abend-Tee, auf frischem Brot oder zu mildem Käse. Auch als feiner Abschluss beim Kochen, Braten und Backen veredelt er Speisen und gibt ihnen noch einmal eine ganz besondere Note – ähnlich einem Gewürz. Das Edle des Nougats von Montélimar liegt insbesondere am hohen Anteil dieses Honigs.
Gleichzeitig ist ein blühendes Lavendelfeld ein echter Gewinn für die Natur. Zwischen Juni und Juli bieten die Blüten reichlich Nektar und Pollen. Wo der Lavendel naturnah und ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel angebaut wird, entsteht ein wertvoller Lebensraum. Neben den Honigbienen tummeln sich hier unzählige Schmetterlinge, Hummeln und Wildbienen.
So verbindet Lavendelhonig im Glas feinen Genuss mit echtem Naturschutz – und bringt ein Stück Sommer, den Duft der Provence und ein wenig Urlaubsgefühl direkt auf den Frühstückstisch.
Weitere Informationen: www.adlstrass.de
von Marc Schüller, Biokreis-Imkereiberater Süd