Flower Sprouts im Gemüsebau

Sortenwahl, Erntefenster und Ertragsleistung. Von Nadine Liebig, Bioland e.V.
Trotz steigender Beliebtheit sind Flower Sprouts, die auch als Kohlröschen oder unter dem Markennamen Kalettes® bekannt sind, hierzulande noch wenig bekannt. Während das Gemüse in England bereits fest im Einzelhandel etabliert ist, erfolgt die Vermarktung in Deutschland bislang überwiegend in der Direktvermarktung. Die kleinen, offenen Röschen sind eine Kreuzung aus Rosenkohl und Grünkohl und verbinden die krausen Blätter des Grünkohls mit der Wuchsform des Rosenkohls. Geschmacklich werden sie als mild-nussig und weniger kohlartig beschrieben und sind damit für viele Verbraucher:innen attraktiver als klassische Winterkohlsorten.
Herkunft und Züchtung
Gezüchtet wurden Flower Sprouts 1995 vom britischen Saatgutunternehmen Tozer Seeds. Das Ziel war ursprünglich, einen weicheren Grünkohl ohne harten Strunk zu züchten. Die Züchtung erfolgte klassisch über Hybridisierung – ohne Gentechnik. Bereits im Jahr 2000 wurden erste Versuchsfelder angelegt, und ab 2010 fanden die Kohlröschen ihren Weg in britische Supermärkte.
Anbau und Kulturführung
In der Kulturführung sind Flower Sprouts ähnlich dem Rosenkohl. Die Saison reicht in etwa von Oktober bis März. Die zum Teil über 1 m hohen Pflanzen bilden an den Blattachseln offene, grün bis violett-grüne Röschen.
- Aussaat: Anfang April für Pflanzung ab Mitte Mai
- Jugendentwicklung: etwas länger als bei anderen Kohlarten
- Nährstoffbedarf: Starkzehrer; zwei Kopfdüngungen (etwa 4. und 10. Kulturwoche)
- Bestandesdichte: ca. 33.000 Pflanzen/ha (z. B. 75 ×40 cm)
- Köpfen: wie beim Rosenkohl sinnvoll für gleichmäßige Röschengrößen
Flower Sprouts gelten als etwas weniger anfällig für Schädlinge und Krankheiten als Rosenkohl. Dennoch können die typischen Kohlkrankheiten wie Alternaria, Kohlhernie oder Adernschwärze auftreten und auch die im Kohlanbau bekannten Schädlinge wie Kohlfliege, Kohlweißling oder Kohlmottenschildlaus die Pflanzen befallen.
Ernte und Lagerung
Die Ernte kann maschinell erfolgen, in der Praxis wird sie jedoch meist per Hand durchgeführt. Die Röschen sollten 3–5 cm groß sein. Ein aufwendiges Nachputzen wie beim Rosenkohl entfällt in der Regel.
Gesicherte Ertragszahlen liegen bisher kaum vor. Tozer bzw. Uniseeds rechnen mit etwa 500 g pro Pflanze (ca. 120 dt/ha). Rosenkohl liegt zum Vergleich bei 150–200 dt/ha.
Zur Lagerfähigkeit gibt es ebenfalls wenig Daten. Nach Praxiserfahrungen halten Flower Sprouts als lose Ware mindestens zwei Wochen bei 1°C und hoher Luftfeuchte; am Strunk gelagert auch länger.
Praxisversuch in Niedersachsen: Untersuchung von Sorten, Erträgen und Erntezeitpunkten
Da bislang keine wissenschaftlich abgesicherten Daten vorlagen, führte die Bioland-Gemüsebauberatung Niedersachsen 2024/25 einen Feldversuch auf dem Bio-Hof Wurzelreich (Stelle-Ashausen, Landkreis Harburg) durch. Das Ziel war es, Sortenunterschiede, Ertragsverhalten, Qualität und Winterhärte zu untersuchen.
Versuchsplan
- Streifenanlage, Parzellengröße: 60 m²
- Ernteparzelle: 10 Pflanzen
- Pflanzabstand: 75 cm × 40 cm
- Aussaat: 15.04.2024
- Pflanzung: 24.05.2024
- Düngung: 150 kg/ha N + 150 kg/ha K₂O
- Erntetermine: 13.11.24, 17.12.24, 29.01.25, 19.03.25
Ergebnisse
Im Versuch konnte beobachtet werden, dass die Pflanzenentwicklung sich deutlich zwischen den Sorten unterschied. Autumn Star F1 erreichte mit durchschnittlich rund 1,20 m die größten Pflanzenhöhen, während Snowdrop F1 mit etwa 0,95 m die niedrigsten Werte zeigte. Christmas Rose F1 lag mit rund 1,05 m im mittleren Bereich.
Die Abb. 1 zeigt, dass der Erntebeginn einen erheblichen Einfluss auf die Gesamterträge der Sorte Autumn Star F1 hat. Ein früher Erntebeginn im November oder Dezember führte zu deutlich geringeren Gesamterträgen. Beginnt die Ernte erst im Dezember, steigt der marktfähige Gesamtertrag deutlich. Die höchsten Erträge werden bei einem Erntebeginn im Januar erreicht.
Beim Sortenvergleich der Einmalernte im März zeigte Autumn Star F1 mit 456 g pro Pflanze den höchsten Ertrag, gefolgt von Snowdrop F1 mit 287 g und Christmas Rose F1 mit 276 g.
Betrachtet man jedoch die Gesamterträge über mehrere Erntegänge, ergab sich eine andere Reihenfolge: Snowdrop F1 erreichte mit 763 g pro Pflanze den höchsten Gesamtertrag, gefolgt von Christmas Rose F1 mit 561 g und Autumn Star F1 mit 408 g. Snowdrop profitierte besonders von der langen Entwicklungszeit und zeigte stabilere Wintererträge.
Die Qualität der Röschen war insgesamt sehr gut. Der Anteil nicht marktfähiger Ware war gering. Lediglich im März traten witterungsbedingt, vermutlich durch Frost, trockene Blattränder auf, die jedoch problemlos entfernt werden konnten.
Ein späterer Erntebeginn führte zwar zu höheren Erträgen, für die Praxis ist jedoch entscheidend, dass die Nachfrage in der Direktvermarktung bereits ab Oktober und November stark ansteigt. Betriebe sollten daher eine Balance zwischen früher Vermarktung und maximalem Ertrag finden. Die Witterung 2024/25 war kühl und niederschlagsreich, was die Entwicklung verzögerte. Ein ursprünglich geplanter Erntebeginn im September war nicht möglich. Zur Absicherung der Ergebnisse wird der Versuch 2025/26 wiederholt, dabei soll auch der Einfluss des Köpfens der Pflanzen untersucht werden.
Fazit
Die Kultur gilt als attraktiv und vielseitig, insbesondere für die Direktvermarktung. Flower Sprouts sind ein robustes Wintergemüse, das vergleichsweise wenig krankheitsanfällig ist und – abhängig von Sorte sowie Pflanz- und Erntezeitpunkt – gute Erträge liefern kann. Die Sorten unterscheiden sich dabei deutlich in ihrer Entwicklungszeit und ihrem Ertragsverhalten, was eine sorgfältige Sortenwahl und Planung im Anbau notwendig macht.
Flower Sprouts sind das erste wirklich neue Gemüse seit vielen Jahren auf dem Markt. Der britische Züchter Tozer hat über viele Jahre intensive Arbeit in die Entwicklung dieser Kreuzung aus Rosenkohl und Grünkohl investiert und ebenso große Anstrengungen unternommen, sie weltweit bekannt zu machen. Inzwischen haben sich die kleinen Kohlröschen zu einem echten Foodtrend entwickelt, und es ist davon auszugehen, dass künftig noch mehr Betriebe in den Anbau einsteigen werden.
Dieser Versuch wurde aus Mitteln des Landes Niedersachsen gefördert. Den vollständigen Versuchsbericht können Interessierte bei Nadine Liebig (nadine.liebig@bioland.de) anfordern.
Von Nadine Liebig, Bioland e.V.