Ektoparasiten und Endoparasiten bei Geflügel

Bauernhof Weggun in der Uckermark (nördliches Brandenburg). Bild: Tobias Köhler
Wie auch bei anderen Tierarten spielen Ekto- und Endoparasiten beim Geflügel eine große Rolle. Sie treten besonders bei Freilandhaltung durch äußere Einträge auf und sind für die Tiere nicht nur lästig, sondern führen zu Leistungseinbußen
und schlimmstenfalls zum Tod.
Die sogenannten Ektoparasiten leben im Federkleid oder auf der Haut der Tiere. Dort ernähren sie sich von abgestorbener Haut und Federn. Zu den Ektoparasiten zählen unter anderem Federlinge und Kalkbeinmilben sowie die Rote Vogelmilbe.
Federlinge erkennt man an ihrer hellbraunen Farbe. Sie leben permanent auf den Tieren und ernähren sich dort vor allem von Hornsubstanzen wie Federbestandteilen und Zellresten und legen ihre Eier in Klumpen rund um die Kloake an den Federkielen ab. Die Übertragung erfolgt von Tier zu Tier. Ein Befall mit Federlingen ist für die Tiere nicht lebensbedrohlich, sie werden aber durch den Juckreiz beunruhigt, weshalb mit einem Abfall der Legeleistung zu rechnen ist. Ohne Wirt sind Federlinge nur kurz überlebensfähig. Ein struppiges Gefieder, Schäden an Federn, kahle Stellen im Gefieder, Unruhe durch den Juckreiz, geringere Legeleistung, Abgeschlagenheit, vermehrtes Gefiederputzen und Rötungen der Haut können auf einen Befall mit Federlingen hinweisen. Eine wirksame Maßnahme besteht darin, den Stall einmal zu räumen und gründlich zu reinigen und zu desinfizieren.
Die Kalkbeinmilben leben dagegen permanent in der Epidermis von Beinen und Füßen der Hühner. Es sind Grabmilben, die zu einer ausgeprägten Hornschuppen- und Borkenbildung und im fortgeschrittenen Stadium zu Bewegungsstörungen führen. Der Name Kalkbeinmilbe ist auf die weißlichen Ausscheidungen der Milben zurückzuführen. Das Krankheitsbild wird auch als Fußräude bezeichnet. Kalkbeinmilben werden von Tier zu Tier übertragen und sind ohne einen Wirt nur kurz überlebensfähig. Bei einem moderaten Befall können Kriechöle helfen, die auf die betroffenen Hautareale geschmiert werden. Sie haben eine pflegende, kühlende und dadurch juckreizlindernde Wirkung. Des Weiteren kann das Baden in einer Laugenlösung dazu beitragen die Schuppen abzulösen. Eine Behandlung über das Trinkwasser ist ebenfalls möglich, dazu sollte Rücksprache mit dem Tierarzt gehalten werden.
Stallhygiene ist unerlässlich, um den Infektionsdruck
gering zu halten.
Der mit Abstand wichtigste Erreger bei den Ektoparasiten in Mitteleuropa ist die Rote Vogelmilbe. Die Milbe ist blass und grau, wenn sie jedoch Blut am Tier gesaugt hat, verfärbt sie sich rot. Rote Vogelmilben gelten als gefährlich da bei einem starken Befall ein massiver Blutverlust drohen kann. Die Milbe lebt meist nur temporär und in der Regel nachts auf dem Tier, um Blut zu saugen. Tagsüber zieht sie sich in Ecken und Ritzen im Stall zurück und ist dann nur bei hochgradigem Befall auf den Tieren zu finden. Die Anzeichen bei einem Befall mit der Roten Vogelmilbe erstrecken sich über Unruhe, Federpicken, Stallflucht, Anämie und blasse Kämme sowie einem Leistungsabfall bis hin zu einzelnen Todesfällen.
Eine Behandlung beim Befall mit der Roten Vogelmilbe sollte also immer unmittelbar nach deren Feststellung erfolgen. Die Maßnahmen finden entweder am Tier oder aber besser direkt im Umfeld statt, da die Milbe nicht konstant auf den Tieren lebt. Besonders wirksam ist es auf ein trockenes und somit milbenunfreundliches Klima zu achten und natürliche Milbenbekämpfungsmittel wie das Urgesteinsmehl Diabas oder Kieselgur zu verwenden. Kieselgur trocknet die Milbe beispielsweise aus, so dass sie abstirbt. Es kann trocken ausgebracht werden oder als Kieselgur-Wasser-Gemisch. Wichtig ist es den gesamten Stall gründlich zu behandeln einschließlich aller Einrichtungsgegenstände und sämtlicher Ritzen. Ergänzend dazu kann Kieselgur auch als Zusatz in die Einstreu oder in das Staubbad gegeben werden und so direkt am Tier wirken. Des Weiteren können ätherische Öle und pflanzliche Futterzusätze das Blut geschmacklich so verändern, dass es für die Milbe uninteressant wird. Bei einem starken Befall ist der Tierarzt zu kontaktieren, um weitere Maßnahmen zu besprechen.
Im Gegensatz zu den Ektoparasiten leben die Endoparasiten im Inneren des Tieres und nehmen dort ihre Nahrung auf. Meistens handelt es ich bei den Endoparasiten um Würmer, die im Darm oder im Gewebe leben. Die häufigsten Endoparasiten beim Geflügel sind Kokzidien, sowie Spul,- Haar,- Blinddarm-, Luftröhren- und Bandwürmer.
Bei Kokzidien handelt es sich um einzellige Parasiten, die sogenannten Eimeria. Jede Geflügelart hat ihre eigenen Eimeriaarten, sodass sie sich nur innerhalb ihrer Art anstecken können, wobei die Ansteckung über den Kot sowie kontaminierte Gegenstände erfolgt. Aufgenommene Kokzidien vermehren sich im Tier sehr schnell und können den Darm enorm schädigen. Es müssen dabei nicht unbedingt klinische Symptome auftreten, dies hängt hauptsächlich vom Alter des Tieres und dem Erregerdruck ab. Meistens erkranken Jungtiere bis zum Alter von sechs Wochen schwer da sie noch keine schützende Immunität aufgebaut haben wie ausgewachsene Tiere. Symptome wie Durchfall, Blässe, Wachstumsstörungen und eine erhöhte Sterblichkeit weisen auf eine Kokzidiose hin. Die wirksamste Prophylaxe gegen Kokzidien basiert auf einer sehr guten Stallhygiene mit trockener Einstreu und der Stärkung des Immunsystems. Ergänzend helfen Impfungen, Kräuter wie Oregano zur Entwicklung einer gesunden Darmflora sowie eine regelmäßige Kotuntersuchung.
Die Infektion mit Würmern erfolgt beim Geflügel überwiegend durch den Kontakt mit infiziertem Kot anderer Artgenossen oder Wildvögeln beziehungsweise durch die Aufnahme von Zwischenwirten wie Schnecken oder Regenwürmern, die sich selbst vorher mit Wurmeiern aus dem Boden infiziert haben. Symptome wie ein Rückgang der Legeleistung, Apathie, Durchfall oder Abmagerung können auf einen Befall mit Würmern hinweisen. Wird ein Wurm im Kot der Tiere gefunden ist bereits von einem starken Befall auszugehen. Die Prophylaxe basiert auch hier auf guter Stallhygiene, einer gesunden Darmflora durch Kräuter sowie einer regelmäßigen Kotuntersuchung und Entwurmung.
Die Behandlung erfolgt nach vorheriger Diagnose durch den Tierarzt mittels einer Wurmkur.
Stallhygiene und regelmäßiges Reinigen und Desinfizieren sowie ein optimales Auslaufmanagement sind grundsätzlich unerlässlich, um den Infektionsdruck gering zu halten. Zudem sollten die Tiere regelmäßig auf Parasiten kontrolliert werden, um einen Befall möglichst frühzeitig zu erkennen und diesen schnell in den Griff zu bekommen.
