Ampfer im Grünland

Ein Startup aus dem Allgäu rückt dem Ampfer mit Künstlicher Intelligenz zu Leibe
Von Georg Sandhöfner
Im Rahmen eines bundesweiten Projekts im Jahr 2003 wurden 108 Landwirt:innen zur Ampfer-Problematik auf ihren Betrieben befragt. 80 Prozent der Betriebe gaben an, Probleme mit Ampfer im Grünland zu haben. 19 Prozent der befragten Landwirt:innen bestätigten sogar ein starkes Problem. Die Hälfte der Befragten gaben an, dass die Ausbreitung nesterweise auftritt. 21 Prozent der Landwirt:innen hatten ein flächendeckendes Problem. Zu den Regulierungsmaßnahmen befragt, gaben lediglich ein Fünftel der Befragten an, Ampfer von Hand zu stechen und nur 4 Prozent davon taten dies regelmäßig. Die Kosten und der Zeitaufwand sprechen gegen eine regelmäßige manuelle Ampfer-Bekämpfung.
Denn digitale Systeme und Künstliche Intelligenz ermöglichen es bereits heute, Unkräuter auf Einzelpflanzenebene zu erkennen und gezielt mechanisch zu bekämpfen. Kameragesteuerte Hackgeräte, autonome Feldroboter oder sensorgestützte Ausstechsysteme befinden sich teilweise schon im Praxiseinsatz oder in der Markteinführung.
Felix Schiegg, Gründer von Paltech, sammelte bereits in seiner Jugend praktische Erfahrungen auf dem ökologischen Grünlandbetrieb seines Großvaters. Wie auch andere Familienmitglieder, unterstützte er die manuelle Entfernung des Ampfers mit dem Ampferstecher beim Begehen von Wiesen und Weiden. Das Stechen, Einsammeln und Abtransportieren der Pflanzen war eine körperlich anspruchsvolle und zeitraubende Arbeit.
Im Anschluss an sein technisches Studium in München gründete er ein Startup mit dem Ziel, eine innovative Lösung zur Ampferbekämpfung im ökologischen Landbau zu entwickeln. Nach mehreren Jahren intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit konstruierte er gemeinsam mit seinem Team ein praxistaugliches, autonom arbeitendes Fahrzeug.
Die Funktionsweise des Systems gliedert sich in mehrere Schritte:
Der Roboter befährt das Grünland selbstständig mittels GPS-gesteuerter Parallelfahrten. Eine Frontkamera erfasst die Vegetation in einem etwa zwei Meter breiten Bereich vor dem Fahrzeug. Die Bilddaten werden mittels künstlicher Intelligenz analysiert. Das System identifiziert Ampferpflanzen und steuert das Fahrzeug präzise über die jeweilige Pflanze. Sobald eine Zielpflanze erkannt wurde, stoppt der Roboter und bestimmt deren exakte Position mithilfe einer zweiten Kamera. Anschließend zentriert sich ein Bohrwerkzeug über der Pflanze und zerstört die Wurzel mit einem speziell entwickelten Bohrer. Abschließend wird auf die bearbeitete Stelle Grassamen ausgebracht, um eine schnelle Regeneration der Grasnarbe zu fördern. Spätestens mit einer zweimaligen Überfahrt der Fläche kann ein Großteil der Ampferpflanzen effektiv beseitigt werden, oft auch schon mit einer einmaligen.

Im Oktober 2025 demonstrierte das Unternehmen die Rotoboter auf einem der Allgäuer Biokreis-Betriebe. Dabei kamen drei Vorserien-Maschinen zum Einsatz. Für die Teilnehmenden war es das erste Mal, die autonomen Systeme im praktischen Einsatz zu erleben. Felix Schiegg erläuterte ausführlich die technischen Hintergründe und die Funktionsweise der Roboter.
Anschließend setzten sich die ›grünen Kisten‹ in Bewegung und befuhren Bahn für Bahn die Wiese – präzise und systematisch. Besonders beeindruckend war die hohe Genauigkeit, mit der die Maschinen ihre Arbeit verrichten.
Seit November 2025 sind die Roboter über das Förderprogramm BaySL Digital mit einem Zuschuss von bis zu 40 Prozent förderfähig. Für das Frühjahr 2026 ist geplant, eine erste Kleinstserie von fünf Robotern im Allgäu in den Praxiseinsatz zu bringen.
Quellen: Böhm, H., Engelke, T., Finze, J., Häusler, A., Pallutt, B., Verschwele, A., & Zwerger, P. (Hrsg.) (2003). Strategien zur Regulierung von Wurzelunkräutern im ökologischen Landbau. Sonderheft 255.
Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Braunschweig: Landbauforschung Völkenrode.
ISBN 3-933140-77-3 Sobotik, A. (2001). In: Strategien zur Regulierung von Wurzelunkräutern. Organisation für Technik und Umwelt im Pflanzenbau.
Der Autor Georg Sandhöfner ist Berater für den Bereich Allgäu und Baden-Württemberg