Keine Zukunft ohne Frauen

Podiumsdiskussion bei der Biofach 2026 mit Marion Bohner, Manuela Raidl-Zeller,
Stephanie Strotdrees und Sophie Schweisfurth (v.l.n.r.)
Die Forderungen des BioFrauen*netzwerks werden von vielen Bioverbänden unterstützt. Im UN-Jahr der Frauen in der Landwirtschaft war das Netzwerk auf der Biofach aktiv
Mit einem Frauen-Frühstück und einer Podiumsdiskussion im Kongressprogramm hat das BioFrauen*netzwerk die Biofach 2026 genutzt, um mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Biobranche einzufordern.
Hintergrund ist das UN-Jahr der Frauen in der Landwirtschaft. Das BioFrauen*netzwerk hat mit einem breiten Bündnis im Januar 2026 eine gemeinsame Erklärung unter dem Titel »Nicht nur ackern, auch entscheiden« veröffentlicht. Die Erklärung wird von den Bioverbänden (darunter Biokreis), dem BÖLW, den katholischen Organisationen im Bereich der Landwirtschaft bis hin zur Gewerkschaft BAU unterstützt.
In dem Positionspapier wird in acht zentralen Handlungsfeldern aufgezeigt, wie »Geschlechtergerechtigkeit, Chancengleichheit und Selbstbestimmung« von Frauen in der Branche gelingen kann.
Die Themen der Erklärung reichen von Frauen als Eigentümerinnen und Betriebsleiterinnen über Fragen der sozialen Absicherung, der Lohngerechtigkeit, der Care-Arbeit und sicherer Arbeitsbedingungen bis hin zur politischen Teilhabe, Bildung und Forschung und zur Bedeutung der Daseinsfürsorge im ländlichen Raum für das Leben von Frauen.
Bei der Podiumsveranstaltung auf der Biofach unter dem Titel »Keine Zukunft ohne Frauen – Diversität umsetzen« diskutierten Frauen aus Landwirtschaft, Wissenschaft und Unternehmen darüber, wie die Forderungen aus dem Positionspapier Realität werden können und welche Hindernisse dafür zu überwinden sind.
»Es kann ja nicht sein, dass man womöglich 30, 40 Jahre auf diesem Betrieb gearbeitet hat und dann die Koffer packen muss.« STEPHANIE STROTDREES
Rechtliche und steuerliche Regelungen müssen so verändert werden, dass ein gleichberechtigter Besitz und Führung eines landwirtschaftlichen Betriebs von Partnerinnen möglich ist. Daran hängt auch entscheidend die soziale Absicherung von Frauen in der Landwirtschaft, vor allem im Alter. Kaum vorstellbar, dass es in manchen Bundesländern immer noch die sogenannte Rückführungsklausel gibt, nach der im Todesfall des Betriebsleiters und fehlender männlicher Nachkommen der Betrieb an die Eltern des Mannes zurückfällt.
»Es kann ja nicht sein, dass man womöglich 30, 40 Jahre auf diesem Betrieb gearbeitet hat und dann die Koffer packen muss«, erklärte Stephanie Strotdrees, Landwirtin und Mitinitiatorin des Netzwerkes.
Nur durch eine rechtliche Gleichstellung können sich auch die immer noch sehr traditionellen Vorstellungen in der Landwirtschaft ändern. Denn noch wird man »schief angeschaut, wenn der Mann Entscheidungen nicht ohne seine Frau trifft«, berichtete die Landwirtin Marion Bohner aus eigener Erfahrung.
Ermutigend ist die Realität bei Sonnentor, führte die Geschäftsführerin Manuela Raidl-Zeller aus: Gleichstellung ist bei Sonnentor die Basis des Unternehmens. 75 Prozent der Mitarbeitenden und 55 Prozent der Führungskräfte sind Frauen. Entscheidend hierfür sind flexible und individuelle Arbeitszeitmodelle auf allen Ebenen.
Führung auf oberer Ebene dürfe nicht nur in Vollzeit gedacht werden, bekräftigte auch Sophie Schweisfurth, Geschäftsführerin des Lebensmittelherstellers Bio-Kontor 7. Elternschaft darf nicht zum Karrierebruch werden. Es braucht eine Unternehmenskultur, in der Beruf und Elternschaft in gemeinsamer Verantwortung als Prozess gestaltet werden. Auch Gehaltstransparenz leistet dazu einen Beitrag, so Schweisfurth.
Die Diskussion hat zudem deutlich gemacht, dass auch bei der politischen Repräsentation von Frauen in den Verbänden noch viel Luft nach oben ist, wenn dort nur 10–12 Prozent Frauen in Führungspositionen vertreten sind. Quoten tragen mit dazu bei, Parität zu erreichen und Frauen in Positionen zu bringen, an denen sie mitentscheiden und verändern können. Hier geht es nicht mehr um symbolische Gesten, sondern um wirkliches Handeln, so die Forderung.
Die Autorin Pamela Dorsch ist Dipl.-Sozialwissenschaftlerin, Coach
und Gender-Trainerin. Seit 2008 engagiert für nachhaltige Lebensmittel, zeitgemäße Esskultur und verantwortungsbewussten Genuss.
Im Internet: www.biofrauennetzwerk.de