Der Dieselpreis-Schock

Zeit zum Sparen und für grundsätzliche Überlegungen. Ein Kommentar von Peter Schmidt
Ich kann mich noch gut erinnern: Egal, wie weit die Flächen vom Hof entfernt waren, manch Kollege, manch Kollegin hat gepachtet, was zu kriegen war. Und fährt jetzt in unserem Landkreis die Gülle locker 40, 50 Kilometer durch die Gegend. Für besonders wirtschaftlich – ich gebe es zu – habe ich das noch nie gehalten. Doch jetzt, bei Dieselpreisen, so hoch, wie wir sie noch nie hatten, wird den Kolleg:innen wahrscheinlich bei jedem Tankvorgang schlecht, auf dem Konto und in der Magengrube.
Wir reden immer von Resilienz, also der Widerstandsfähigkeit von Betrieben. Sicher könnten diejenigen, die eine große Photovoltaik-Anlage auf dem Dach haben, ihren Elektro-Schlepper spielend mit selbst produziertem Strom speisen. Doch den Schlepper, den gibt es noch nicht, bei einigen Herstellenden liegt er in der Schublade der Konstrukteure, der Schweizer Hersteller Rigitrac hat immerhin einen ersten auf dem Markt, Fendt ist nachgezogen. Doch schwere Güllefässer durchs Bergische Land zu ziehen, das ist kaum dessen Hauptaufgabe, da fehlt es noch ein wenig an Leistung.
Heute profitieren die Betriebe, die sich kompakt aufgestellt haben, auf entfernte Hektare verzichtet haben. Kleinere Betriebe sind anders zu führen als die großen. Sie spielen keine so große Rolle auf dem Markt. Und sie stöhnen weniger unter den enormen Energiekosten.
Diese Kriegskrise lehrt uns: Fossile Brennstoffe sind nicht nur endlich, sie fördern auch unsere Abhängigkeit. Je weniger davon verbraucht wird, desto besser für die Widerstands-fähigkeit des einzelnen Betriebs. Und da spielen die kompakteren Höfe heute ihre Stärken aus.
Nun ja, den Betrieb mal eben zu verkleinern, das klappt jetzt nicht. Das kann allerdings ein Hinweis sein auf eine langfristige Perspektive oder für Hofnachfolgende, die Betriebe vielleicht neu organisieren. Eine andere Alternative wäre die Rückkehr zum Pferd – für viele eine Spinnerei, aber in Einzelfällen eine echte Möglichkeit.
Fazit: Krisen erlauben, das scheinbar Unmögliche zu denken – und mutige Menschen packen hier etwas an. – Das wird spannend.
Für jetzt aber gilt es, mit dem Status Quo und den hohen Energiepreisen klar zu kommen. Auch da gibt es Tricks – kurz zusammen gefasst hier also der Diesel-Spar-Ratgeber:
- Traktorwahl: Glücklich sind jetzt die, die nicht immer den stärksten Traktor auf dem Hof haben wollten, sondern den, der für die Arbeit angemessen ist. Beispiel Grünlandbetrieb: Wer nicht selber Ballen presst, kommt mit 75 bis 100 PS auch ganz schön weit. Umgerechnet auf den 100 km-Verbrauch sollen 100 PS-Traktoren zwischen 35 und 45 Litern verbrennen, die 200 PS-Schlepper bringen es dann auf 40 bis 50 Liter.
- Fahren im Drehmoment-Optimum: Die meisten moderneren Diesel entfalten dies eher untertourig, so ab 1.200 Umdrehungen pro Minute und bis 1.600 Umdrehungen. Spart Diesel, kostet Geschwindigkeit – frühes Hochschalten zahlt sich auch. Von Vorteil ist ein stufenloser Schlepper, der sollte das automatisch erledigen.
- Luftdruck-Anpassung: Während auf der Straße rund 1,6 bar sinnvoll sind, um den Rollwiderstand nicht zu groß werden zu lassen, sind es auf dem Acker dann eher so 0,8 bar.
- Hand ans Gas: Handgas fährt konstanter – und konstante Fahrten sparen ganz schlicht Diesel.
- Fenster statt Klimaanlage – die Klimaanlage braucht auch Diesel. Bei größeren Schleppern und voller Hitze können so pro Stunde bis zu 4 Liter pro Stunde Mehrverbrauch anfallen…
- Filter frei halten: Nur wenn der Motor atmen kann, kann er auch sparsam fahren.
- Öfter mal ausschalten – beim Gespräch am Feldrand tuckert oft der Schlepper im Hintergrund. Das war schon früher nicht gerade öko – jetzt aber wird es richtig teuer…
- In der Summe soll mensch mit diesen Maßnahmen bis zu 20 Prozent des kostbaren Diesels sparen können.
- Im Nachhinein wäre da noch der Zuschuss für den Agrardiesel, der jetzt wieder gewährt wird. Das sind ab diesem Jahr wieder 21,48 Cent pro Liter. Jeder Cent zählt, gerade auch in diesen Zeiten.
