Das Wildschwein ist kein Bioschwein

Wildschwein ist nicht gleich Wildschwein: Zwar gibt es keine ökologische Haltung von Wildschweinen, doch wie gejagt und vermarktet wird, macht einen großen Unterschied. Der Ökologische Jagdverband (ÖJV) setzt dabei auf Verantwortung und Nachhaltigkeit. Was bedeutet das für Verbraucher:innen, und wo liegen die Grenzen zwischen „wild“ und „bio“? Von Susanne Sorg
Der entscheidende Unterschied
Wildfleisch gilt als naturbelassen und gesund, doch „natürlich“ bedeutet nicht automatisch „bio“. Tiere, die in freier Wildbahn leben, unterliegen keiner ökologischen Kontrolle, weder hinsichtlich Futter noch Umweltbelastungen. Die Wildschweine können in mit Düngemitteln oder Pestiziden behandelten Flächen wühlen und Schadstoffe aus Böden und Gewässern aufnehmen. Auch Wildpilze und Waldbeeren sind regional teils radioaktiv oder mit Schwermetallen belastet. Hinzu kommt, dass Blei aus Jagdmunition ins Fleisch übergehen kann. In manchen Regionen werden Wildschweine inzwischen sogar in Städten gesichtet, wo sie sich an Mülltonnen, Kompost oder Gärten bedienen, auch das ist alles andere als „bio“.
Einklang zwischen Jagd und Ökologie
Jäger:innen tragen eine zentrale Verantwortung bei der Vermarktung von Wildfleisch, denn sie müssen nachweisen können, woher das Tier stammt und dass es ordnungsgemäß untersucht wurde. Auch eine Dokumentation der Abschuss- und Herkunftsdaten muss vorliegen. Der Ökologische Jagdverband (ÖJV) setzt dabei zusätzliche Maßstäbe: Er wirbt für den Einsatz bleifreier Munition, achtet auf den Erhalt gesunder Wildbestände und fördert eine nachhaltige Nutzung des Lebensraums Wald. Ziel ist es, Jagd und Ökologie in Einklang zu bringen, also Wildbestände zu regulieren, ohne das ökologische Gleichgewicht zu stören. Mitglieder des ÖJV verpflichten sich in der Regel zu tierschutzgerechtem Umgang, kurzen Transportwegen und transparenter Vermarktung des Wildes.
Das Waldschwein zwischen freier Wildbahn und Biohof
Manche Biobetriebe halten sogenannte Waldschweine. Das sind Hausschweine in großen, bewaldeten Ausläufen, die sich in ihrem natürlichen Verhalten wie Wildschweine bewegen. Typische Rassen wie das Schwäbisch-Hällische Landschwein sind robust, wühlfreudig und besonders geeignet für naturnahe Waldhaltung. Anders als echte Wildschweine leben diese Tiere unter kontrollierten Bedingungen, werden nach ökologischen Richtlinien gefüttert und betreut und tragen gleichzeitig zur Landschaftspflege bei, indem sie den Boden auflockern und die Biodiversität fördern. Die Haltung in Waldgehegen unterliegt strengen Vorgaben zu Fläche, Tierdichte, Hygiene und Tiergesundheit. Mehr dazu gibt es in der letzten August-Ausgabe der BioNachrichten in unserem Artikel „Sauwohl im Wald…“
Quellen: oekolandbau.de / Bund Naturschutz / EU-Öko-Verordnung / Ökologischer Jagdverband
