Braucht Bio die “vierte Gewalt”?

Von Ronja Zöls-Biber | Gepostet am 26.09.2023

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Der Journalist Jens Brehl bietet mit seinem Online-Magazin „über bio“ unabhängige Berichterstattung über die Öko-Branche. Nun ist die Finanzierung in Gefahr…

Jens Brehl

Journalist, Online-Magazin 'über bio'

Jens Brehl schreibt über die Themen, die er für richtig hält. Niemand macht ihm Vorgaben darüber, wie viele Menschen er damit erreichen oder welche Anzeigenkundschaft verschont werden muss. Der freie Journalist aus Fulda berichtet in seinem Online-Magazin „über bio“ – ja, eben, über Bio, und zwar völlig unabhängig. Dabei entwickelte sich sein Portal von einem Hobby zum professionellen Wirtschaftsmagazin für die Endkundschaft. „Brehl backt“ hieß das Medium in seinen Anfangszeiten ab 2013, und Jens Brehl bot seinen Nutzer:innen hier selbst entwickelte Brot-Rezepte, ganz ohne versteckte Werbung. Nach und nach produzierte er in seinem Blog immer mehr journalistische Inhalte, ordentlich recherchiert und unter Einhaltung des Pressekodex. „Ich wurde immer öfter zitiert, und da passte ‚Brehl backt‘ irgendwann nicht mehr“, erinnert er sich. 2020 gab es den Relaunch: neue Technik, neues Design, neuer Name.

Domänenkompetenz gefragt

Bei „über Bio“ lesen viele Leute aus der Branche mit. Das sieht Jens Brehl an den Abonnements des kostenlosen Newsletters. Aber auch Menschen, die nichts mit Bio am Hut haben und über Social Media wie Twitter oder Suchmaschinen auf seine Seite finden, zählen zur Leserschaft. Fachjournalist:innen im Bio-Bereich gibt es nicht viele. Dabei sei gerade hier Expertenwissen, Begleitung und Beobachtung extrem gefragt. Er selbst habe sich etwa noch einmal besonders auf das Thema „Zweinutzungshuhn“ spezialisiert. Bio sei nach wie vor sehr erklärungsbedürftig. Es brauche keine „Kuschelgeschichten“ vom Bio-Bauernhof, sondern Transparenz, Vertrauen und sicherlich auch ein Korrektiv. „Wenn was schief läuft bei Bio, muss über Optionen zur Verbesserung diskutiert werden. Dafür ist auch ein Verständnis für den Beruf des Landwirts notwendig“, sagt Jens Brehl.

Unabhängiger Öko-Journalismus: Warum ist er für die potenzielle Kundschaft so wichtig? „Die ganze Branche macht sich derzeit Gedanken über Strukturen. Doch eine wichtige Frage dabei ist: Welche Strukturen brauchen wir in den Medien?“ Dass die Wissenschaftsredaktionen nach und nach aufgelöst wurden, sei den Medien etwa während der Pandemie auf die Füße gefallen. Es sei insgesamt zu wenig Wissen und Kompetenz vorhanden gewesen. „Es nützt jedem Landwirtschafts- und jeden Verarbeitungsbetrieb, wenn seine Kundschaft Bio besser versteht.“ Dafür sei im Journalismus Domänenkompetenz notwendig. „Öko-Berichterstattung wird immer wichtiger, denn die Ernährungswende hat ja noch gar nicht richtig angefangen. So richtig spannend wird Bio erst noch!“

Nein zum unmoralischen Angebot

Mehr als zehn Jahre hat Jens Brehl sich sein Steckenpferd und seine Domänenkompetenz Bio aufgebaut. Doch „über bio“ habe „die schwarze Null noch nicht erreicht“. Im Gegenteil: Die Finanzierung des Online-Magazins basiert auf dem Prinzip des solidarischen Journalismus. Sämtliche Inhalte sind frei zugänglich. Nutzer:innen können freiwillig zwischen fünf und 50 Euro pro Monat für das Angebot bezahlen. Mit Inflation und zunehmender Sparsamkeit sei es aber in letzter Zeit hart geworden. Viele haben ihr Abo gekündigt. Derzeit erstellt Jens Brehl einen neuen Beitrag pro Woche, selbst recherchiert und im Alleingang. „Am meisten helfen mir regelmäßige Einkommen über Steady-Abos, die auf meinem Portal zu buchen sind“, erklärt Jens Brehl. „Und diese verlässlichen Einkommen fließen nicht in einen dritten Porsche, sondern in die Recherche.“ Sein Ziel: 2000 Euro im Monat über Steady vollmachen. Die zweite Möglichkeit für Einnahmen ist Werbung. 150 Euro pro Monat nimmt er dafür maximal. Lieber viele Kleine als wenige Große, um nicht von dieser Seite in Abhängigkeit zu geraten. Das ein oder andere „unmoralische Angebot“ habe er auch schon abgelehnt und den Anfragenden erst einmal den Pressekodex Der Pressekodex legt Richtlinien für die journalistische Arbeit fest. Die 16 Ziffern des Pressekodex mit ihren Richtlinien, einschließlich einer Präambel, sind Grundlage für die Beurteilung der beim Presserat eingereichten Beschwerden. Die meisten deutschen Verlage bekennen sich dazu, den Pressekodex zu achten. Quelle: www.presserat.de erklärt…

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Ronja Zöls-Biber

Redaktionsleitung BioNachrichten / Mitarbeiterin beim Biokreis e.V.