Biokreis-Imkereien: Imkerei Oswald

Imkereibetriebe, die beim Biokreis Mitglied sind, gibt es im ganzen Land. Die Betriebsgrößen können unterschiedlich sein und die Vermarktungswege sind vielfältig. Wir haben drei Betriebe in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Brandenburg besucht.
Wo Bienen summen und Schafe grasen
Mitten in der idyllischen Hallertau, dem größten Hopfenanbaugebiet der Welt, liegt auf einem sonnigen Hügelrücken der historische Bio-Bienenhof der Familie Oswald. Seit fast drei Jahrzehnten betreibt Imkermeister Hans Georg Oswald mit seiner Frau Ruth die erste ökologische Berufsimkerei Niederbayerns. Ein Blick in die Imkerei zeigt, wie echter, naturbelassener Honig entsteht und warum hier sogar die Bienen Tee trinken.
Vielfalt an Leben
Wer den Kapellenweg in Oberlauterbach entlangspaziert, taucht ein in eine beeindruckende Vielfalt an Leben. Auf dem Weg summt und brummt es – ein kleines Naturparadies inmitten dieser einzigartigen Kulturlandschaft.
Im Jahr 1997 traf Hans Georg Oswald eine mutige und wegweisende Entscheidung: Er gründete Niederbayerns erste reine Bio-Berufsimkerei. Sein Ziel war von Anfang an klar: Honig nicht als Massenware zu produzieren, sondern als lebendiges, unberührtes Naturprodukt zu bewahren.
Ganzjährige Standorttreue
Während viele Imkereien ihre Völker quer durchs Land transportieren, setzt man bei der Bio-Imkerei Oswald auf absolute Standorttreue. »So kann das geographische Herkunftsgebiet des Honigs exakt angegeben und die ganzjährige Bestäubung unserer wertvollen Biotope sichergestellt werden«, erklärt Hans-Georg Oswald.
Die Imkerei steht aber hier nicht isoliert für sich, sondern ist Teil eines lebendigen Ökosystems. Rund um den historischen Hof verbindet die Familie Oswald die Bienenhaltung mit einer eigenen Schafhaltung und der aufwändigen Pflege von Streuobstwiesen.
Die Schafe weiden so, dass Wildkräuter für die Bienen unter den alten Apfel- und Birnenbäumen wachsen können. Die Blüten der Bäume bieten den Bienen im Frühjahr reichlich Nahrung und die wiederum sichern durch ihre Bestäubung den Fortbestand der regionaltypischen Obstsorten.
Überliefertes Wissen frisch aufgebrüht
Die Oswalds achten auf Feinheiten. So konstruierten und schreinerten sie alle Bienenkästen selbst aus lokal gewachsenem Strobenholz. Sie legen Wert auf einen behutsamen Umgang, und darauf, nicht störend in die Harmonie der Bienen einzugreifen und die Wabenordnung, die die Bienen benötigen, zu respektieren.
Kurze Erntezeit
Geerntet wird nur kurze Zeit, nämlich dann, wenn die Bienen zu viel Honig haben. Deshalb ist sehr wenig Ergänzung des Winterfutters nötig. »Wir füttern ohne Sirup, den haben wir schon seit 20 Jahren verbannt«, erläutert Oswald. »Wir füttern mit einem selbst frisch hergestelltem Bienen-Kräutertee – nach einem 100 Jahre alten, weiterentwickeltem Rezept. Das stärkt das Immunsystem der Völker und sorgt dafür, dass sie vital und gesund durch die kalte Jahreszeit kommen.«
Die Oswalds gewinnen Honig nur von fein duftenden Honigwaben, nicht von Brutwaben. Das Verfahren garantiert ein Höchstmaß an Reinheit und wertvollen Inhaltsstoffen. Die Honigwaben werden ins Honighaus, das in historischer Holzblockbauweise und Lehm gebaut wurde, gebracht, wo sie von Hand fachmännisch mit Luft entdeckelt und anschließend langsam mit einer 32-Waben Schleuder radial kaltgeschleudert werden. Der Honig wird erntefrisch am Ursprungsort abgefüllt. Ohne Sieben, ohne Erhitzen, ohne Rühren – also echter Roh-Honig.
Das Wohl der Bienen steht im Mittelpunkt
»Die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Bienenvölker liegen uns besonders am Herzen. Wir wissen um unsere Verantwortung und möchten unsere Bienen mit Sorgfalt und Respekt begleiten«, so der Imker. »Wir forschen ständig, wie wir es den Bienen noch angenehmer machen können.«
Diese Werte und die Begeisterung für die Imkerei haben Hans-Georg und Ruth Oswald von Anfang an ihrem Sohn weitergegeben. Umso mehr freuen sie sich, dass ihr Nachwuchs seit diesem Jahr selbst aktiv als mitarbeitender Familienangehöriger in die Welt der Bienen und des Honigs eingetaucht ist und die Leidenschaft nun gemeinsam mit den Eltern weiterträgt. Gabi Kunz
Weitere Infos und eine Auswahl von Bienenprodukten: www.bio-honig.com
