Biokreis-Imkereien: Imkerei Keisel

Julie Gaworski, Imkerin in Brandenburg
»Julie, die Imkerin«, das klingt ein bisschen wie ein Roman. Doch Julie Gaworski, Berufsimkerin in Brandenburg, gibt es wirklich. Der französische Vorname stammt von den belgischen Wurzeln in ihrer Familie. Gaworski war beruflich zuerst in der internationalen Welt der Kosmetik, im Marketingmanagement eines namhaften Konzerns zu Hause und hat dort gutes Geld verdient – wurde aber in ihrem Job nicht glücklich.
Da kam der Zufall zu Hilfe, wie so oft in einem Roman: Eines Abends saß Gaworski vor dem Fernseher und sah in der NDR-Talkshow Drei nach Neun eine Imkerin, die von ihrer Arbeit berichtete – und war sofort hin und weg. »Ich war damals ziemlich naiv«, sagt sie heute lachend.
Ernüchterung brachte ein Praktikum bei einer großen Imkerei. Die angehende Imkerin erkannte aufgrund ihrer betriebswirtschaftlichen Erfahrung, was schlecht lief und wollte es besser machen. Während des Praktikums lernte sie auch ihren künftigen Geschäftspartner kennen, ebenfalls Quereinsteiger, aber bereits mit Vorerfahrung in der Imkerei. Gemeinsam haben sie 2014 den Schritt in die Selbständigkeit gewagt.
Heute verantworten Gaworski und ihr Geschäftspartner selbst einen ziemlich großen Imkereibetrieb östlich von Berlin im Landkreis Märkisch-Oderland.
Die Vermarktung der Honigernte erfolgt vor allem in Großgebinden an Verarbeitende und den Handel. Aber auch in der Bio-Supermarktkette Bio Company kann man eine große Auswahl der Honige kaufen. Die schönen Gläser der Marke Beflügelt füllen mehrere Regalebenen, darunter Akazien-, Raps-, Blüten- und Lindenhonig.
»Die Berliner Linde ist tatsächlich der einzige Grund, warum wir überhaupt mit den Bienen wandern«, sagt Gaworski.
Standorttreue der Bienenstände ist eines der Prinzipien von Gaworski. Denn nur in enger und kontinuierlicher Abstimmung der Standorte mit den ortsansässigen Landwirtschaftsbetrieben können in der Region optimale Bedingungen sowohl für die Bienen wie für die Landwirt:innen geschaffen werden, erläutert die Imkerin. Das betrifft die Berücksichtigung von Trachtpflanzen in der Aussaat, die Bestäubungsleistung, aber auch die Vermeidung von Spritzschäden. So konnte mit den konventionell wirtschaftenden Landwirt:innen vereinbart werden, dass während der Blüte jegliche Pflanzenschutzmittel ausschließlich nachts ausgebracht werden.
Die gute Bestäubungsleistung der Bienen schlägt sich dann letztendlich auch im Ertrag auf dem Feld nieder.
Im Gegenzug unterstützt die Imkerei im Spätsommer finanziell die Aussaat von Phacelia oder Senf auf den Äckern, was den Böden guttut, aber auch den Bienen das Sammeln von Pollen ermöglicht, mit denen sie gestärkt in den Winter gehen können.
Die Landwirt:innen erhalten außerdem etwas von dem Honig, den die Bienen mit Hilfe der örtlichen Trachtpflanzen erzeugt haben. Die Betriebe verfügen somit über ein Bio-Produkt, das auf ihren Feldern entstanden ist.
Die Pflege des Netzwerks mit der konventionellen Landwirtschaft ist aufwändig, erfordert Überzeugungsarbeit und viel persönlichen Einsatz. »Man muss den Konventionellen auf Augenhöhe begegnen und im Gespräch bleiben. Dann wird es eine Win-win-Geschichte für alle«, fasst Gaworski ihre Erfahrungen zusammen.
Über den Biokreis weiß Gaworski zum Abschluss unseres Gesprächs nur Gutes zu berichten. Ihr Betrieb ist mehrfach zertifiziert und hat daher den Vergleich. Am Biokreis schätzt sie vor allem den Pragmatismus, kurze Entscheidungswege und das große Engagement der Mitarbeiter:innen, das in dem einen oder anderen Fall durchaus hilfreich war. Udo Tremmel
Imkerei Keisel, Rosenwinkel 4
15345 Reichenow-Möglin
