Bienen – Ökopioniere in der Großstadt

Bild: Marie Fröhlich / Stadtbienen
Nicht-gewerbliche Imkereien in Städten sind in den letzten Jahren beliebt geworden. Auch Unternehmen entdecken den Wert der Bienenhaltung. Die Bienen tragen so zur Ökologisierung der Stadt bei
Wo kommen plötzlich all die Bienen her? Bin ich etwa so anziehend…? – Nein, ich stehe genau in der Einflugschneise zum Bienenkasten – den habe ich eben erst entdeckt. Gut versteckt im Gehölz.
Der Berliner Mauerpark ist ein Streifen auf der ehemaligen Grenze, heute ein stark genutztes Freizeitgelände. Die Bienenstöcke stehen in einem Gemeinschaftsgarten, geschützt durch einen Zaun aus geflochtenen Gerten.
Regelmäßig hält Silke Meyer hier Kurse ab für Menschen, die sich für die Imkerei interessieren. Stadtbewohner:innen lernen den Umgang mit Bienen, erwerben Fachwissen und planen ihre Ausrüstung. Sie lernen auch, dass Imkerei Verantwortung für Tiere und Mitmenschen bedeutet und dass es Meldepflichten gibt.
Für die meisten Imker:innen, die nicht gewerblich unterwegs sind, steht der Umgang mit den Tieren im Vordergrund, erklärt Silke Meyer.
Bienen sind für diese Menschen so etwas wie Haustiere. Es geht nicht um den maximalen Honigertrag, sondern um das Miteinander, um Koexistenz.
Diese Philosophie passt gut zur Vereinigung Mellifera, der Meyer angehört. Der Verband setzt sich für eine »wesensgemäße« Bienenhaltung ein und stimmt mit dem Tierwohlverständnis der Bioverbände durchaus überein, wenn auch in der imkerlichen Praxis Unterschiede bestehen.
Eigentlich ist Bienenhaltung in der Stadt auch gar nicht so neu. Immer schon haben Imker:innen von nah und fern ihre Völker zur Lindenblüte nach Berlin gebracht, um den begehrten Honig mit dem charakteristischen würzig-floralen Aroma zu ernten.
Mitte der 2010er Jahre wurde die nicht-gewerbliche Bienenhaltung in deutschen Großstädten beliebt, es kam zu einem regelrechten Bienen-Hype. Damals war die Idee, Bienen in der Stadt zu halten und ihren Honig zu konsumieren, für viele völlig absurd. Die Menschen lernten jedoch mit der Zeit, sich mit ihren Ängsten und Vorurteilen auseinanderzusetzen: dass nicht jede Biene sofort sticht, dass Bienen sich in der Stadt wohl fühlen und dass der Stadthonig nicht kontaminiert ist, weil die Bienen Schadstoffe herausfiltern können. Die Bienen lösten einen urbanen Lernschub in der Natur- und Umweltbildung aus.
Inzwischen hat sich der Hype gelegt. Kurse für angehende Imker:innen gibt es noch, wenn auch weniger. – Immerhin: heute verfügen viele der Berliner Schulen über »eigene« Bienen. Kinder und Jugendliche setzen sich – fachlich angeleitet durch Imker:innen – intensiv mit den Tieren, der Imkerei und der Herkunft des Honigs auseinander.
Ein Pionier in der Stadtimkerei ist auch Johannes Weber, den wir bei den Ufa-Filmstudios in Berlin-Neukölln treffen. Weber hat mitten im Bienenhype das gemeinnützige Unternehmen Stadtbienen gegründet hat. Zunächst ging es darum, Interessierten das Imkern in der Stadt so einfach wie möglich zu machen, etwa mit praktischen Bienenboxen. Mit den Jahren hat das kleine Unternehmen seinen Fokus erweitert und unterstützt Menschen, die in ihren Gärten gute Bedingungen für viele Insektenarten bieten wollen.
Inzwischen sind es vermehrt Unternehmen, die nachfragen, was sie auf ihren Flächen, oftmals öde Außenbereiche am Stadtrand, Gutes tun können. Große Unternehmen sind einerseits verpflichtet, ihre Aktivitäten zur biologischen Vielfalt nachzuweisen.
Andererseits erkennen mehr und mehr Firmen: Biodiversität im Arbeitsumfeld, die Beschäftigung mit Bienen, die Honigernte, der gemeinsame Bau von Nisthilfen u. a. m. sind nicht nur ein Imagegewinn. Sondern auch gut für Tiere und Menschen, und tragen zu einem produktiven Miteinander im Unternehmen bei.
Die Bienen sind somit auf vielfältige Weise Wegbegleiter und Impulsgeber bei der Ökologisierung der Großstädte.
Weitere Informationen:
www.mellifera.de
www.stadtbienen.org
