Beteiligung mit Luft nach oben

Alois Rainer, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft. Bild: Biokreis
Jugendpolitisches Forum des BMLEH
Zum vierten Mal lud das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) junge Menschen der Land- und Ernährungswirtschaft nach Berlin. Der Junge Biokreis war in Doppelrolle dabei – auch für das Bündnis JöLL. Zwei Tage, vier Workshops, prominente Redner:innen. Was bleibt?

Der Minister: wenig Zeit durch Haushaltsdebatte
Alois Rainer eröffnete das Forum trotz paralleler Haushaltsdebatte und warb für kontroversen, aber lösungsorientierten Diskurs »miteinander statt übereinander«. Geopolitische Krisen, Energiepreise, Dürre, niedrige Erzeugerpreise – die Lage benannte er deutlich. Für drei Fragen blieb Zeit. Bessere Verteilung der Dürrehilfen? Die Mittel wären ohnehin an die Landwirtschaft gegangen, nur auf 2027 und 2028 verteilt.
Jugend als Akteur
Die UN-Jugenddelegierten Matilda Ramge und Florian Brod rieten: hartnäckig und kreativ bleiben, Synergien suchen. »Jugend ist nicht Thema, sondern Akteur.« Katharina Schobersberger (CEJA) wirbt für eine dritte Säule Umwelt und für Jung- landwirt:innenförderung, die kulturelle und strukturelle Barrieren abbaut.
GAP im Umbruch Kerstin Rosenow, Leiterin des Referats »Wirtschaftliche Nachhaltigkeit« innerhalb der Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (DG AGRI) der Europäischen Kommission, skizzierte die aktuelle Debatte: Wie viel »Gemeinsam«, wie viel regionale Flexibilität? Eine Säule statt zwei? Kappung und Degression der Direktzahlungen, eine schärfere Definition der aktiven Landwirt:innen – bei nominell weniger Mitteln. Umweltleistungen sollen stärker anerkannt, Agrar-Klima-Maßnahmen ausgebaut werden. Eine Vorgabe von mindestens sechs Prozent der Zahlungen für Junglandwirt:innen steht im Raum.
Generationswechsel: bekannte Hürden
Die Workshops behandelten Hofnachfolge, alte Sorten und Rassen, heimische Proteine und alternative Antriebe. Zutage kam bei Ersterem vor allem Bekanntes: hoher Kapitalbedarf, fehlende Planbarkeit, Zugang zu Land und Wissen, Bürokratie, veraltete Ausbildung und so weiter. Das ist kein Zufall. Drei Viertel der Workshopzeit galten der Problemidentifikation, für Lösungen blieb wenig Raum.
Es geht ums Konzept
Staatssekretär Prof. Dr. Dr. Markus Schick nannte junge Menschen »Zukunft des Ministeriums«, nahm die Ergebnisse entgegen, relativierte sie aber weitgehend. Jugendbeteiligung, so seine Antwort, solle in den Verbänden stattfinden. Ein fünftes Forum soll es dennoch geben. Alte Sorten, Proteine, Antriebe sind selbstverständlich spannend – doch warum nicht zwei Tage konsequent an Problemstellen des Generationswechsels arbeiten und eine Lösungsstrategie erstellen? Wer nur Bekanntes sammelt, hakt Beteiligung ab. Dabei tragen die Jüngeren die Folgen heutiger politischer Entscheidungen am längsten. Eine »Junge Zukunftskommission Landwirtschaft« wäre ein Schritt. Das Forum ist ein guter Anfang. Ernst genommen fühlt sich Jugend damit noch nicht.
