Pflanzengesundheit: Neue Dokumentationspflichten

Digital erfassen, Wissen gewinnen . Ab 2027 wird die Dokumentation des Pflanzenschutzmitteleinsatzes digital
Ab 2027 müssen landwirtschaftliche Betriebe ihre Anwendungen verpflichtend in maschinenlesbarer elektronischer Form festhalten. Bereits seit dem 1. Januar 2026 gelten neue gesetzliche Vorgaben, die den Umfang der zu dokumentierenden Angaben deutlich erweitern. Für das Jahr 2026 ist eine handschriftliche Aufzeichnung noch erlaubt – danach wird die digitale Form Pflicht.
Grundlage der neuen Regeln ist eine Änderung der EU-Verordnung 1107/2009 aus dem Jahr 2023 sowie die nationale Anpassung des Pflanzenschutzgesetzes, die Bundestag und Bundesrat im Dezember 2025 beschlossen haben. Ziel ist mehr Transparenz über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und eine bessere Datengrundlage für Kontrolle, Forschung und Weiterentwicklung der Praxis.
Digitale Lösungen im Aufbau
Viele Anbietende von Ackerschlagkarteien arbeiten bereits daran, ihre Programme entsprechend anzupassen. Sinnvoll wäre ein Programm, welches nicht nur die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln, sondern das gesamtheitliche Konzept zur Pflanzengesunderhaltung dokumentiert. Der Fokus des Ökolandbaus liegt nicht in der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, sondern in der Prävention. Mit diesen Daten könnten wir als politische Interessenvertretung die präventiven Maßnahmen im Ökolandbau wissenschaftlich sichtbar machen.
Daten für bessere Strategien
Beim Verbundprojekt der Bio-Verbände OEKOGAIA in Zusammenarbeit mit einem Softwareunternehmen ist das Hauptziel, anonymisierte Betriebsdaten zu erheben und auszuwerten, um wirksame Strategien zur Gesunderhaltung von Kulturpflanzen zu identifizieren und weiterzuentwickeln. Analysiert werden unter anderem Fruchtfolgen, Bodenbearbeitung, Schnittmaßnahmen und der Einsatz zugelassener Präparate. Die Ergebnisse sollen in einer interaktiven Online-Roadmap aufbereitet und für Praxis, Beratung, Forschung, Politik und Öffentlichkeit nutzbar gemacht werden. Bis Ende 2027 werden dafür Daten aus fünf Bereichen gesammelt: Ackerbau, Kartoffelbau, Gartenbau, Obstbau und Weinbau.
Die Daten aus OKOGAIA können einen Vergleich der eigenen Daten mit regionalen Betrieben (Benchmarking) für Beratung und Betriebe ermöglichen – eine wichtige Grundlage für betriebliche Optimierungen. Öffentlichkeit und Politik erhalten hingegen Einblicke, ob und wie Maßnahmen – etwa gegen die Schilf-Glasflügelzikade – wirken.
Daten und ihre politische Wirkung
Für die politische Interessenvertretung sind belastbare Statistiken entscheidend, um den Ökolandbau sachgerecht darzustellen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Datenerhebungen den systemischen Ansatz des Ökolandbaus tatsächlich abbilden und den Pflanzenschutzmitteleinsatz als einen (kleineren) Teil der ganzheitlichen Strategie betrachten – denn nur differenzierte Daten ermöglichen eine realistische Bewertung und überzeugende Argumentation. Die in OEKOGAIA erfassten Daten bilden eine zentrale Grundlage, die wir in unserer politischen Arbeit benötigen, um sichtbar zu machen, dass der Ökolandbau Pflanzenschutz mit einem ganzheitlichen System adressiert.
