Weiden unter Obstbäumen

Von Gastautor:in | Gepostet am 15.01.2024

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Rinder, Schafe, Hühner auf der Streuobstwiese: zwei Betriebsbeispiele.

Streuobstwiesen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Kulturlandschaft und liefern einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität. Viele Insekten, aber auch Vögel und kleine Säugetiere finden dort geeigneten Lebensraum. Gleichzeitig bieten Streuobstwiesen aber auch die Möglichkeit zur Beweidung durch landwirtschaftliche Nutztiere wie beispielsweise Rinder, Schafe oder auch Geflügel. Die Herausforderung der Beweidung liegt vor allem darin, die (Jung-)Bäume zu schützen und das Streuobst trotz Beweidung optimal zu nutzen. Wie dies gelingen kann, war Thema einer LfL-Exkursion in Zusammenarbeit mit dem Biokreis Erzeugerring Bayern.

Betrieb 1: Beispiel einer Beweidung durch Milchvieh und Kälber auf 0,3 ha Streuobstwiese:

Im März werden die Milchkühe zur (Wieder-)Gewöhnung an die Weide kurzzeitig auf die Streuobstwiese getrieben. Dies ermöglicht einen ruhigen Weidestart der Kühe, da die Bäume „übermütige“
Tiere wortwörtlich ausbremsen. Die eigentliche Beweidung beginnt dann Mitte Mai – bis dahin dürfen sich Insekten und Bienen ungestört in der Streuobstwiese entfalten. Aufgetrieben werden trockenstehende Kühe sowie Jungvieh bis zu einem Jahr, im Schnitt rund zehn Tiere (ca. 6,5 GV auf 0,3 ha). Die Trockensteher spielen dabei einen wichtigen Part, denn sie halten die Herde ruhig.

Die Tiere weiden dann täglich für etwa vier bis fünf Stunden auf der 0,3 ha großen Streuobstwiese, so lange bis die Weide abgefressen ist. Danach bekommt die Streuobstwiese eine Weidepause, bis wieder ausreichend Gras steht. Die Rinder dürfen dabei nur bei trockenen Bodenverhältnissen auf die Fläche, was sich positiv auf die Grasnarbe auswirkt (keine Narbenverletzungen). Da die Tiere fast nur fressen, wenn sie auf der Weide sind, wird der Kot gleichmäßig auf der Fläche verteilt, so dass die Streuobstwiese gleichmäßig gedüngt wird.

Streuobstwiese mit Obstbäumen und Rindern
Baumschutz mit Querbrettern. Bild: Katharina Loibl

Der nötige Baumschutz kann auf vielfältige Weise erfolgen. Auf Betrieb 1 wurden früher alle Obstbäume mit Stacheldraht vor den Tieren geschützt. Dieser ist durch das Weidesystem jedoch nicht mehr nötig, da die Tiere nur für vier bis fünf Stunden zur Beweidung in die Streuobstwiese gelassen werden. Sollte es den Tieren zuvor schon langweilig werden und kein Abweiden mehr stattfinden, werden die Rinder zügig von der Weide getrieben. Die stundenweise Beweidung kann somit ein wirksamer Baumschutz sein.
Bei Rindern, Schafen, Ziegen und Pferden lässt sich somit sagen: Keine Langeweile aufkommen lassen, sonst leiden die Bäume darunter (durch Anknabbern, Reiben und Ähnliches)!
Jungbäume brauchen dagegen einen besonderen Schutz, damit sie nach der Pflanzung nicht eingehen. Hier sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Die Jugendentwicklung von Anfang an fördern: Ab Ende Oktober bis Ende November pflanzen, dann wachsen die Bäume besser an.
  • Die Baumscheibe muss frei sein, da sie wichtig für die Entwicklung des Jungbaumes ist. Am besten im Frühjahr freihacken und in der Vegetationszeit von Tieren freigrasen lassen. Beim Baumschutz den Tieren die Möglichkeit lassen, bis zur Baumscheibe hin fressen zu können.
  • Schutz vor Weidetieren: drei bis vier stabile Pfähle in ausreichend Abstand um den Jungbaum errichten und um diese herum einen (Stachel-)Draht wickeln; alternativ wäre auch ein elektrischer Schutz möglich, dafür muss jedoch der Strom unterirdisch zu den Bäumen verlegt werden (siehe Bild unten). Weitere Schutzmöglichkeiten, vor allem bei Schafen, wären das Hesselberger (www.baumschutzgitter.net) oder das normannische Baumschutzgitter (www.schlaraffenburger.de).
  • Nicht vergessen: Sonnen- /Frostschutz durch beispielsweise:
    • Querbretter (siehe Bild oben); diese schützen auch noch zusätzlich vor den Nutztieren, da sie die gesamte Konstruktion stabiler machen.
    • Jungbaum mit Kalk oder Ähnlichem weiß anstreichen
    • Jungbaum mit Arbo-Flex Stammschutzfarbe schützen
    • Jungbaum mit Anti-Knapp oder Schilfrohrmatten (Schutzhülle) einhüllen
Vier Holzpfähle schützen einen Jungbaum durch einen elektrischen Zaun vor Rindern
Elektrischer Jungbaumschutz. Bild: Katharina Loibl

Tipps zur Obsternte von Betrieb 1: Mitte August endet die Beweidung der Streuobstwiese. Kurz vor der Ernte kommt ein größerer Rasenmäherbulldog zum Einsatz, um die Erntearbeiten zu erleichtern. Nach der Ernte wird je nach Bodenzustand noch einmal beweidet.


Betrieb 2: Beispiel einer Beweidung durch Jungvieh beziehungsweise Legehennen auf 1 ha Streuobstwiesen (vier verschiedene Schläge):

Auf den Streuobstwiesen werden zum einen das Jungvieh, zum anderen die Legehennen gehalten. Jede Tierart hat dabei ihre festen Weideflächen, es findet also keine Doppelbeweidung statt. Erst nach der Weidesaison werden dann alle Streuobstwiesen von den Legehennen genutzt. Eine alternierende Beweidung durch Rinder und Legehennen wäre jedoch ebenfalls eine sinnvolle Variante, da die Hennen die Kothaufen schön zerscharren und dort viel Nahrung finden (Kuhfladen sind Insektenparadiese).

Beim Jungvieh beginnt die Weidesaison Ende April, wobei die Tiere die ersten zwei Wochen nur tagsüber auf der Streuobstweide sind und nachts im Stall gefüttert werden. Ab circa Mitte Mai bis Mitte September wird dann durchgehend eine klassische Kurzrasenweide praktiziert. Dabei wird der Viehbesatz pro ha so gewählt, dass stets eine Rasenhöhe von 7 cm eingehalten wird. Nach der Ernte darf das Jungvieh je nach Weidewachstum und Witterung immer wieder mal auf die Streuobstweide.

Eingezäunte Streuobstwiese mit Legehennen.
Beweidung mit Legehennen. Bild: Katharina Loibl

Die Altbäume müssen bei Betrieb 2 ebenfalls nicht geschützt werden – allerdings sei darauf hingewiesen, dass die Jungviehweiden nicht komplett aus der Streuobstwiese bestehen. Die Legehennen werden in einem Mobilstall gehalten, der ab Vegetationsbeginn im Rhythmus von etwa zwei Wochen umgestellt wird. Bei vier bis fünf verschiedenen Standstellen für das Mobil bleibt jeder Einzelfläche eine Weidepause von sechs bis acht Wochen. Die abgeweidete Fläche wird gleich nach dem Umsetzen des Stalles mit einem größeren Rasenmäher nachgemäht und das Erntegut auf dem Misthaufen gelagert. Wichtig bei dieser Form der Beweidung ist, den Mobilstall rechtzeitig umzustellen, um eine Überdüngung zu vermeiden.

Auf einen Baumschutz kann zudem verzichtet werden; die Hennen graben zwar durch ihr Sandbaden Löcher am Fuß der Baumstämme, diese sind jedoch nach Aussage der Fachexpert:innen für Altbäume nicht schädlich. Betrieb 2 füllt diese Löcher jährlich einmal auf. Auch wenn der Betrieb keine Schafe mehr hält, kann der Betriebsleiter die Beweidung von Streuobstwiesen mit Schafen empfehlen. Mit ihrem „goldenen Tritt“ sorgen diese Tiere für eine schöne Grasnarbe in den Streuobstwiesen. Allerdings müssen hier ALLE Bäume gut geschützt werden, da die Tiere sonst die Rinde abziehen. Hier gilt wie bereits erwähnt der Grundsatz: keine Langeweile aufkommen lassen. Ältere Bäume können über ein Baumschutzgitter, zum Beispiel ein Drahtgeflecht, geschützt werden.

Weiterführende Informationen zu weiteren Tierarten: https://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/iab/dateien/unternutzung-streuobstwiesenst__ckl.pdf

Gastautor:in

Katharina Loibl

Die Autorin ist Beraterin im Biokreis Erzeugerring Bayern.